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BeitragVerfasst: Mi, 12.10.2005, 22:23 
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RetroRebel
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Es ist einer der ersten Frühlingstage, die Sonne scheint warm durch das Wohnzimmerfenster und der Himmel ist strahlend blau, wie er nur um diese Jahreszeit ist. Ich liege bei uns daheim auf dem Teppich neben der Telefonbuchse vor dem Laptop und stöbere auf alpin, als ich ein kleines blaues Fenster öffnen - "Eine neue Privatnachricht." . Privatnachrichten mag ich, die sind eigentlich immer interessant. Kris schreibt "Balma Alarm!". Und weiter ein Zitat von Funivie.org wonach Alagna einen sog. Balma Day zur endgültigen Stillegung veranstalte, was das genau sei wisse keiner, aber Besichtigung der technischen Anlagen sei sicher drin. Und ob wir dahin wollen, in Alagna wollte wir eigentlich ohnehin schon lang mal zusammen fahren. Irgendwie von Donnerstag bis Sonntag, 7. - 10. April.

Flash! Balma Day, der Hammer. Nocheinmal Balma fahren! (In meinem Kopf höre ich ein entfernstes "boing .... klong-klong-klong-klong-klong....." und "brom-brom-brom-brom-brom" :) Nur ist der 8. April mein Geburtstag, heute ist bereits Mittwoch, der 29. März, da sind entsprechende Planungen schon voll im Gange...

Wieder ein blaues Fenster, "Balma Day - Errata". Kris hat das Datum vertauscht, es geht um das Wochenende vom 2. April. O.K., alles klar. Moment - das' ja schon übermorgen...

Den restlichen Mittwoch inkl. Nacht nutze ich um alles vorzubereiten, so richtig erwartet hatte ich ein weiteres Schiwochenende in dieser Saison sicher nicht. Vor allem die Anreise macht mir Sorgen. Zugfahrt beliefe sich auf 200,- Euro. Also nach Billigfliegern suchen, keine Flüge nach Innsbruck. Vielleicht Salzburg oder München? Ich suche und suche und rechne und rechne, bis mir dann einfällt, dass man sowieso bei manchen Gesellschaften Probleme mit Schi bekommt und das dann noch teurer wird. Wirklich geloht hätte sich einzig der Flug nach Bergamo, allerdings interessanterweise auch nur, wenn man ihn mit mehr Vorlauf gebucht hätte. So spontan ist dieser ebenfalls teuer, zumal mich Kris dann dort auf dem Weg nach Alagna abholen müsste. Zu umständlich, außerdem will ich unbedingt vorher bei ihm in Innsbruck vorbei, um dort noch eventuell Ausrüstung zu leihen (Tourenschi etc.). Schließlich stolpere ich über Surf & Rail und: Hannover - München ist diese Woche dabei! Damit reduziert sich die Fahrt nach Innsbruck auf 120,- was ich immer noch viel zu teuer finde, aber günstiger geht es wohl nicht.

Nach wenigen Stunden Schlaf, sitze ich Donnerstag Mittag im Zug und bin am frühen Abend in Innsbruck. Der Abend wird lustig, viel zu quatschen und auch ein bisschen Bastelei: die Stativplatte, mit der Kris' Kamera an's Stativ geschraubt wird, fehlt. Also im Keller schnell noch was improvisieren (und das kann er! :) ). Um Mitternacht starten wir mit seinem kleinen blauen Golf I gen Süden.....

Wir sind ja schon öfter nachts durch Italien gefahren, irgendwie hat das schon was. Um drei an irgendeinem Autogrill mal wieder einen Espresso einschieben und weiter durch die Nacht... und endlich mal wieder Zeit in Ruhe zu quatschen. Für mich schon allein deshalb interessant, weil Kris' Infos aus italienischen Foren mich natürlich auch brennend interessieren. Aber man lernt bei solchen Gelegenheiten auch immer viel Italien im Allgemeinen, seinen Stil, seine Kultur, seine Menschen....

