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 Betreff des Beitrags: Terra Australis
BeitragVerfasst: So, 12.05.2019, 11:37 
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Vielleicht mag sich der eine oder andere an die Fernsehserie mit Blacky Fuchsberger in den späten 80ern erinnern, mit der uns der bekannte Schauspieler und Moderator seine Wahlheimat näherbrachte. Ich habe die Serie immer gerne angeschaut, damals war Australien aber ein weit entferntes und gefühlt unerreichbares Ziel, das ich maximal noch aus der Curiosity Show und den gleichnamigen Büchern kannte. Vor genau 10 Jahren war es dann allerdings soweit und der unbekannte Kontinent wollte zum ersten Mal bereist werden, ja sogar eine Auswanderung war bereits grob geplant. Am Ende entschieden wir uns allerdings dagegen, behielten das Land jedoch in guter Erinnerung. Und so folgten bis zu diesem Jahr zwei weitere Reisen nach Oz, auch wenn nun vermutlich kein weiterer Trip mehr hinzukommen wird. Das hat u.a. auch ökologische Gründe, da die einfache Umsteigeverbindung auf den Kontinent mit ca. 4,4 t CO2-Äquivalente zu Buche schlägt und damit mehr als ein Drittel des deutschen Jahresdurchschnittsverbrauchs darstellt. Also durchaus etwas, worüber man sich bei einem auch sonst nicht gerade klimafreundlichen Lebensstil mit Sportarten wie dem Skifahren Gedanken machen sollte.

Mit Ausnahme der ersten Reise, die schon aus budgetären Gründen einfach gehalten war, wollte ich natürlich auch einen Großteil der wenigen („historischen“ oder seltenen) Seilbahnen besuchen, die außerhalb der Skigebiete im Sommerbetrieb laufen. Im Großen und Ganzen würde ich dieses Ziel als erreicht betrachten, auch wenn es in den Skigebieten noch die ein oder anderen interessante Anlage gibt (von den club fields oder Vulkangebieten in NZ will ich gar nicht anfangen). In dieser Serie möchte ich chronologisch durcheinander von den einzelnen Stationen berichten und versuche auch ein wenig den Geist von down under einfließen zu lassen, denn die Einstellung der Ozzies ist schon eine besondere.

Für den ersten Lift der Serie ging es nach Westaustralien, genauer gesagt nach Perth. Dort landeten wir in diesem Februar nach einem Zwischenstopp in Bangkok. Eigentlich wollten wir endlich mit einem Golfcarrier oder Singapore Airlines fliegen, nachdem die vorherigen Flüge mit Asiana und Cathay Pacific alles andere als überzeugend waren (abgesehen von deren jeweilgen Hubs Seoul bzw. Hongkong abgesehen) . Doch Thai Airways konnte uns ein flexibles Ticket zu einem sehr attraktiven Preis bieten und hatte auch die ein oder andere Auszeichnung für die Economy gewonnen. Dazu war die Umsteigeverbindung mit knapp 19 Stunden Reisezeit sehr kurz. Leider wurde unser Fluggerät auf dem ersten Segment kurzfristig geändert und so mussten wir mit einer 777 statt dem A380 vorlieb nehmen. Auf dem zweiten Segment war es dann ein Airbus, aber die Kabine war derart runtergewirtschaftet, dass die knapp 7 Stunden Flug keine wirklich Freude waren. Auch der Flughafen Bangkok hat es auf unsere „Sperrliste“ geschafft. Die einzigen positiven Aspekte waren ein für die Eco wirklich hervorragendes Essen und ein sehr zuvorkommender Service. Zu Perth selbst gibt es relativ wenig zu erzählen. Die Stadt ist nicht mehr als ein kleines Zentrum mit den Bürogebäuden der Minengesellschaften und Richtung Norden an der Küste entlangwuchernde Suburbs. Dazu jede Menge Einkaufszentren, Strände und Wasserparks für die Unterhaltung am Wochenende. Die Reiseführer und sog. Influencer auf Instagram werden sicherlich ein anderes Bild der Stadt wiedergeben.

