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BeitragVerfasst: Fr, 29.07.2011, 12:26 
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Da nicht jeder Benutzer von Sommerschi.com auch im Alpinforum mitliest, erlaube ich mir, den dort im LSAP-Bereich aufgebauten und schrittweise erweiterten Historienschinken "Skifahren an der Schwarzwaldhochstraße gestern" hier als eigenes Topic ebenfalls einzustellen. Für Details ist hinter allen dargestellten Bildern entweder ein großer Scan im Format 1700x1200 Pixel oder ein PDF-Dokument verlinkt. Über Ergänzungen und Korrekturen freue ich mich.


Skifahren an der Schwarzwaldhochstraße gestern


Die Schwarzwaldhochstraße ist ein Projekt der 1920er und 1930er Jahre. Schon vor 1920 bestanden auf den Höhen des Nordschwarzwalds die großen Luftkurhäuser Plättig (ca. 1885), Sand (1891), Hundseck (1886), Herrenwies (um 1900), Breitenbrunnen, Unterstmatt (1905), Ruhestein (1869) und Kniebis. Jedes Kurhaus verfügte über eine Zufahrtsmöglichkeit aus dem Rheintal bzw. war Rastort an einer Passstraße. Die einzigen Verbindungen zwischen den Höhen-Kurhäusern waren seinerzeit einfache, schmale Holzrückwege.

1922 konnte der für diesen Zweck ausgebaute Fahrweg Bühlerhöhe - Plättig - Sand - Hundseck erstmals mit dem Postbus befahren werden. 1930 wurde er in Nord-Süd-Richtung um die Straßenverbindung zwischen Hundseck und Unterstmatt verlängert und erstmalig als "Schwarzwaldhochstraße" bezeichnet, 1932 bis zum Mummelsee und 1934 bis zum Ruhestein verlängert. 1937 bis 1939 wurde die bestehende Straße zwischen Bühlerhöhe und Ruhestein abschnittsweise ausgebaut. Die Wehrmacht begann 1938 in Süd-Nord-Richtung die Straßenverbindung Kniebis/Alexanderschanze - Ruhestein, stellte sie aber nur noch bis zum Schliffkopf fertig. Das fehlende Verbindungsstück Schliffkopf - Ruhestein und damit die Schwarzwaldhochstraße in ihrer heutigen, durchgängigen Form wurde erst 1952 fertig gestellt. Sie hat einerseits wie ursprünglich vorgesehen die Höhen des Nordschwarzwalds für Besucher erschlossen, andererseits die Hanglagen unterhalb ihrer Trasse für den Tourismus vielfach uninteressant gemacht. Darüber hinaus wurde in den 1920er bis 1950er Jahren noch nicht bedacht, dass die Schwarzwaldhochstraße die Kammlagen des Nordschwarzwalds heute einer beispiellosen Verkehrs- und Lärmbelastung aussetzt, die das angedachte Naturerlebnis mindert und Merkmale des Gebirgscharakters zerstört. Eine ähnliche Situation findet man in den Vogesen mit der "Route des Crêtes" vor.

Schon in der Zeit vor dem 2. Weltkrieg erfreuten sich die Höhen des Nordschwarzwalds im Winter großer Beliebtheit bei Kurgästen und Skiläufern. In den 1950er Jahren bescherte die Schwarzwaldhochstraße dem Nordschwarzwald mit dem einsetzenden Autotourismus einen Boom in Sommer und Winter. Der erste Skilift an der Schwarzwaldhochstraße wurde 1950 am Höhenhotel Unterstmatt gebaut, schon bald gefolgt vom Waldheil-Lift (1953) am Hundseck-Nordhang. In den 1960er Jahren entstanden neben der ersten Flutlichtanlage in Unterstmatt (1964) die Skilifte an der Darmstädter Hütte (um 1960), der Nachfolgerlift (WSO) am Hundseck/Nord (1965), der Skilift am Kurhaus Sand (wohl 1967), am Seibelseckle (1967), am Vogelskopf (1969) und die Liftanlage im Freudenstädter Stadtteil Lauterbad am Waldhotel Stokinger. Unterstmatt erweiterte sein Skigebiet um die Skilifte Unterstmatt II (1965) und Ochsenstall (1960), in den 1970ern ergänzt um weitere Liftanlagen am Mehliskopf (1970), Hochkopf (1972), Bühlertal Hundseck (1970/1978), Hundseck/Nord II (1972), am Schliffkopf und an der Zuflucht (ca.1970). Abseits der Kammlagen des Nordschwarzwalds entstanden die Skilifte Kernhof, Hundsbach (1970), Mitteltal, Klosterreichenbach und die Doppelsesselbahn Stöckerkopf in Baiersbronn (1966). Die "Skiarena Schwarzwaldhochstraße" erfuhr damit ihren maximalen Ausbaustand (ohne Raum Baiersbronn). Die Bezeichnung "Skiarena" soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass selbst benachbarte Lifthänge in der Hand unterschiedlicher Besitzer waren und dass die einzelnen Hänge i.d.R. durch mehrere Kilometer Wald voneinander getrennt waren bzw. sind. Die in den 1970er Jahren eingeführte gemeinsame Punktekarte "Skiarena Schwarzwaldhochstraße" musste schon nach wenigen Jahren wieder aufgegeben werden - wahrscheinlich wegen Streitigkeiten mit der Umlage.