Reichlich fertig erreichen wir bei Morgengrauen Alagna. Das Bild ist ziemlich trostlos, typisch für Anfang April: braune, matschige Hänge, wo die Vegetation anders als im Mai noch nicht wieder zum Leben erwacht ist, dazu tiefhängende graue Wolken. Der Neuschnee, der uns auch veranlasst hat herzukommen, ist wohl unter 2500m nicht liegen geblieben.

Wir schlafen erstmal ein paar Stunden im Auto, auch eher schlecht als recht und frühstücken dann in unserer altvertrauten Bar Mirella. Das Wetter lädt nicht gerade zur Eile ein, bis wir dann Tourenschi für mich geliehen und Skipässe gekauft haben ist es ein Uhr.

Mit der 8er EUB fahren wir nach Pianalunga, selten habe ich dieses Tal so trostlost erlebt wie heute, morbide, irgendwie erdrückend. Allein, der Schneemangel gewährt Einblicke in die Vergangenheit Alagnas, die bisher verwehrt blieben.

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Die erste Anhöhe der Trasse, deutlich zu erkennen ist das riesige alte Stützenfundament der PB. Interessant ist links vorne das Doppelfundament der Baubahn. Der linke Teil ragt noch hoch in die Luft, ich hatte ihn bereits auf der Sommer damals in dichtem Gebüsch entdeckt. Der rechte Teil ist fast völlig in der Erde versunken und viel mir erst eben beim Betrachten des Bildes auf.

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Das ganze mit etwas mehr Abstand. Links ist gut der Wanderweg zu erkennen, den wir im Sommer von Alagna aus heraufgekommen sind. Die Geländeformation hier lässt erahnen, dass möglicherweise noch weitere Reste von Bauwerken und dieser Grasnarbe verborgen liegen.

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Das bereits im anderen Bericht gezeigte Photo jenes Bauseilbahnfundamentes, im Sommer musste man schon genau ins Gebüsch schauen, um es zu sehen. Beeindruckend wie sehr sich die Vegetation ändert durch den Wechsel der Jahreszeiten.

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Auf der nächste Anhöhe stand die zweite der beiden Stützen der ersten Sektion, auch hier ist ein ennormes Fundament zu sehen. Reste der Baubahn allerdings nicht... im oberen Bereich standen deren Stützen aber auch nicht mehr parallel zu denen der Pendelbahn. Auch hier fasziniert mich die düstere traurige Stimmung, die bedingt durch Wetter und die verwitterten Reliquien, von diesen Orten ausgeht.

Von der ehemaligen Station Zar-Oltu ist übrigens ganz unitalienisch quasi gar nichts mehr zusehen. Ich habe damals im Sommer arge Mühe gehabt deren Standort überhaupt ausfindig zu machen, obwohl der große Gebäudekomplex erst vor vier Jahren abgerissen wurde. Allerdings galt auch für Zar-oltu das gleiche wie für die Station auf der Bocchetta: außerhalb der Station gab es kaum Erdbewegungen beim Bau, so dass man heute eben nur die Grundfläche der Station als kleinen quadratischen und ebenen Platz wahrnimmt. Und das auch nur, wenn man weiß, wo.

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Richtung Pianalunga wird das Wetter auch nicht gerade freundlicher und einladender.

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... und leider auch nicht an der Station Cima Legna - Mittelstation des Funifor Salati.

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... ganz oben jedoch wartet eine seltsame, optisch sehr interessante Stimmung aus Nebel und Licht: wir befinden uns unmittelbar unter der Wolkengrenze.

