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 Betreff des Beitrags: Tour Igelsscharte (A) /April 2005
BeitragVerfasst: Do, 08.06.2006, 20:59 
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Ist zwar schon etwas her, aber nachdem ich vor kurzem einen Teil der Dias hab scannen lassen, doch noch ein Bericht.

Die Igelsscharte:

Bei Skitouren in der Mieminger Kette denken alle zuerst an die bekannte Grünsteinumrundung von Biberwier nach Ehrwald. Die kleine Igelsscharte steht ziemlich im Schatten dieser landschaftlich großartigen Tour. Doch auch die Igelsscharte hat ihre Qualitäten: Nur 630 Aufstiegshöhenmeter sind zu bewältigen und doch verspricht die Abfahrt von der 2083 Meter hohen Scharte bei entsprechenden Bedingungen Firnvergnügen vom Feinsten. Und die Landschaft ist fast genauso grandios wie bei Grünsteinumrundung, nur meist deutlich einsamer.

Die Tour beginnt an der Talstation der Ehrwalder Almbahn. Hartgesottene Skitourenfreaks fellen natürlich schon hier an, etwas gemütlichere Naturen schweben aber mit der Bahn hinauf zur Ehrwalder Alm. Von hier führt ein kurzer Aufstieg entlang einer Langlaufloipe zu einem kleinen Sattel, der ins grandiose Gaistal leitet. Eine kurze Abfahrt hinunter zum kleinen Igelsee, wo der eigentliche Anstieg beginnt, schließt sich an. Nur kurzzeitig geht es von hier noch flach durch den Wald, dann leitet die Spur mit zahlreichen Spitzkehren auf einer Rampe am Rand des Igelskars hinauf. Am oberen Ende des Steilaufschwungs endet der schüttere Wald und das Gelände wird deutlich flacher. Erst der Schlussanstieg zur schmalen Igelsscharte zwischen Igelskopf und Breitenkopf ist dann wieder deutlich steiler, aber schnell überwunden.

Mit Ausnahme des Schlusshangs handelt es sich um Nordhänge, die erst relativ spät auffirnen, der Schlusshang ist ostexponiert und sollte daher nicht zu spät in Angriff genommen werden.

Hier die Tour auf der Karte (blau die kurze Zwischenabfahrt zum Igelsee):

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Unsere Tour:

Ein herrlich sonniger Tag bricht an, die Luft riecht so richtig nach Frühling. Die Nacht war kalt, der Lawinenlagebericht meldet Warnstufe 1, im Tagesverlauf ansteigend auf 2, Schnee liegt oberhalb 1500 Metern noch reichlich. Ideale Bedingungen also für eine Firntour zur Igelsscharte.

Wirklich fit fühle ich mich aber nicht, als ich mich am Morgen aus dem Bett schäle. Mein Magen rebelliert schon die halbe Nacht, auch das Frühstück schmeckt nicht so recht an diesem Morgen. Kurzzeitig überlege ich sogar, nur eine ganz kurze Tour im bereits geschlossenen Skigebiet am Spitzingsee zu gehen. Das schöne Wetter überzeugt mich dann aber doch, zumindest einen Versuch zu starten. Umdrehen kann man ja immer noch. Schnell sind Snowboard und Skis ins Auto geladen und kurz nach 9 Uhr stehen wir am Parkplatz der Ehrwalder Almbahn, die uns hinauf in ein kleines Familienskigebiet bringt. In den geräumigen Gondeln bleibt genügend Zeit zum umziehen, unter uns glänzen die noch gefrorenen Pisten an der 6 KSB ?Ganghoferblitz? in der Morgensonne.

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Die Talstation der Almbahn

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Auffahrt mit der Almbahn, Blick zurück Richtung Ehrwald

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Der Sonne entgegen...

