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BeitragVerfasst: Di, 18.04.2017, 11:21 
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«The Old Reliable» – Die kurze Wiederinbetriebnahme der Standseilbahn Amsteg-Bristen

The Old Reliable – Die alte Zuverlässige – war der Übername der RMS Olympic, dem Schwesterschiff der (berühmteren) Titanic. Ein Name, der auch sehr gut zur alten Standseilbahn Amsteg-Bristen passt. In den letzten beiden Jahrzehnten durfte immer wieder auf ihre Dienste zurückgegriffen werden, wenn es mit der steilen und ausgesetzten Strasse nach Amsteg Schwierigkeiten gab. So auch in diesem Jahr.

Vorgeschichte

Um 1900 stellte sich auch in der Schweiz die Frage nach der Elektrifikation der Eisenbahnen. Mit einigem Erfolg waren seit etwas mehr als einem Jahrzehnt kleine Einheiten auf kurzen Strecken, vor allem Trams und Zahnradbahnen, unterwegs (Tram Vevey-Montreux-Chillon 1888, Bergbahn Lauterbrunnen-Mürren 1891, Jungrau- und Gornergratbahn 1898, Stansstad-Engelberg-Bahn 1898). Doch für grosse Züge über weite Distanzen blieben noch einige Schwierigkeiten. Der Versuchsbetrieb Seebach-Wettingen (1905-1909) und der Bau der (elektrisch betriebenen) Lötschbergbahn (1913 eröffnet) zeigte die Möglichkeiten dieser Betriebsform auch im grossen Kontext auf. So wurde die Elektrifizierung der SBB-Linien beschlossen. Der kurz darauf erfolgte Ausbruch des Ersten Weltkriegs verzögerte zwar die rasche Umsetzung, zeigte aber die Notwendigkeit der elektrischen Traktion auf. Denn im Gegensatz zur Elektrizität mussten die herkömmlichen Traktionsmittel (vor allem Kohle) aus dem Ausland importiert werden, was zu starken Engpässen führte. Als erste Hauptlinie wurde nach dem Krieg die Gotthard-Linie elektrifiziert. In diesem Rahmen wurden die beiden Kraftwerke Ritom auf der Südseite und Amsteg auf der Nordseite (1918-1922) errichtet.

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Die Standseilbahn wird erneuert

Analog zu den anderen SBB-Kraftwerken wurde parallel zu den Druckleitungen eine Standseilbahn erstellt. Als Windenbahn mit nur einem Fahrzeug ausgeführt diente sie primär als Werkbahn gedacht und nicht für den öffentlichen Betrieb vorgesehen. Eine Strasse verbindet die Bergstation mit dem Bergdorf Bristen im Maderanertal. Dieses ist ansonsten nur mit einer steilen und ausgesetzten Strasse ab Amsteg erreichbar.
In den 1990er Jahren wurde das Kraftwerk Amsteg unterirdisch komplett neu gebaut. Da allerdings das alte Ensemble (inkl. Druckleitung und damit wohl auch die Standseilbahn) unter Denkmalschutz steht wurde es erhalten.
Bereits wenige Jahre später, im Jahr 2003, musste die Strasse Amsteg-Bristen aufgrund eines drohenden Felssturzes für drei Monate gesperrt werden. Für 320’000 Fr. wurde rasch die alte Kraftwerksbahn instand gestellt und für den öffentlichen Personentransport ausgebaut. Vom 24. März 2003 bis 19. Juni 2003 konnten über 60’000 Personen damit transportiert werden.

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Der aktuelle Betrieb

Dieses Jahr schlugen die Naturgewalten nun wieder zu. Am späten Sonntagabend des 5. März 2017 rutschte ein etwa zehn Meter langes Teilstück der Strasse nach Bristen ab und verschüttete den darunterliegenden Strassenabschnitt. Rasch war klar, dass die Schäden derart stark waren, dass mit einer längeren Sperrung gerechnet werden muss. Damit war Bristen aufs Erste nurmehr zu Fuss erreichbar. Ab Mittwoch, 8. März 2017 baute die Armee eine Luftbrücke auf, um die Versorgung mit Lebensmitteln etc. zu gewährleisten. Für die Bevölkerung wurde ein Shuttlebus-Dienst vom Dorf bis Bristen Wasserschloss (Bergstation der Standseilbahn) eingerichtet, von wo aus ein Wanderweg in 25 Minuten hinunter nach Amsteg führt.
Parallel dazu wurden der Standseilbahn durch die Garaventa wiederum Tests unterzogen. Diese erfolgten offenbar zufriedenstellend. Am Mittwoch, 15. März 2017 konnte die Standseilbahn der Öffentlichkeit freigegeben werden. Gemeinsam mit den Shuttle-Bussen stellte sie nun während eines Monats die einzige Verbindung zwischen Amsteg und Bristen dar. Nachdem die Wiederinbetriebnahme der Strasse für den Nachmittag des 13. April 2017 vorgesehen war, machte ich mich an diesem Tag mit einem Forumskollegen auf die Reise dorthin, um nochmals mit der Standseilbahn zu fahren. Zwar sind für die Zeit ab dem 18. April 2017 noch Fahrten vorgesehen, doch mit ausgedünntem Fahrplan und bis aus Weiteres.