Es folgt die übliche kurze Fahrt zum Guglielmina, Gepäck abstellen, anmelden. Dann ist soweit: die erste Abfahrt wartet, die berühmte Route, durch Olental, von der ejtzt nach Pistenbau nur noch ein amputierter Rest bleibt. Innerhalb weniger Meter merke ich, warum ich, dass es seinen Grund hatte warum ich zwei Dinge hasse: Skier mit runden Kanten und Skifahren im April! Was letzteres angeht bin ich schwer vorgeschädigt, da wir früher auf die Osterferien angewiesen waren. Für heißt Skifahren um diese Jahreszeit: unglaublich schwerer Schnee, wenig landschaftliches Ambiente je tiefer man kommt und verhältnismäßig schlechtes, da oft recht feuchtes Wetter. Daher habe ich Skifahren Anfang Früjahr seit dem Abi auch tunlichst gemieden. Ich liebe den Hochwinter und auch die Zeit Ende Mai / Anfang Juni zum Skifahren: dazwischen gibt es für mich nichts. All denen, die Jahr für Jahr wieder um Ostern skifahren gehen, gönn ich ihren Spaß - viele mögen diese Zeit im Jahr. Ich für meinen Teil nun mal nicht. Die Tiefschneeabfahrt durchs Olental hat mir auch dieses Mal überhaupt keine Spaß gemacht: Sichtweite 2,50m und unglaublich schwerer tiefer Schnee. So beschissen bin ich glaub ich seit 20 Jahren nicht mehr Schigefahren. Es lebe der staubtrockene Pulverschnee des Januars!

Das zweite waren nun jene runden Kanten. Ich bezweifle ja überhaupt nicht, dass allein aufgrund der Materialien diese Schi denen vergangener Jahrzehnte um längen voraus sind. Desweiteren mag ich offen zu geben, dass man mit modernen Schi Sachen fahren kann, die ich mit meinen alten Schiern aus den 70ern definitiv nicht fahren kann, insbesondere was Engstellen angeht. Nachdem ich k2k mit seinen Ski hab fahren sehen, war meine Neugier auf die modernen Ski noch mal extrem groß geworden (der Junge fährt nämlich durchaus ganz anständig.. ;) ), auch ein Grund warum ich mir diese hier geliehen. Fakt ist aber nunmal, dass ich meinen Stil damit nicht fahren kann und ich bin geneigt zu sagen, dass es auch schlichtweg technisch nicht möglich und v.a. nicht sinnvoll ist. Das Problem scheint mir darin zu liegen, dass es bei stärker taillierten Ski nicht möglich ist, mehr oder weniger ausschließlich über die hinteren Kanten zu fahren (mit entsprechender Rücklage und unter Ausnutzung der Fliehkräfte) und dabei die Skispitzen fast völlig zu entlasten. Man verkantet sofort und fliegt auf die Fresse. Hält man das Gewicht relativ in der Mitte, kann man die Ski fast mit einem Wimpernzucken drehen - nur macht mir das keinen Spaß. Vielleicht irre ich auch bei meiner Einschätzung, dies ist jedenfalls meine Erfahrung an diesem Wochenende gewesen (und vorher schon mal bei einer Skiwoche in Sölden). An diesem Nachmittag hat ich nach der ersten Abfahrt so die Schnauze voll, dass ich mich anschließen aufs Rifugio verzog.

Während wir also hier oben auf der Terrasse des Gulglielmina sitzen und auf Kris warten, nutze ich die Gelegenheit, noch einmal ein bisschen was über die örtlichen Gegebenheiten und die Geschichte Alagnas zu erzählen, in der Hoffnung jenen Lesern, die Alagna nicht von eigenen Besuchen her kennen, die Bilder und Locationen der folgenden Tage besser einzuordnen zu helfen.

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So sieht das Schigebiet im Augenblick aus, und zwar seit diesem Winter. Von rechts unten kommt die 8er EUB von Alagna herauf, die in Pianalunga auf 2150m endet. Dort geht dann rechts der neue Sessellift (2000) zur Bocchetta hinauf und seit diesem Winter auch der Funifor über Cima Legna zum Passo Salati. Von links kommt in zwei Sektionen die EUB von Gressoney zum Pass. Alagnaseitig, etwas unterhalb des Passes liegt das Rifugio Gulglielmina. Bleiben noch die anderen beiden Anlagen an der Bochetta: der Korblift "Balma", zu dessen Stillegung wir nach Alagna gefahren sind und die alte Punta Indren Pendelbahn von der Bocchetta zur Punta Indren. Schauen wir uns jetzt noch einmal an, wie sich das ganze entwickelt hat.