An der Bergstation schnallen meine Eltern ihre Felle und ich meine teilbaren Kurzski für den Aufstieg an, das Snowboard wird am Rucksack verstaut. Der erste kurze Anstieg lässt mich zweifeln, ob die Entscheidung die Tour in Angriff zu nehmen, die Richtige war. Ich fühle mich etwas kraftlos, echte Freude mag nicht aufkommen. Für die kurze Abfahrt zum Igelssee steige ich gar nicht erst aufs Snowboard um, sondern eiere mit den Kurzski samt Fellen ungelenk über die Loipe hinunter.

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Beginn der Tour auf der Höhenloipe

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Der periodische Igelsee

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Los geht´s. Hier beginnt der eigentliche Anstieg.

Für den anstehenden Aufstieg montiere ich nun erstmals noch die Harscheisen, bisher bin ich nur bei Pulverschnee Snowboardtouren gegangen. Die Abfahrt im Tiefschnee ist auch der eigentliche Grund für mich, mit dem Snowboard auf Tour zu gehen; in Skigebieten bin ich eigentlich häufiger auf Ski unterwegs. Extra für Firnverhältnisse aber noch Tourenski zu kaufen wäre dann doch etwas übertrieben?

Schnell noch eine Banane reingestopft, das hilft bei mir fast immer, dann geht es weiter. Mit zahllosen Spitzkehren windet sich die sehr schlüssig angelegte Spur auf einer recht schmalen Rampe am Rand des Igelskars hinauf. Links von uns befindet sich ein schmaler Graben, die Hänge auf der rechten Seite sind von Lawinen aus der Nordflanke des Igelskopfs bedroht. Zügig gewinnen wir an Höhe, die Harscheisen leisten gute Dienste am hart gefrorenen Steilhang. Mit jedem Schritt läuft es besser, bald schon haben wir die letzten Bäume hinter uns gelassen.

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Das steilste Stück ist schon geschafft.

Vor uns öffnet sich nun das weite Igelskar. Weite Schneeflächen glitzern in der Frühlingssonne, begrenzt von steil aufragenden Felsmauern. Mit etwas Abstand zum Igelskopf, der an den Vortagen wohl einige Schneerutsche ins Kar geschickt hat spuren wir weiter hinauf, bis das Kar endgültig flach wird. Wenn wir noch hinauf zur Igelsscharte wollen, müssen wir uns beeilen, sonst wird der Osthang zu weich. Kleinere Lawinenabgänge mahnen auch hier zur Vorsicht. Noch aber ist die Lawinengefahr gering, außerdem bin ich wieder hoch motiviert und voller Tatendrang. Also nichts wie los.

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Im Igelskar

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Am rechten Bildrand geht es in die Scharte hinein.

Wenig später stehen wir auch schon in der Scharte und genießen die herrliche Kulisse. Der Blick ins Brendlkar auf der anderen Seite, durch das die Grünsteinumrundung führt, ist verlockend. Wir entscheiden uns dennoch für die Abfahrt entlang der Aufstiegsroute, denn auch diese verspricht einige prächtige Hänge.

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Am Ziel

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Blick auf die Abfahrtshänge der Grünsteinumrundung im Brendlkar

Der oberste Hang zwischen den Lawinenkegeln ist schon recht weich und etwas holprig, als Snowboarder bin ich hier gegenüber den Skifahrern deutlich im Vorteil. Die flacheren Hänge unterhalb sind ein perfekter Firngenuß, der leider dort endet, wo die Neigung wieder zunimmt. Die steilen Nordhänge hinunter ins Gaistal sind noch immer nicht weich geworden, Grund genug für eine Brotzeitpause in der Sonne. Auch danach bleibt der Schnee zwar hart, mit ordentlichem Kanteneinsatz aber geht es besser als erwartet.

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Abfahrt aus der Scharte

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Genußski im Kar

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Noch etwas hart: die steileren Hänge zum Igelsee.