Trotzdem wurde und wird das Alpinskiangebot an der Schwarzwaldhochstraße bis heute gut angenommen und hat den meisten Wintersportanlagen das Überleben über vier bis fünf Jahrzehnte ermöglicht. Der Alpinskibetrieb überstand sogar das Sterben der großen Kurhäuser ab den 1980er Jahren. Geschlossen wurden bislang nur der kurze Skilift am verfallenden Kurhaus Sand, der kurze Skilift direkt neben dem Schliffkopfhotel, die kurzen Skilifte Abendwiese und Hotel Waldhorn am Kniebis und - seit 2009 - der Skilift Hundseck Nord hinterm verfallenden Kurhaus Hundseck, was als erster ernstzunehmender Alpinski-Verlust an der Schwarzwaldhochstraße anzusehen ist. Mittlerweile gibt es Skihangs-Zusammenschlüsse: Die Unterstmatter Betreiber haben den benachbarten Hochkopfhang gepachtet und in den eigenen Skipass mit aufgenommen. Trotz kilometerweiter Distanz gibt es einen gemeinsamen Skipass Vogelskopf / Zuflucht / Kniebis-Lamm, und an der Hundseck verfügt der Betreiber der Bühlertallifts über eine formale Pachtoption auf den benachbarten Skihang Hundseck Nord, auch wenn er sie nicht nutzt. Die Betreiber von Ruhestein-Liften und -Gaststätte haben zum 1. Juli 2011 den Betrieb der Darmstädter Hütte übernommen - werden sie auch den Betrieb des Tebru-Skilifts aus den frühen 1960er Jahren übernehmen?

Hier nun eine Auswahl an alten Motiven und Prospekten vom Alpinskilauf und einigen Hotels an der Schwarzwaldhochstraße. Leider liegt mir nicht von jedem Hang ein Motiv in ausreichender Bildqualität vor, weshalb in einigen Fällen Platzhalter herhalten müssen. Die Dokumentation befährt die Schwarzwaldhochstraße von Nord nach Süd.

Prospekt Schwarzwaldhochstraße um 1960. Klicken für PDF-Download. Nicht gerade die Top-Wintersportinfo, aber immerhin ein zeittypisches Dokument.
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Orientierungsskizze "Skiarena Schwarzwaldhochstraße" von ca. 1970. Klicken für größeres PDF-Dokument ... Damals gab es tatsächlich für kurze Zeit eine übergreifende Punktekarte für alle Skilifte an der Schwarzwaldhochstraße! Auf der Rückseite des Prospekts sind alle damals existierenden Liftanlagen vermerkt. Die Skizze gibt nur eine Groborientierung über die Lage der einzelnen Hänge und ignoriert Distanzen; für die Skilifte Sand, Hundsbach und Vogelskopf ist sie sogar falsch (die Anlagen befinden sich unterhalb der Straße); der Skilift Darmstädter Hütte zwischen Seibelseckle und Ruhestein fehlt (in einer späteren Skizzenversion wurde er nachgepflegt). Eine gute Orientierungskarte findet sich auch hier.
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Wir starten unsere virtuelle Retro-Skifahrt über die Schwarzwaldhochstraße am Kurhaus Sand.