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In den 60er und 70er Jahren sah das ganze so aus: Von Alagna führte in drei Sektionen die Pendelbahn über Zaroltu (1850m) und die Bocchetta delle Pisse (2400m) zur Punta Indren (3250m). An der Bocchetta gab es zwei weitere Anlagen: eben jenen Balmakorblift und einen kurzen ESL namens Mullero. In Gressoney stand zu der Zeit eine alte Piemonte Funivie Eiergondelbahn, allerdings auf anderer Trasse als die heutigen EUBs (ich hatte sie mal im Rateforum). Bei Skigebiete waren nicht verbunden, der Rückweg nach Alagna war nicht möglich. Interessant waren die beiden Schlepplifte an der Punta Indren: Sommerschi am Indrengletscher (links) und Borsgletscher (rechts). Bei Lifte waren teil aufwendig konstruierte Dreieckslifte mit Antrieb direkt an der Seilbahnbergstation.

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Anfang der 80er Jahre wurde der Borslift zum zweiten Mal durch eine Lawine zerstört und danach nicht mehr aufgebaut. Stattdessen folgte Mitte der 80er der Rocettelift, der zweite Gletscherlift auf dem Indrengletscher, welcher durch die Verlegung eines Stromkabels zur Punta Indren ermöglicht wurde. Ebenfalls Mitte der 80er wurde der Balmalift an seiner Talstation durch eine Lawine zerstört, was ihm seine Bunkertalstation und sein weites exponiertes Spannfeld einbracht (man wollte kein Risiko mehr eingehen). Gressoneyseitig wurde die alte Piemonte Funivie EUB abgerissen und durch eine Agudio EUB auf anderer Trasse ersetzt. Daran schloss eine DSB an, die es allerdings nicht hinauf bis zum Pass schaffte, so dass weiterhin keine wirkliche Verbindung bestand.

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Das änderte sich, als Ende der 80er erst ein kurzer Anschlussschlepper zum Passo Salati gebaut wurde und später - Anfang der 90er - die lange Leitner 12EUB, die bis heute in Betrieb ist. Ansonsten änderte sich in den 90ern nichts im Gebiet, bis auf die Tatsache, dass ab 1997 kein Sommerschi mehr angeboten wurde. Die Gletscherliften hatten dafür aber - sehr löblich und viel zu selten praktiziert - Winterbetrieb, was tolle Routen und Ausblicke erschloss.

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Die radikale Änderung kam 2000. Bei der Monrosa SPA, der Liftgesellschaft Alagnas änderten sich Ende der 90er Jahre die Eigentumsverhältnisse. Sie wurde durch die Monterosa SPA ersetzt, welche soweit ich weiß zu nicht unwesentlichen Teilen den Aostanern (also Gressoney und Champoluc) gehört. Dies führte zu radikalen Neubauplänen: die alte PB sollte weg, da zu teuer und ineffizient. Stattdessen sollte auf der ersten Sektion die EUB Pianalunga (mit verlängerter Trasse) und auf der zweiten Sektion die DSB Bocchetta gebaut werden, was mit samt Abriss der ersten beiden PB Sektionen im Sommer 2000 geschah. Der alte Esl Mullero wurde stillgelegt, aber stehen gelassen.

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Weiterhin sollte eine direkte Lift- und Pistenverbindung mit den beiden Aostatalergebieten hergestellt werden, zu diesem Zweck wurde eine Piste und der Funifor Passo Salati in zwei Sektionen gebaut. Aufgrund von Verzögerungen konnte beides erst in der Wintersaison 2004 / 2005 in Betrieb genommen werden. Dies war der deutlichste Einschnitt in den Charakter des Schigebietes. Ab Sommer 2004 begann auch der Bau eine spektakulären Anlage: eines weiteren Funifors vom Passo Salati über die Punta Indren zur Cresta Rossa auf fast 3700m.

