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 Betreff des Beitrags: Les Grands Montets
BeitragVerfasst: Di, 12.01.2010, 17:47 
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Registriert: Sa, 03.03.2007, 12:53
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Es gibt Skigebiete, in denen es nach wie vor echte, schwarze Pisten gibt. Pisten, die nicht präpariert werden, auf denen keine künstliche Beschneiung stattfindet. Es gibt Gebiete, da werden viele Hauptabfahrten weder präpariert noch beschneit. Es gibt Gebiete, die geben die Anzahl der Pistenkilometer so an, wie es der Realität entspricht. Es gibt Gebiete mit komplett natürlich trassierten Waldabfahrten, auf denen Geländekanten überwunden werden, die steile Buckelhänge aufweisen, wo Bäume mitten in der Piste stehen, wo solche Hänge weder als "Outlaw" befahren werden (müssen), noch als Route ausgezeichnet sind, sondern als rote Piste ohne Warnschilder, ohne Zäune. Es gibt Gebiete, da beträgt die Quote der Helmträger in der Gipfelbahn maximal 20%. Und es gibt Gebiete, die trotz dieser Merkmale, die nach landläufiger Meinung einen sicheren Niedergang nach sich ziehen, von Massen von Skifahrern heimgesucht werden, obwohl die Tageskarte fast 50 Euro kostet. Und es gibt Gebiete, da scheinen die Kunden mit solchen Zuständen zufrieden zu sein. Sie scheinen sie sogar zu suchen. Schließlich kann man sich erlauben, für eine Bahn mit oft einer Stunde und mehr Wartezeit, die keinen einzigen Meter präparierte oder beschneite Piste erschließt, einen Aufschlag von 10 Euro zu erheben.

Ein solches Skigebiet hatten wir bereits lange auf unserer Liste stehen, bis wir dann irgendwann endlich den Weg dorthin fanden.
Doch zunächst, auf dem Hinweg stimmern wir uns bei unserer Ankunft am Alpenrand auf die Gegend ein, die schöner nicht sein könnte.
Ist es nur das Urlaubsgefühl, oder ist das Leben hier tatsächlich so leicht, wie es sich anfühlt?

Ich habe dazu eine kleine Diavorführung vorbereitet.

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Hier gibt es auch ein fast schon geheimes Skigebiet, dessen Panorama wir auf dem Weg zum Ende seiner Talabfahrt zu erahnen versuchen.

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Eines Morgens, ich weiß nicht mehr genau, welcher Tag es war, ging es dann los Richtung Argentière bei Chamonix.
Von der Passstraße aus kommt das Gebiet erstmals in den Blick.
De Vorgipfel eines offensichtlich massiv vergletscherten Berges ist unser Ziel.

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Das Gebiet wirbt mit 29km Pisten. Die Bahnen sind überweiegend schon etwas älter.
Es gibt zwei Sektionen Pendelbahn, die die Hauptachse des Gebietes bilden.
Dazu gibt es noch eine Gondelbahn und einige Sessellifte.
Um die Dimensionen des Gebietes zu erfassen, muss man allerdings entweder dort Skifahren oder sich mindestens vor Augan halten, dass die Höhendifferenz insgesamt über 2000hm beträgt. Durchgehend fahrbar, und zwar weitgehend unpräpariert, wohlgemerkt.
Da der Berg bereits hinreichend dokumentiert wurde, beschränke ich mich größtenteils auf die Abfahrten vom Gipfel.
Zunächst aber nehmen wir die untere Sektion bis Lognan.
Beide Sektionen Pendelbahn fassen meines Wissens 60 Personen. Die Obere überwindet bei einer Fahrgeschwindigkeit von 11,5m/s, ungebremst über den 80m (?) hohen Pylon, in gut 6 Minuten über 1300hm, von wo sich ein gigantisches Panorama zeigt.
Von der Bergstation steigt man einige hundert Stufen zum Gletscher hinab.