Nochmals sind zwei Umbaupausen vor und nach dem Gegenanstieg Richtung Ehrwalder Alm nötig, dann können wir auf der Loipe gemütlich ins Skigebiet hinunter rutschen. Auch wenn der Kontrast zwischen dem einsamen, monumentalen Igelskar und dem lauten, vollen Skigebiet kaum größer sein könnte, eine große Apfelschorle auf der Sonnenterasse muss schon noch sein. Berieselt von der üblichen volkstümlichen Musik schauen wir zurück auf das schroffe Felsmassiv der Mieminger Kette mit seinen nordseitigen Karen. Schön, dass es auf kleinem Raum solche Kontraste geben kann. Als Abschluss der Tour macht mir sogar die flache, unspektakuläre Talabfahrt zurück nach Ehrwald noch richtig Spaß. Reichlich sulzig zwar, aber was zählt das schon an so einem Tag?


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BeitragVerfasst: Fr, 09.06.2006, 11:56 
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RetroRebel
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Vielen Dank für diesen schönen Bericht aus einer etwas ruhigeren Gegend.

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Chasseral - "Les derniers vestiges ont disparu - la fin d'un rêve"


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BeitragVerfasst: So, 11.06.2006, 21:02 
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RetroRebel
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Bin endlich auch zum Lesen dieses Berichts gekommen. Die letzten Male kam immer irgendwie was dazwischen ;-)

Sieht gut aus, auch die Fotos. Würde ich nicht so hin bekommen - digital vielleicht, aber analog niemals.

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www.funitel.de


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BeitragVerfasst: Mo, 12.06.2006, 16:01 
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Ich werde jetzt auch auf eine digitale Spiegelreflex umsteigen. Zumindest fürs Internet ist es eben doch weniger Aufwand. Kein Entwickeln und kein Scannen mehr, das spart schon Zeit (und vielleicht auch etwas Geld). Und drucken lassen kann man digitale Bilder mittlerweile auch gut.

Meist geht es mir aber darum die Stimmung möglichst realitätsnah wiederzugeben - die nachträglichen Bearbeitungsmöglichkeiten, die sich mit der digitalen Fotografie ergeben, werde ich sicher auch in Zukunft nur zu einem sehr kleinen Teil ausnützen. Bis auf wenige Ausnahmen zählt für mich immer noch der Moment des Auslösen. Auch wenn ich zugeben muss, dass Farbverschiebungen beim Scannen diesen Anspruch häufig doch sehr gestört haben...

Nur fehlt derzeit leider die Zeit für die entsprechenden Touren mit der Kamera :(


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BeitragVerfasst: Di, 13.06.2006, 17:02 
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RetroRebel
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So, jetzt bin ich auch endlich zum Lesen gekommen! Vielen Dank für diesen schönen Bericht aus einer der Ecke der Alpen, dir mir - ironischerweise, da doch nicht sooo abgelegen - eher wenig vertraut ist. Was das Bearbeiten angeht: also bei meinen Bildern fühlt es sich erst wieder nach der Bearbeitung so an, wie ich es wahrgenommen habe. Zu viel Farb- und Belichtungstrash macht die Kamera. Ich habe alllerdings auch schon analaog immer mit speziellen Filme und Filter im Gebirge photographiert um eine entsprechende Wirkung zu erzielen. Insofern hat sich nur das "wie" etwas geändert.

Wenn der Kauf einer digitalen SLR Kamera bei dir zu weiteren solcher schönen Berichte führt, dann ab in den Laden... :D


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BeitragVerfasst: Do, 15.06.2006, 11:09 
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Yep, mit Digitalkamera werden Berichte fürs Internet schon etwas weniger aufwendig.

Weitere Berichte wirds garantiert geben, mein Problem ist nur, dass ich dieses Jahr kaum Zeit für Touren etc. hatte (und auch weiterhin haben werde). Aktuelle Berichte kann ich also nicht bieten, aber ein oder zwei Sachen hab ich schon noch auf Lager. Diese allerdings noch analog fotografiert - da muss ich erst wieder mal Zeit finden, die Bilder scannen zu lassen.


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