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Diese Anlage erhielt leider diesen Sommer einen Baustopp wie es scheint. Stattdessen ist jetzt ein Funifor auf Aostaner, also Gressoneyseite geplant. Dieser wird unterhalb des Passo Salati starten und auch nicht weiter als zur Punta Indren reichen. Da dieser nicht von Alagna gebaut wird, ist sehr zweifelhaft, ob dies nicht einen Pistenbau von der Punta Indren nach Lago Gabiet ebenfalls nach sich ziehen wird. Dies wäre das endgültige aus für den besonderen Charakter und Charme des Gebietes. Insgesamt ist zu Bedauern, dass größere Teile des Gebietes endgültig verloren gegangen sind durch ersatzlosen Abriss von Anlagen, dazu wird möglicherweise auch die schwarze Balmaabfahrt von der Punta Indren zum Balmakorblift gehören, da ein Neubau dieser stillgelegten Anlage noch nicht absehbar ist.

Nach diesem kleinen Exkurs widmen wir uns wieder dem Balma Day. Mittlerweile ist nämlich Samstag Morgen, das Wetter ist um einiges besser, und heute, am 2. April ist eben jener Balma Day. Nach einem excellenten Frühstück beginnt morgens die erste Abfahrt durchs frisch verschneite Olental, bevor auch nur ein anderer Schifahrer das Tal erreicht hat.

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Mit dem frischen Neuschnee fährt es sich etwas besser, wobei er auch tükisch ist, weil darunter der zerwühlte nicht mehr sichtbare Sulz ebenso wie jetzt schneebedeckte Steine lauern. Die Athmossphäre hingegen ist wunderbar.

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An der Bocchetta mit DSB.

An der Bocchetta ist der Balmaday schon voll im Gange, allerdings beschränkt er sich auf eine recht stranges Balmagetränk, ein Buch wo man seine Gedanken zum Balmalift reinschreiben kann und eine große Leinwand an der Stationsrückseite, zum Ansprayen (wo man allerdings sofort rücksichtslos übersprüht wurde).

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Noch bevor ich abdrücken konnte, waren schon die nächsten Buchstaben über den meinen.... :(

Diese noch nicht so atemberaubende Vorstellung veranlasst uns, erst mal auf die Punta Indren hochzufahren. Oben erwartet uns strahlende Sonne über einem Meer von Wolken.

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Balmalift von der Punta Indren Gondel aus gesehen.

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James Bond lässt grüßen.

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Rechts unten Bergstation Funifor Passo Salati mit Bauseilbahnmast, in der Mitte das im Wiederaufbau befindliche Instituto Scientifico Mosso, dahinter das Rifugio Vigevano. Das Guglielmina ist rechts hinter dem Hangrücken versteckt.

Es folgt die legendäre Balmabfahrt, die von der Punta Indren Alagnaseitig zum Balmalift führt. Ich habe mit meinen Skiern allerdings immer noch keine Freude, was der Nebel, der auf 2900m schon auf uns wartet, nicht gerade besser macht.

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Knapp oberhalb des Nebelmeeres.

Nachdem es im kalten dunklen Nebel - vor allem nach der Sonnenflut eben - ohnehin keinen Spaß macht, beschließen diese Tarnung zur Kirchturmstützeninspektion zu nutzen.

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Der Eingang in die Kirchturmstütze.

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Gondelüberfahrt an der Kirchturmstütze.

Trotz des Nebels ist das Gelände um die Kirchturmstütze herum von der Gondel gut einsehbar, vor allem auch aufgrund der frischen Schnees, der Spuren überdeutlich zeigt. Da die Stütze ein ganzes Stück abseits der Piste steht, fällt jeder Besuch dort relativ leicht auf.

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Diese Tatsache sowie das Pech, dass just jetzt der Nebel aufreißt und die Stütze auch noch von der Piste gut sichtbar wird, ist für mich Grund zum Rückzug.

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Stattdessen ist jetzt der Balmalift dran. An der Talstation ist weniger los als oben, die Gefahr dass der Betriebsleiter vorbeischaut ist gering und der Liftwärter - der neben auch noch gut englisch spricht - sehr aufgeschlossen ("Ihr dürft heute alles machen, nur nicht vorne runterfallen!" :D ). Dies führt zu einigen lustigen Episoden, wie z.B. dem um die Umlenkscheibe fahren und dabei den Korb von unten filmen (ihr erinnert Euch an meinen Rätselfilm?? ;) ). Außerdem gibt's noch eine Menge Infos, z.B. dass es an der Seite des Liftes eine Seilwinde gibt um Tragen mit Verletzten heraufzuhieven (das muss richtig Laune gemacht haben, außen per Flaschenzug hoch!). Und dass die alte, von der Lawine weggefegte Station noch ein paar Meter weiter unten zu sehen ist.