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Anflug auf Perth über der roten Erde von Australien

Die Umgewöhnung in die neue Zeitzone klappte recht gut, dennoch entschieden wir uns am ersten Tag für ein ruhiges Programm - dazu gehörte natürlich eine entspannte Sesselliftfahrt, da der dazugehörige Freizeitpark nicht an allen Tagen geöffnet war. Derzeit gibt es noch zwei Anlagen in Perth, wobei eine davon wohl in Kürze abgerissen wird (aber dazu später mehr). Die andere Anlage ist eine 1974 Müller-DSB. Ursprünglich stand diese in einem Western-Freizeitpark namens El Caballo Blanco:



1993 wurde die DSB an den Freizeitpark Adventure World verkauft und läuft dort bis heute. Die Anlage ist mit 336 m relativ kurz. Wie so oft in Australien, ist der Freizeitpark eine Mischung aus Wasserpark und Fahrgeschäften, so dass für alle Altersklassen etwas dabei ist und der mit ca. 30 Euro Eintritt einigermaßen angemessen bepreist ist. Da ich nur den Sessellift fahren wollte, bekam ich auf Nachfrage ein Spectator-Ticket für etwa die Hälfte. Aufgrund der Hitze rechnete ich nicht mit weiteren Outdoor-Aktivitäten und cremte ich mich trotz Blick auf den extremen UV-Index nur rudimentär ein. Der Lift lief allerdings so langsam, dass ich mir bei der Fahrt einen ordentlichen Sonnenbrand holte.

Aber nun zu den Bildern...

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Am überdachten Einstieg - so gut wie alles, wo sich Menschen länger aufhalten, wird überdacht. Wir waren schon in Freibädern, wo ganze Becken mit Planen überspannt waren. Ein schöner offener Antrieb, das Gegengewicht hängt rechts.

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Kurz nach dem Einstieg, ganz hinten ist bereits die Bergstation auf dem kleinen Hügel zu erkennen. Natürlich mit schönen Portalstützen. In das große Becken wäre ich auch liebend gerne gesprungen, man wurde während der Fahrt förmlich gebraten. Aber wir hatten noch andere Pläne für den Tag.

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Links gibt es einige old school Wasserrutschen mit genialen Steilstücken. Nicht so pipifax-Kram, wie man ihn heute teilweise baut - z.B. die überschätzten Trichterrutschen hinten rechts.

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Die schönen Sessel mit der selten gewordenen Mittelstange runden das Bild ab.

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Ein „Euro-Fighter“ mit dem „Signature-Drop“ im feinsten Marketing-Deutsch.

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Auch zwischen den Bäumen blieb der erhoffte Schatten leider aus. Weitergrillen war angesagt.

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Der Liftler interessierte sich kaum für mein Interesse an seinem Arbeitsplatz.

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Blick über den Bibra Lake ins Landesinnere. Im Süden der Stadt ist ein großes Industriegebiet und daher die Ausdehnung etwas begrenzt. Es geht etwas ruhiger zu, aber dafür ist es dort auch weniger schön (trotzdem liegt dort ein bei den Perthianern beliebter Strand).

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Vom deutschen Winter in den australischen Sommer mit ca. 34 °C.

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Das hätte ich in der Hitze nicht noch gebraucht.

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Ein letzter Blick zurück auf die Strecke.

Am nächsten Tag machten wir einen Ausflug in den Norden zum Nambung Nationalpark mit seinen bekannten Kalksteinsäulen in der Pinnacles Desert. Zur Entstehung der Säulen gibt es verschiedene Theorien, die bis heute nicht abschließend erforscht sind. In der Gegend ragen auch immer wieder weiße Dünen hervor. Wie so oft ist man hier fast komplett alleine unterwegs, bereits wenige Kilometer nach dem Stadtrand von Perth wird es relativ einsam. Und das, obwohl wir uns hier noch nicht im Outback befinden.

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Die Pinnacles im gelben Sand

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Blick Richtung Norden mit den weißen Dünen, dahinter der kleine Küstenort Cervantes

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Die Säulen sind tlw. mehrere Meter groß

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In der sengenden Mittagshitze sind die weißen Dünen in der Ferne kaum scharf zu erkennen, der Kontrast vor Ort gegenüber den dunkelgrünen Sträuchern war jedoch faszinierend.

