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BeitragVerfasst: Fr, 02.11.2018, 19:29 
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Vallee d'Arbedo: gli ultimi segreti del Ticino.
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Der Kanton Tessin, nicht zu verwechseln mit dem Tessin (Fluss) ist ja schon so ziemlich hoch und runter dokumentiert. Aber dennoch stösst man ab uns dann wieder auf etwas, dass man bisher übersehen hat, bzw schon länger im Hinterkopf hatte, bisher aber nie die Zeit und den Mut hatte danach zu suchen. So fand ich vor langer Zeit mal in den Analen des Internet ein Foto eines verrosteten Kuppengerüstes eine Zweiseilumlaufbahn. im Bereich Östlich von Bellinzona, dem sogenannten Gesero. Dieses Gebiet war seid jeher Strategisch wichtig, da der Berg im Grenzgebiet zu Italien einen guten Überblick bietet Richtung Gotthard und auch Richtung Lago Maggiore. Schon früh baute das Militär eine Strasse hinauf zum Gesero.
Im Juni kam es, dass ich im Gespräch mit Kris anlässlich seines Besuches wieder auf dieses komische Bild des Kuppengerüstes kam. Daher entschloss ich mich, 2018 dem Geheimnis zu stellen.
Ich durchforstete auf dem Lubisviewer alte Luftbilder aus der Region. Dabei kam mir zu Gute, das es im Valle di Arbedo am 2 ottobre 1928 einen riesigen Bergsturz gab und sich die Fliegerei in diesen Jahren als Werkzeug etablierte. Daher sind von diesem Bereich unzählige Luftaufnahmen aus allen erdnklichen Höhen und Richtungen verfügbar. Und auf diesen ist ganz klar eine Seilbahn zu erkennen im Valle di Arbedo. Auch die Position der Stützen konnte ich so auf die heutige Karte übertragen meine Ausrüstung zusammenstellen und die Ziele anpeilen.
Nach Gesero führt eine Forststrasse, welche aber mit einem Schlagbaum gesichert ist. Ein Angestellter der SAC Hütte nahm mich freundlicherweise bis zur Orbellokurve mit, wodurch mir eine nervige Latscherei auf der asphaltierten Strasse wenigstens Bergwärts erspart blieb. Meinen Berechnungen nach, müsste die Zwischenstation etwas unterhalb der Forststrasse bei der Orbellokurve sein.

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Orbellorank

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dove osano le asini.
Due asini pensano: che asino? Alla ricerca di una funivia

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Und ich lag Richtig! Es ist nicht nur ein Kuppengerüst, sondern gleiche eine ZWischenstation mit Abspannung der Tragseile.

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Hier rostet seit Jahrzehnten eine Zwischenstation eine Zweiseilumlaufbahn im Dickicht vor sich hin.

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Die Zug und Tragseile hat man einfach achtlos liegen lassen

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Vom Durchmesser her doch eine ordentlich lange Bahn.

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Die Natur erobert sich ihren Platz zurück

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Unterer Teil der Zwischenstation

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Tragseilverankerung bei der Zwischenstation.

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Zwischenstation Orbello. Wenn es hier eine Station gibt, dann muss es auch eine Bergstation geben. Bei der Talstation hatte ich angesichts der vielen hochpreisigen EFH in der Zone keine Hoffnungen.

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Weiter gehts dem Hang entlang oberhalb des Laghetto d'Orbello.

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Zoom auf den Cesero. Ob die Seilbahn bis da hinauf führte?

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Abstieg zum Laghetto d'Orbello

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Laghetto d'Orbello, diese See gab es nicht immer. Er besteht erst seid dem 2. Oktober 1928. Der Bergsturz verschüttete das Valle di Arbedo und staue diesen See mit 480m länge, 100m Breite und 12,5m Tiefe auf.

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Am hinteren Ende des Sees, gibt es zwei Weekendhäuser Ehem. Holzfällergebäude.

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Aber interessanter, ad Wegweise hängt das. Ganz klar eine Klemme einer Valtellina-Seilbahn, einem Holzriese.

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Nur ein paar Schritte weiter gleich neben den Weekendhäusern. Nochmehr Altmetall.

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Also führte das Trasse hier vorbei.

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Zwei massive Stahlstützen.

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Lässt sich sogar noch drehen.

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Aufgrund der Seilsättel und der Danach steil abfallenden Bergflanke konnte das hier kaum die Bergstation gewesen sein.

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Zum Glück war man mit dem Aufräumen nicht so Genau. Das Zugseil hängt noch immer in den Bäumen.

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Das Tragseil wurde dafür schon aufgerollt.