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Und was man als Liftwärter auf einer Plattform in 20m Höhe ohne Toilette macht, wenn man pinkeln muss.... ;)

Wir könnten uns dann neben der Fahrt mit dem Balmalift auch noch mal die Abfahrt unter dessen Trasse, die einige sehr intressante Photoperspektiven bietet.

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Mal wieder zum Thema Überfahrtshöhe...

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Punta Indren Bahn aus dem Balmalift gesehen.

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Das erste lange Spannfeld mit Indrengondel hinten rechts.

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Unter dem Balmalift im oberen Bereich.

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Technikstudie. Hat doch ein bisschen was auch von SACIF oder?? ;)

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Nochmal die berühmte Überfahrtshöhe.

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Traverse vom Passo Salati zum Rif. Guglielmina in Abendstimmung.

Der Abend war wiederum mit gutem Essen und Wein, und interessanten und aufschlussreichen Gesprächen und Diskussionen gesegnet. Unschönerweise sollte sich das Kratzen im Hals der letzten zwei Tage in dieser Nacht zu einer ausgewachsenen Grippe mit höllischem Schnupfen und nicht übel Fieber entwickeln. Die Nacht hat keinen Spaß gemacht. Dafür hatte ich viel Zeit mal wieder den wunderschönen Morgen hier oben zu genießen.

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Ein interessantes Motiv, wie ich fand: rechts Ofenglut, links Morgenlicht in der Tür.

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Sonnenaufgang mit Kapelle am Rif. Vigevano. Gewaltig!

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Beim Frühstück muss ich mir reiflich überlegen, ob ich heute überhaupt starten will. Das Wetter ist genial, aber ich bin richtig fertig. Nicht nur, dass ich wegen des Schnupfens kaum atmen kann, ich habe auch richtig Fieber. Am Ende siegt aller Vernunft zum Trotz der Wunsch auch einen Sonnentag erlebt zu haben - außerdem musste sich das Geld für die Tourenschi ja auch noch irgendwie rechnen.

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Traumhafter Blick vom Rifugio ins Olental.

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Nochmal Aufnahmen des Balmaliftes aus der Indrengondel. Heute, am 3.4.2004 ist endgültig der letzte Tag dieses Wächters von Alagnas Charme.

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Die berühmte Kirchturmstütze mit Bauseilbahnstation daneben. Deutlich zu sehen zwei Spuren... ;)

An der Punta Indren schnallen wir die Felle unter die Schi, für mich eine Premiere. Ich muss sagen, das geht mit Fellen viel einfacher als so wie ich sonst immer zu Fuß durch den Tiefschnee zu laufen. Wir steigen in Richtung Cresta Rossa auf über den Indrengletscher entlang der Ruinen des Rocetteliftes.

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Blick zurück mit Indrenschlepplift.[i]

Allerdings machen mir meine Erkrankung in Verbindung mit der Höhe und der gnadenlosen Sonne extrem zu schaffen, Kris ist bald außer Sicht. Ich folge mechanisch den Spuren...

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[i]Rocetteschlepplift und Cresta Rossa.


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Es ist sooo heiß.... ich kann kaum atmen.... es pocht in meinem Kopf..... meine Atemwege brennen.....

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Ich nehme meine Umwelt nicht mehr so wirklich war, eher schemenhaft. Selten, dass ich mir für meine eigenen Bilder hinterher so dankbar bin...

Leicht oberhalb des Roccetteliftes entschließe ich mich, diesem meine Zeit zu widmen und Cresta Rossa für dieses Mal abzuschreiben. Die Aussicht hier ist auch schon gigantisch und der Lift ist undokumentiert und soll bald abgerissen werden.

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Rocettebergstation auf knapp 3600m.