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Blick vom Wedge Lookout auf die kleine Siedlung an der Küste. Vor dem Betreten der Austeigersiedlung mit den kleinen Hütte Marke Eigenbau wird aufgrund der Asbestverseuchung eindringlich gewarnt. So entschieden wir uns für einen Strand weiter südlich.

Ein paar Tage später ging es über Melbourne weiter nach Tasmanien, wo ein seltener Sessel auf uns warten sollte.

Fortsetzung folgt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Terra Australis
BeitragVerfasst: Di, 14.05.2019, 21:04 
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Die Achterbahn sieht unglaublich aus. Senkrecht hoch und mehr als senkrecht runter :)


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 Betreff des Beitrags: Re: Terra Australis
BeitragVerfasst: Fr, 27.09.2019, 12:51 
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Registriert: Do, 17.03.2011, 20:54
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Im Verlauf unseren Reisen durfte natürlich ein Abstecher in die Snowy Mountains nicht fehlen, wo mit die bekanntesten Skigebiete des Kontinents und ein ganz besonderes LSAP zu finden sind. Die Skigebiete liegen etwa 2,5 Stunden von der Hauptstadt Canberra entfernt, nach Melbourne und Sydney sind knapp 6,5 bzw. 5,5 Stunden. Viele Australier aus den beiden letztgenannten Städten steigen daher lieber in den Flieger nach Neuseeland, denn dort soll es auch ruhiger und günstiger zugehen.

Mit Perisher und Thredbo sind in der Gegend zwei große Namen beheimatet, sie liegen im Bereich des Mount Kosciuszko Nationalparks - gleichzeitig mit 2.228 m der höchste Berg auf dem Festland Australiens. Perisher selbst erstreckt sich auf einer Hochebene zwischen ca. 1.700 und 2.000 m, Thredbo startet bereits auf ca. 1.350 m. Die Saison dauert etwa von Juni bis Oktober.

Im Marketingsprech sieht das dann so aus:



Lifttechnisch war Müller in den Anfangsjahren in der Gegend stark vertreten, aber auch Riblet und andere bauten hier Lifte. Der älteste noch aktive Zweiersessel des Landes, ein 1961er Müller, wird wohl in Kürze ersetzt. Der erste Sessellift überhaupt war übrigens gleichzeitig der erste und einzige (Holzstützen-)ESL des Landes, der 1957 gebaut und Anfang der 1960er bereits wieder eingestellt wurde. Mittlerweile dominiert der Marktführer, ein kleinerer Anteil entfällt auf Leitner-Poma. Des Weiteren finden sich bis heute viele Schlepplifte. Ansonsten geht es den alten Anlagen so langsam an den Kragen:



Ein Unikum stellt außerdem eine ZRB (die sog. Skitube) dar, welche den Gästen, die nicht über den Pass bis nach Perisher anreisen müssen, eine zweite Transportmöglichkeit aus einem Seitental heraus bietet und die größtenteils unterirdisch verläuft:



Nicht zum ersten und sicher nicht zum letzten Mal schlug der Wetterfluch zu und machte unsere ursprünglichen Pläne zunichte. Dieses Mal war es besonders schwierig, komplett umzuplanen, da wir nicht mehr viel Zeit hatten und eigentlich bereits alle Zimmer gebucht waren. Aber da es der vermutlich letzte Besuch war, nahmen wir das Risiko in Kauf und verlegten die geplante Tour (dazu später mehr) auf den letztmöglichen Tag. Dazu kam dann leider noch, dass die Alternativunterkunft über Airbnb ein ziemlich versifftes Loch war und wir am Abend in ein Motel umziehen mussten.

Aber nun hier noch einige Bilder aus Thredbo... der Wetterumschwung war schon in vollem Gange. Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass der Lift wegen der starken Winder geschlossen sein würde, aber dieser waren in dem engen Tal kaum zu spüren (dafür an der Bergstation umso heftiger).

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Nach oben geht es mit der Kosciuszko KSB, die auf der ursprünglichen Trasse der ersten DSB aus dem Jahr 1958 verläuft.

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Weiter oben ändert sich die Vegetation schlagartig, oder anders gesagt: hier verläuft wohl keine Piste.