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Bereits an der „Talstation“ zeigte sich, wie steil die Anlage gebaut ist. Eine typische Kraftwerksbahn eben.

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Das Windensystem ist gut am parallel laufenden Seil zu erkennen.

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Der originelle Wagen in der improvisierten „Talstation“.

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Ein Blick ins Innere.

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Während dieser Wochen wurde offenbar alles, was in Bristen benötigt wurde, mit der Standseilbahn transportiert. Somit diente sie auch dem offiziellen Posttransport. Als wir gegen Mittag an der Bergstation ankamen, wartete dort bereits der „Pöstler“, welcher Pakete und Postkisten persönlich in der Standseilbahn deponierten.

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Die einfach gebaute Bergstation, welche die Steilheit des Geländes erahnen lässt.

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Ein Blick in die Kaverne. Das Umlenkrad dürfte noch das Original aus der Zeit um 1920 sein.

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Auch die Seilrollen könnten noch aus der Bauzeit stammen.

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Mit dem Shuttle-Bus ging es anschliessend ins Dorf Bristen, wo wir im Restaurant Alpenblick einkehrten (welches als einziges auch geöffnet hatte). Die für die Bewohner unglückliche Sperrung der Strasse hatte immerhin den Vorteil, dass es im Ort praktisch keinen motorisierten Verkehr gab. Wir setzten uns deshalb auf die Terrasse gleich an der Strasse. Mit Ausnahme eines Ladewagens, des regelmässig verkehrenden Shuttle-Busses und etwa eines Autos blieb es auf der Strasse erstaunlich ruhig. Entsprechend konnten wir in alle Ruhe das Cordon-Bleu – welches hier empfohlen werden kann – essen.

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Anschliessend ging es wieder zurück zur Talstation. Die Fahrt mit der Standseilbahn selber ist ein besonderes Erlebnis. Ihre Steilheit erinnert schon an die Fahrt mit einem Aufzug.

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Abstecher nach Arnisee

Da wir nun gerade in der Gegend waren machten wir auch einen kurzen Abstecher zur Luftseilbahn Amsteg-Arnisee. Die heutige Anlage (mit Kabinen zu vier Personen) wurde ursprünglich (1964) zwar von Niederberger errichtet, doch wohl um 2013 von Steurer in einigen Teilen neugebaut, allerdings unter Berücksichtigung des bisherigen Erscheinungsbildes. Auf dem nächsten Bild ist sie bei der Bergstation zu sehen, im Hintergrund das Maderanertal mit Bristen rechts von den Stützen.

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Quellen und Hinweise:
http://standseilbahnen.ch/amsteg-bristen.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Gotthardb ... ifizierung
https://www.nzz.ch/panorama/behoerden-e ... -ld.149462

Der aktuelle Fahrplan der Standseilbahn:
http://www.silenen.ch/dl.php/de/58ec981 ... Ostern.pdf


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BeitragVerfasst: Di, 18.04.2017, 14:02 
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Registriert: Di, 25.12.2007, 12:36
Beiträge: 2234
Wohnort: Basel
Tolle Bilder, Eindrücke und Infos zu dieser Bahn. Sieht sehr spartanisch aus, verrichtet aber ihren Dienst!


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BeitragVerfasst: Di, 25.04.2017, 19:18 
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Registriert: Sa, 20.10.2007, 18:56
Beiträge: 1688
Ich hab von der Bahn ein etwas zu langes Video gemacht.
https://www.youtube.com/watch?v=AcQevOMwFQ8


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BeitragVerfasst: Sa, 29.04.2017, 21:22 
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Registriert: Di, 08.07.2014, 10:11
Beiträge: 18
Ein guter Film, der die Bahn aus verschiedenen Perspektiven zeigt.


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