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Auf der Point de vue Piste, die über gigantisch dimsionierte, vergletscherte Hänge führt, hat man stets den 10km langen Glacier d'Argentière zu Füßen.
Die Abfahrt kann von oben gesehen rechts über ungesichertes Gletschergelände von je nach Verhältnissen moderaten Varianten bis hin durch das extreme und (mitunter zusätzlich durch Eisstürze von oben betroffene) teilweise extrem gefährliche Spaltenmeer je nach Geschmack, Können, Erfahrung, Risikobereitschaft, Ausrüstung und ggf. unter Führung eines Guides beliebig variiert werden.
Aber selbst die Piste ist bereits in jeder Hinsicht ein absolutes Erlebnis.
Doch zunächst geht es die Treppe herunter.

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Unter der Bahntrasse befindet sich die Pylônespiste. Im oberen Bereich kann ebenfalls wieder im ungesicherten Gelände direkt von der Bergstation eingefahren werden. Diese Variante ist in besonderem Maße auf tragfähige Brücken über den großen Spalten angewisen. Der April bietet für solche Abfahrten oft mit die besten Voraussetzungen.
Bereits oben auf den Gletscher zewigen diverse Spuren in sehr verspaltetes Gelände ab.
Im unteren Bereich, der auch von einer Sesselbahn erschlossen ist, zweigen sich nicht nur (unpräparierte) Pisten auf, sondern auch das Gelände bietet bei einer Schneehöhe von offiziell ca. 4m und viele Wochen nach den letzten Schneefällen eine Unzahl buckliger Hänge und Rinnen verschiedenen Gefälles. Insgesamt erstreckt sich dieses Gelände wiederrum über gut 1300hm.
Man kommt am bekannten, gigantischen, weißen Seilbahnmast vorbei, der sich pittoresque vor dem blauen Frühjahrshimmel abzeichnet. Mittlerweile ziemlich angestrengt vom Skifahren legen wir eine ausgiebige Photopause ein, um dieses Bollwerk der Technik auf Umkehrfilm zu dokumentieren.
Doch zunächst heißt es wieder warten an der Mittelstation.

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Zum Pausieren empfiehlt sich das Rifugio Lognan, das sich unweit der Variante Hotel befindet.
Wir finden, dass eine rote Piste so am besten aussieht.
Und wir finden auch, dass dieses Skigebiet eines der besten ist, wenn nicht das Beste überhaupt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Les Grands Montets
BeitragVerfasst: Di, 12.01.2010, 18:20 
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RetroRebel
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Beiträge: 2254
Was lange währt ...

Auf diesen Bericht war ich seit langem gespannt. In Kürze werde ich auch wieder persönlich dort aufkreuzen - am eindrucksvollsten Skiberg der Alpen.

_________________
Chasseral - "Les derniers vestiges ont disparu - la fin d'un rêve"


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 Betreff des Beitrags: Re: Les Grands Montets
BeitragVerfasst: Di, 12.01.2010, 18:20 
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Großartiger Bericht aus einem meiner absoluten Lieblingsgebieten. Da werden Erinnerungen wach an meinen letzten Besuch dort im April 2008.
Das ganze ist wirklich Understatement in Reinstform... und absolut genial mit den unzähligen Abfahrten bzw. Hängen die meist auf der kompletten Breite befahren werden können (von wegen 29km Pisten .... :lol:). Auch der Gletscher links neben der PB ist großartig. Ich kenne kein anderen Skigebiet an dem am so dicht an einen so imposanten Gletscher heran kommt ohne sich selbst in Gefahr bringen zu müssen.
Was mir beim ansehen der Bilder aufgefallen ist: Die sind alle aus dem Bereich rund um die PB. Seid ihr den ganzen Tag nur PB gefahren oder unterliegt der Bericht mal wieder so einer selektiven Wahrnehmumg ;)
Wie oft seid ihr an dem Tag mit der PB gefahren?


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 Betreff des Beitrags: Re: Les Grands Montets
BeitragVerfasst: Di, 12.01.2010, 22:29 
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RetroRebel
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Registriert: Mo, 07.11.2005, 8:22
Beiträge: 2565
Beeindruckende Bilder wieder mal.