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Seitenblick, hinter den vielen toten Bäumen sieht man die beiden SL Sponars und Antons, die teilweise recht interessante Stützen besitzen.

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In der Bergstation...

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Sieht so aus, als würde Darth Vader neidisch auf die alte Umlenkung der ersten Mueller-DSB schauen.

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Blick das Tal hinab zum Stausee Lake Jindabyne.

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Blick zu den beiden SL, die von den Stützen teilweise an Riblet erinnern, der, falls ich nicht auf dem Schlauch stehe, jedoch nie Schlepplifte gebaut hat.

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Zumindest von der Vegetation her würde ich hier gerne mal Skifahren. Die Bergstation gehört zum Gunbarrel Express, der im Sommer durch einen Yan-ähnlichen Unfall in die Schlagzeilen geriet: https://www.9news.com.au/national/thred ... 0b9eace5f7

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Zumindest die Umlenkung sieht nach DM aus.

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Da oben ist auf 2.037 m der höchste, mit einem Lift erreichbare Punkt in Australien.

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Weiter drüben stehen die Überreste der Riblet-DSB Ramshead von 1963, unübersehbar mit den vierrolligen EInfahrtstützen. War der zweite Sessellift hier oben.

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Alte Lattensessel-DSB von DM.

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Die Stützen stehen fast alle noch, die Talstation hat man leider entsorgt.

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Zurück ins Tal, unten Thredbo. Obwohl die meisten Läden geschlossen hatten und es wie ausgestorben war, bekamen wir ein ziemlich gutes Mittagessen.

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Die KSB hat sogar eine Mittelstation.

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Ein typischer Wald down under.

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Eine vom Marktführer etwas verschandelte DSB, die von einem mir absolut unbekannten Unternehmen namens Civic & Civic mit Riblet-Teilen errichtet wurde. Die Bahn dreht gerade ihre letzten Runden. Wie mittlerweile üblich, werden die Sessel für einen guten Zweck versteigert und erzielen durchaus ansehnliche Preise (etwa zwei Drittel in Euro): https://auction.thredbo.com.au

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Blick zurück vom Restaurant aus, gute 1,9 km ist der Lift lang. Wir wären ober gerne noch gewandert, aber der Wind war einfach zu stark.

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Die Stützen haben mich auch lange verwirrt, erinnern sie doch an eine Mischung aus C&S und Müller. Das Design hat aber einen anderen Hintergrund, zumindest beim nächsten vorgestellten Lift.

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Blick hinauf zum alten Riblet.

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Und weil wir hier nicht mehr vorbeikommen würden, machten wir noch einen kurzen Stopp an der ehemaligen Talstation dieses Kollegen, die rechts auf der Wiese vor dem Gebäude war (übrigens kein Müller und auch nicht in Nordamerika). Mehr dazu dann im nächsten Teil.



Und zum Abschluss noch ein Gustostückerl:



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 Betreff des Beitrags: Re: Terra Australis
BeitragVerfasst: So, 29.09.2019, 20:22 
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Registriert: So, 18.12.2005, 19:12
Beiträge: 7487
Wohnort: innsbruck.at
Zitat:
Zumindest von der Vegetation her würde ich hier gerne mal Skifahren.


Wieso besuchst du dann die USA und Australien anscheinend stets|meist im jeweiligen Sommer anstatt umgekehrt?

_________________
http://ski.inmontanis.info - http://blog.inmontanis.info
Neu: Überblick Berichte Ski-Saison 1.10.2018-30.9.2019 (121 Tage, 73 Gebiete)


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 Betreff des Beitrags: Re: Terra Australis
BeitragVerfasst: Di, 01.10.2019, 17:25 
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Registriert: Do, 17.03.2011, 20:54
Beiträge: 509
Wohnort: Forêt-Noire
starli hat geschrieben:
Zitat:
Zumindest von der Vegetation her würde ich hier gerne mal Skifahren.


Wieso besuchst du dann die USA und Australien anscheinend stets|meist im jeweiligen Sommer anstatt umgekehrt?

Zumindest für Australien gilt: Skifahren dort wäre nice to have, aber kein Muss. Und für „nett“ fliege ich nicht mehr um die ganze Welt. In den USA waren wir bereits 2x zum Skifahren, ein drittes Mal ist in Planung.


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