Kurhaus Sand 1969. © Cramers Kunstanstalt, Dortmund. Erste Wintersportstation an der Schwarzwaldhochstraße, von Baden-Baden bzw. Norden kommend (an Bühlerhöhe und Plättig gab es nie Wintersporteinrichtungen). Ein schöner Bau, leider aus zu viel Holz und zu wenig Massivmaterial. Verfallsbedingt als Gastronomiebetrieb 1994 (?) geschlossen; dito die benachbarte Aral-Tankstelle. Der Kurhaus-Bau existiert nach wie vor und wird von Privatleuten bewohnt (jedenfalls der bewohnbare Teil ...); Abrisspläne bestehen m.W. nicht. Hinter dem Baum am linken Bildrand liegt der Skihang, dessen Liftruine vorbeifahrende Touristen bis heute an die Alpinskinutzung erinnert.
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Skibetrieb auf der Skiwiese des Kurhauses Sand 1970. © Verlag Hildenbrand, Göppingen. Rechts außerhalb des Bildes befindet sich der Skilift.
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Skiwiese vor dem Kurhaus Sand 1939. © Verlag Roth, Bühlertal. Skibetrieb damals noch ohne Skilift, der in den 1960ern am linken Hangrand errichtet wurde. Das Gebäude links oben im Wald müsste das ehemalige Kurhaus bzw. Hotel Wiedenfelsen sein.
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Skilift Kurhaus Sand 1969. © Cramers Kunstanstalt, Dortmund. Das einzige mir bekannte Bild vom Skilift in Betrieb. Wohl Ende der 1980er oder Anfang der 1990er Jahre wurde er außer Betrieb genommen. Seine Ruine ziert bis heute die Ampelkreuzung vor dem Kurhaus Sand. :-) Es kursieren Gerüchte über eine Wiederinbetriebnahme als Rodellift durch den Betreiber der benachbarten Mehliskopflifte. Dagegen spricht aber eindeutig der Zustand der Liftruine Sand.
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Skilift Mehliskopf ca. 1975. © Cramers Kunstanstalt, Dortmund. Mit dem Bau des längsten Lifts an der Schwarzwaldhochstraße im Jahr 1970 sank der Stern des benachbarten Skilifts Kurhaus Sand gleich wieder. Dies ist nur ein Platzhalterbild von einer Mehrbildkarte. Eine eigene Ansichtskarte vom Skihang Mehliskopf ist mir in ~10 Jahren Stöbern und Sammeln nie begegnet, obwohl es eigentlich entsprechende Motive geben müsste. Am Doppelschlepplift von Heuss mit den eindrucksvollen Portalstützen hat sich außer dem Langbügelumbau bis heute nichts unmittelbar Sichtbares geändert. Er erhielt 1973 linksseitig einen Heuss-Übungsschlepper beigestellt, der 1978 verdoppelt wurde. Auf einem Teil des auf dem Foto nicht sichtbaren Übungshangs wurde 2001 die schienengeführte Sommerrodelbahn (Alpin-Coaster) gebaut, die den Ganzjahresbetrieb am Mehliskopf sichert. Der Mehliskopf ist heute der Skihang an der Schwarzwaldhochstraße mit den meisten Beschneiungsanlagen. Das Ergebnis der Beschneiungsbemühungen wird im Alpinforum gern heiß diskutiert ... :D
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Die Fahrt auf der Schwarzwaldhochstraße vom Kurhaus Sand bzw. Mehliskopf nach Süden führt uns zur nächsten Station, der Hundseck.