_________________
www.funitel.de


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 Betreff des Beitrags: Re: Les Grands Montets
BeitragVerfasst: Mi, 13.01.2010, 0:02 
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Registriert: Sa, 03.03.2007, 12:53
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Danke für Eure Antworten.

Wir waren innehralb einer Woche zwei Mal dort.
Das erste Mal in der Woche wurden keine Gondelreservierungen gemacht und so baute sich die Schlange an der Mittelstation recht schnell ab. Vielleicht eine halbe Stunde mussten wir warten.
An dem Tag sind wir vier Mal oben gefahren. Als wir das zweite Mal dort waren, bekamen wir morgens eine Reservierung für ca. 15 Uhr. Und ohne Reservierung hat es dann wirklich grenzwertig lange gedauert, bis man hochfahren konnte. Über eine Stunde betrug die Wartezeit. Da haben wir inclusive der Reservierung nachmittags nur drei Abfahrten geschafft. Zusammen mit den anderen Pisten dort, war ich aber ziemlich fertig danach.
Von der Chamois Piste war ich übrigens etwas enttäuscht. Ziemlich planiert. Aber im Endeffekt ist es dort ja egal, da das Gelände unendlich viele Hänge bereithält. Jedenfalls haben wir es an den zwei Tagen nicht annähernd geschafft, die Potentiale des Gebietes auszuschöpfen. Wir haben allerdings auch absolute Priorität auf den Gipfel gelegt, da das Ambiente einfach umwerfend ist.
Den Abgelegnenen Bereich Richtung Chamonix sind wir beispielsweise nur einmal gefahren, also nicht alle Pisten. Und da hatten wir es, um die letzte Gipfelbahn noch zu bekommen so eilig, dass ich nicht photographieren konnte.


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 Betreff des Beitrags: Re: Les Grands Montets
BeitragVerfasst: Mi, 13.01.2010, 9:34 
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Registriert: Do, 14.02.2008, 18:01
Beiträge: 931
3303 hat geschrieben:
Zusammen mit den anderen Pisten dort, war ich aber ziemlich fertig danach.

Das kenn ich irgendwie...
Bei meinem Besuch im April 2008 in Chamonix hab ich morgens ein Runde durch das komplette Brevent-Flegere Gebiet gedreht und bin dann Mittags an die Grands Montets gewechselt. Da bin ich erst den rechten Teil abgefahren (ein paar der Sesselbahnen und dann von der EUB ganz rechts runter) um dann als Abschluss noch 2 Mal mit der PB zu fahren. Die letzte Abfahrt ging von der PB Bergstation über mehr als 2000 Hm links am Gletscher entlang und dann links der Mittelstation die "Abkürzung" zur Talabfahrt und dann ganz ins Tal runter.... Ich war noch nie so kaputt nach dem Skifahren wie an diesem Tag. Vor allem der weiche Aprilschnee unter 2000m war extrem anstrengend.


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 Betreff des Beitrags: Re: Les Grands Montets
BeitragVerfasst: Mi, 13.01.2010, 13:11 
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Registriert: So, 18.12.2005, 19:12
Beiträge: 7636
Wohnort: innsbruck.at
Weiß zufällig jemand, ob die Besucherzahlen dort (v.a. an der oberen PB) in den Wintermonanten gleich sind, steigen oder sinken? Mit absoluten Zahlen wird man vmtl. nicht weit kommen, weil die PB wohl gut ausgelastet ist, da müsste man wohl die durchschnittliche Wartezeit in Betracht ziehen, aber die wird wohl statistisch nicht erfasst werden...

Steigen, weil es immer weniger solche Skigebiete, aber immer mehr Fans davon gibt?

Sinken, weil die Leute immer mehr in bequeme Skigebiete wollen?

Oder blieb es die letzten 10 Jahre recht konstant, was den Ansturm anging?

_________________
http://ski.inmontanis.info - http://blog.inmontanis.info
Neu: Überblick Berichte Ski-Saison 1.10.2018-30.9.2019 (121 Tage, 73 Gebiete)


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