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Das Seil verschwindet danach im Dickicht, Ab hier war das Vorwärtskommen nicht mehr möglich. Vor allem nicht ohne Machete.

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Hier mussten gröbere GEschütze her. Daher wieder zurück über die Fussgängerbrücke

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Dafür gabs noch eine Erfrischung im Laghetto d'Orbello. Wunderschöner Ort mit einem Kiesstrand. Keine Vergleich mit dem Massenauflauf zur gleichen Zeit an der Verzasca.

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Laghetto d'Orbello since 1928. Der Bergsturz schaffte nicht nur diesen See, sondern zerstörte auch die Militärstrasse nach Gesero. Danach wurde die Strasse vom Roveredo gebaut mit dem Tunnel.

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Ein paar Fische hat es auch im See. Die kamen aber wohl nicht mit dem Bergsturz

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Laghetto d'Orbello

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Am Morgen des 7. Februar 1945 stiegen auf Korsika die Bomber der 12th Air Force auf. Darunter auch sechs junge amerikanische Flieger in einem B-25J Mitchell Bomber, mit dem Spitznamen "The Big Swing" Ihre Mission: die Eisenbahnbrücke in Lavis am Brenner. Durch Flugabwehrtreffer auf dem Rückflug wurde die Maschine beschädigt und verlor an Höhe. Über Bellinzone stieg die Besatzung aus. Die Maschine drehte einen Bogen nach rechts und flog ins Valle di Arbedo. Die Big Swing krachte oberhalb des Laghetto d'Orbello in das Bergsturzgebiet und wurde Zerstört. Teile davon sind noch heute zu finden. Bei Geocachern sehr beliebtes Ziel.

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Ob die Hütte daher so heisst?

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Zurück an den Stützen

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Begutachten der Klemme. Erfinder dieser Bahn Stiliano Togni aus Roveredo.
Er erhielt anlässlich der Landesausstellung von 1896 in Genf für seine Seilbahn die Bronzemedaille.
Übrigens gab es auch in Richterswil ZH so eine Seilbahn der Richterswiler Holzriese mit Personentransport, das 1900. Aber psst nicht den Zürchern erzählen, dass sie vor dem Wetterhornaufzug eine Personenseilbahn hatten, sonst haben sie ihre Nase noch höher. :lol:

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Rückweg

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Tunnel der Forststrasse im Valle di Arbedo.

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Um im Dickicht irgendwo die Trasse ausfindig machen zu können, kletterte ich auf die Felsen oberhalb des Tunnels.

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Irgendwo da hinten im unwegsamen Dickicht muss die Bergstation stehen.

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Tunnel von der Rückseite. Die Talstation muss in der Nähe der Hauptstrasse H2 gewesen sein. An der Bahnlinie der FM Eisenbahnlinie.

Teil II folgt.


Zuletzt geändert von ATV am Sa, 03.11.2018, 19:19, insgesamt 2-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Fr, 02.11.2018, 20:29 
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Immer wieder genial, nach einer Recherche auf solche Überreste zu stoßen. Bin gerade an einem ähnlich Fall dran, die Bergstation habe ich aber schon gefunden.


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BeitragVerfasst: Fr, 02.11.2018, 20:33 
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RetroRebel
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Oh, wie interessant. Die Gebirgsregion hat mich vor einiger Zeit auch schon mal interessiert, wegen der historischen Millitæranlagen. Auch fuer die Telekommunikation nicht unwichtig, der Berg: es stehen an meheren Standorten diverse Richtfunkanlagen herum.

_________________
http://www.youtube.com/watch?v=7kQNFyEI2rs

... the echo of a distant time ...


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BeitragVerfasst: Fr, 02.11.2018, 21:59 
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Teil II
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Nachdem es von unten her nicht gelungen ist, die Bergstation zu finden, wird es wohl von oben gehen.
Zeit für eine Airborne Operation. Der Zweck der Bahn war bekannt. Auch 2 Eckpunkte der Trasse waren bekannt. Und alte Luftbilder waren vorhanden auf welchen man zwar die bisher bekannten Streckenbauwerke erkennt, nicht aber die Bergstation. Mit den 2 Standorten, der Zwischenstation und den beiden Stützen hinten am Laghetto d'Orbello liess sich auf den Luftbildern die Trasse in etwa nachzeichnen. Es brauchte also nur noch etwas, mit dem man die Trasse nachfahren konnte.

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Und das sieht so aus.

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Ab gehts.

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Damit gehts ins Valle di Arbedo.

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Dem Hang entlang verlaufen relativ eben Trassen. Teilweise mit Feldbahnschienen.