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Die Senke, wo die Spuren hinführen, ist die Forcella Bors. Die ist höllisch schmal und soweit ich das sehen konnte nicht zu befahren. In der Scharte endet der alte Borsschlepplift an einer Felswand

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Forcella Bors mit Kragarm der Seilrückführung vom Dreiecksschlepper Bors noch aus den 60er Jahren.

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Rocettebergstation.

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Rocettebergstation mal aus einer anderen Perspektive - interessanter Stützenschatten. ;)

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CrestaRossa Baucamp - man kann es von der letzten Rocettestütze an der Bergstation sehen. Rechts von der Stütze gehts ganz schön runter....

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Anschließend warte ich auf Kris, der recht bald von oben angefahren kommt. Wir fahren zur Forcella Bors, was in dem Harschschnee nicht gerade spaßig ist. Dort finden wir ein extrem enge Scharte, Spuren führen hinein und Aufstiegspuren führen parallel wieder zurück - damit ist die Sache für uns klar. Dass ich Idiot vermutlich nur 15m von der alten Borsbergstation - die eine beeindruckende Anlage für einen Schlepplift darstellt - entfernt war und nicht runtergelaufen bin, wo doch sogar gespurt war... ich hätte einen Blick auf die Karte werfen sollen, ich habe in dem Moment an den Borslift gar nicht gedacht.... :(

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Weiter unten: Bergstationen von neuem und altem Indrenlift (aus den 60ern).

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Neuerer Indrenlift.

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Hier trennen wir uns. Kris fährt weiter, ich bin völlig fertig, mein Kreislauf spinnt, ich brauche dringend Ruhe. Ich setze mich in das Restaurant an der Indrenbergstation - und schlafe. Über eine Stunde.

Ich fahre dann auch dem entsprechend mit der Gondel wieder zur Bocchetta zurück. Als ich dort ankomme ist es kurz vor vier, in wenigen Minuten wird der Balmalift abgestellt - für immer. Plötzlich kommt mir eine Idee. Ich gehe nochmal in die Station, zu meinem Glück steht dort heute der eine coole Angestellte, der uns schon die Fenster in der Indrenbahn aufmachen ließ, um Photos zu machen (alle anderen haben das immer untersagt und sich tierisch angestellt). Er erkennt mich wieder und grüßt. Ich bringe mein Anliegen vor, obwohl ich selbst der Sache wenig Chancen geben... und bekomme grünes Licht! Vorsichtig steige ich die steile enge Wendeltreppe hinauf, die sonst stets Grund war, warum der Motor diese mythischen Anlage jedem Liftfan verwehrt blieb. Die Treppe ist auch saumäßig gefährlich! Oben erwartet mich dann das letzte der Alagnaner Rätsel....

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Ich denke, ich bin der einzige, der je Bilder davon machte....


Zuletzt geändert von ::: trincerone am Di, 02.10.2007, 21:30, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: So, 30.09.2007, 23:34 
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RetroRebel
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@krisu: Wann machst Du eigentlich endlich mal unser Video fertig?? ;) :)


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BeitragVerfasst: Mo, 01.10.2007, 18:03 
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Nur geil :shock:


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BeitragVerfasst: Mo, 01.10.2007, 22:41 
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RetroRebel
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Tja, es war einmal.... :( :cry:

Aber vielen Dank (ich bezieh das jetzt mal auch auf den Bericht.. :) ).


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BeitragVerfasst: Di, 02.10.2007, 0:51 
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video: ...ehm, hinterm ohr kratz...oioioi


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BeitragVerfasst: Di, 02.10.2007, 7:52 
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RetroRebel
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Mit würds ja reichen, wenn du das Band einfach mal digitalisierst und mir ne DVD brennst - irgendein Freeride-Boarder Video werd ich dann schon draus machen.... ;)


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BeitragVerfasst: Fr, 08.12.2017, 21:33 
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Beiträge: 175
Wohnort: weit weit weg
Dank dieses Berichts konnte ich Geschichte und vielleicht auch ein wenig der Faszination besser nachvollziehen. Die Stimmung auf den Bildern ist wie immer fantastisch. Gibt es irgendwo noch historische Aufnahmen, z.B. vom ESL?


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