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Eine massive Brücke im Nirgendwo.

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Ein Gebäude in der Grünen Hölle

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Verdammt sieht das verdächtig aus. Und ich hab schon mindestens 10 Zecken eingefangen.

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Und was versteckt sich da hinten in der Botanik?

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Die Bergstation!!

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Und nicht nur das. auch Laufwerke, Klemmen, Rollen, Kettenzüge usw. Alles stehen und liegen gelassen.

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Die Bergstation der Valtellina-Seilbahn.

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Umlenkrollen, Räder und das Bremswerk am Motto di Tonö auf 1062müM

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Gegenrolle

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Die Bahn fungierte als Bremsberg. Die schweren Holzstämme trieben die Bahn durch die Hangabtriebskraft an es musste nur gebremst werden. Das geschah wassergekühlt.

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Asbesteinlagen

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Das Dach der Station fehlt schon lange. Von diesem Vorsprung aus führten mehrere Transportbahnen und Reisszüge in alle Himmelsrichtungen.

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Weiter unten steht noch eine Stütze. Von hier wurde das gesammelte Holz nach Arbedo zum Bahnhof verfrachtet. 4.82kmkm Luftlinie.

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Die Stütze hat den Schnalz durch das gelöste Tragseil nicht überlebt.

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Noch eine Stütze liegt hier weiter unten.

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Blick die Trasse hinab bis Arbedo. Da unten ist der Laghetto d'Orbello

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Blick nach oben.

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Zoom über die Trasse. Von oben ist absolut nichts mehr zu erkennen.

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Verbogener Stahl

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Laufwerke

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Verladebereich an der Bergstation

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Laufrollen

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Noch ein letztes Bild, Dann wird man wieder aufgegabelt,

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hoch und weg. Mission accomplished.


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BeitragVerfasst: Sa, 03.11.2018, 20:33 
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Sehr tolle Aktion, Kompliment!


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BeitragVerfasst: So, 04.11.2018, 8:58 
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Beiträge: 345
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Hatte so eine Aktion hier in DE mal geplant. Leider wäre für den Flug eine Sondergenehmigung des Luftfahrt-Bundesamtes notwendig geworden und die wäre mir für den Zweck sicher versagt worden. Dazu kamen ziemlich teure Flugminuten (plus Verwaltungsgebühren), so dass die ganze Aktion für einen sehr kurzen Flug im Bereich von 500-600 Euro gekostet hätte. Das alles war bei dir vermutlich nicht der Fall?

Hast du von der Anlage Bilder aus Betriebszeiten?


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BeitragVerfasst: So, 04.11.2018, 21:45 
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Leider nicht. Von der Bahn ist nichts aufzutreiben. Ausser Luftbilder:
https://www.swisstopo.admin.ch/de/karte ... lubis.html

Und das hier warum wohl 1928 da so viele Fotos vorhanden sind?:
https://smapshot.heig-vd.ch/map/swissto ... ctionId=12
https://map.geo.admin.ch/?topic=swissto ... Nodes=1430

Bild
https://api3.geo.admin.ch/luftbilder/vi ... .09&zoom=2

Finde die Stützen:
https://api3.geo.admin.ch/luftbilder/vi ... .64&zoom=3


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BeitragVerfasst: Di, 06.11.2018, 18:04 
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Beiträge: 7210
Wohnort: innsbruck.at
Krasse Aktion, extra einen Hubschrauber zu mieten..

Aber was war jetzt genau der Sinn der Bahn? Holztransport? Auf dem alten Bild da scheint aber doch nur Fels zu sein? Und wie kann sich so eine aufwändige Bahn für ein bisschen Holz gelohnt haben?

_________________
http://ski.inmontanis.info - http://blog.inmontanis.info
Neu: Überblick Berichte Ski-Saison 1.10.2017-30.9.2018 (106 Tage, 73 Gebiete)


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BeitragVerfasst: Di, 06.11.2018, 19:08 
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Registriert: Sa, 20.10.2007, 18:56
Beiträge: 2020
starli hat geschrieben:
Und wie kann sich so eine aufwändige Bahn für ein bisschen Holz gelohnt haben?

Das ist eine Frage die aus der heutigen Zeit stammt und den heutigen Zeitgeist wiederspiegelt.

Man bedenke die Bahn stammte von 1890. Da gab es für Holztransport in grossen Mengen kein Helikopter, Forwarter, Erntemaschine, usw. Dafür Pferde, Dampfloks und solche Seilbahnen. Man denke nur an die Forsteisenbahnen beispielsweise in den USA. Heute undenkbar. Man war aber damit auch Effektiver als heute.


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