Prospekt Knappschaftsheim Kurhaus Hundseck 1962. Klicken für PDF-Download.
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Kurhaus Hundseck 1955. © Verlag Metz, Tübingen. Wie das Kurhaus Sand ein großer Bau mit viel Holzanteil, jahrzehntelang um Anbauten erweitert und ab den 1960er Jahren sogar mit (baulich separatem) Hallenbad. Das Kurhaus Hundseck wurde von 1886 bis 1957 als Hotelbetrieb geführt und war anschließend bis 1982 Bergmanns-Erholungsheim der Knappschaft. Danach kam der fortwährende Verfall, unterbrochen von einem Intermezzo als Jugendhotel um das Jahr 2000 herum. Die aktuellen Eigentümer, türkischstämmige Geschäftsleute, planten um 2005 herum die Sanierung und Wiedereröffnung als Hotel. Die Arbeiten wurden jedoch nie begonnen. Im Sommer 2011 wurde das verfallende Gebäude auf Initiative der Gemeinde Bühlertal gesichert. Hinterm Kurhausgebäude befindet sich der Skihang Hundseck/Nord, auf dem ab 1953 der "Waldheil-Lift", zweiter Skilift an der Schwarzwaldhochstraße, lief. Wer genau hinschaut, entdeckt am rechten Bildrand das Hinweisschild für den (von der Straße nicht einsehbaren) Skilift "In Betrieb", gekrönt von einem stilisierten Abfahrtsläufer. Schön auch die zeittypischen 1950er Jahre-Fahrzeuge ... An der Hundseck existiert eine Talabfahrt ins obere Bühlertal, der "Wasserstich". Aufgrund der überlieferten Länge von 4,5 Kilometern dürfte es sich weitgehend um Wegtrassierungen handeln, allerdings gibt es auch anspruchsvollere Teilstrecken namens "Kanonenrohr", "Wasserstich", "Gertelbach", "Pflanzengarten" und "Wiedenbach". Auf der Wasserstichabfahrt wurden bis in die 1960er Jahre Skirennen der lokalen Wintersportvereine ausgetragen, danach schneemangelbedingt nicht mehr.
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Kurhaus Hundseck 1978. © Cramers Kunstanstalt, Dortmund. Viel Schnee. Diesmal mit gelber Telefonzelle der Deutschen Bundespost und mit 1970er Jahre-Fahrzeugen. :-)
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Skihang Hundseck/Nord (hinterm Kurhaus) um 1950. © Verlag Foto Roth, Bühlertal. Links die 1951 zur Großschanze umgebaute, damals sehr populäre Nordschwarzwald-Schanze, auf der internationale Sprungwettkämpfe stattfanden. Der Skilift Waldheil stand noch nicht neben der Schanzenanlage. An ruhigen Wochenenden sah es auf dem Skihang so aus ...
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... und an weniger ruhigen Wochenenden so! Das ist keine Fotomontage! :-) Skihang Hundseck/Nord um 1950. © Verlag Metz, Tübingen.
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Skihang Hundseck/Nord, Skilift Waldheil ca. 1955. © unbekannt. Der 1953 gebaute Skilift Waldheil war eine teilweise Eigenkonstruktion mit Holzstützen. Er bediente nur den oberen Teil des Skihangs Hundseck/Nord neben der Nordschwarzwald-Schanze, den sogenannten Waldheil-Hang. Wie an den Buckeln zu erkennen ist, gab es keine Pistenraupe. :-)
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Skihang Hundseck/Nord, Skilift Waldheil ca. 1960. © Verlag Foto Roth, Bühlertal. Wie man sieht, handelte es sich um einen Tellerlift. Auf der Nordschwarzwaldschanze findet gerade ein Sprungwettkampf statt.
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Skihang Hundseck/Nord, Talstationsgebäude des Skilifts Waldheil ca. 1955. © Verlag Metz, Tübingen. Zu erkennen ist der Einstiegs-Niederhalter der Liftanlage. Bemerkenswert, wie wenige der zahlreichen Skifahrer am Hang den Lift benutzen!
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Skihang Hundseck/Nord, Skilift Waldheil ca. 1960. © Verlag Metz, Tübingen. Blick von der Anlaufspur der Nordschwarzwaldschanze über Kampfrichterturm und Lifttrasse ins Hundsbacher Tal. Am linken Bildrand das Kurhaus Hundseck. Die Person auf der Lifttrasse ist ein Fußgänger. Liftgehänge sind nicht zu erkennen.
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Situation an der Hundseck 1971 "von oben". © Cramers Kunstanstalt, Dortmund. Schön zu sehen sind Nordschwarzwaldschanze und der 1965 gebaute WSO-Lift am Skihang Hundseck/Nord im linken Bildbereich. Den parallelen Doppelmayr-Übungsschlepper gab es noch nicht. Im Bildbereich unten rechts befindet sich der Skihang Bühlertal/Hundseck ("Steimelhang"). Seine Liftanlage ist von Bäumen verdeckt. Die Nordschwarzwaldschanze wurde 1976 umgebaut und erweitert. Bei den Testsprüngen auf der neuen Schanze kam es angeblich zu einem Todesfall, weshalb die nagelneue Schanze nie für einen Wettkampf genutzt wurde und seit nunmehr 35 Jahren verfällt.
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Skihang Hundseck/Nord, WSO-Skilift 1969. © Cramers Kunstanstalt, Dortmund. Im Jahr 1965 ersetzte er auf nach unten verlängerter Trasse den Waldheil-Lift. Der parallele Doppelmayr-Übungsschlepplift wurde erst 1972 gebaut. Auch die Flutlichtanlage ist noch nicht montiert. Ein historisches Bild, das beide Liftanlagen am Skihang Hundseck/Nord zeigt, ist mir nicht bekannt.
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Skilift Bühlertal Hundseck 1973. © Cramers Kunstanstalt, Dortmund. Der Skilift am Hundsecker Südhang wurde 1970 gebaut und erschließt den Südhang des Mehliskopfes. Die Bergstationen von Mehliskopflift und Skilift Bühlertal/Hundseck sind auf dem Mehliskopf nur durch rund 150 Meter dichten, mit Skiern unüberwindlichen Nadelwald voneinander getrennt. Der Skilift Bühlertal/Hundseck lief dem "alten" Skihang Hundseck/Nord den Rang ab, weil er - im Gegensatz zu letzterem - von der Schwarzwaldhochstraße aus direkt einsehbar ist. Neben dem Hochkopflift in Unterstmatt ist der Skihang Bühlertal/Hundseck der einzige Skihang mit Südausrichtung an der Schwarzwaldhochstraße. Höhengaststätte Hundseck, Sportgeschäft, Souvenirkiosk mit Milka-Werbung - alles ist auf dem Foto noch neu. Nur das Goggomobil mit Bühler Kennzeichen vor dem Kiosk ist schon ein paar Jahre älter. :-) Wie man sieht, bestanden die Schneeprobleme im oberen Hangteil von Anfang an und sind keine Folge von Klimaerwärmung oder Waldsterben, sondern von Verwehung und Sonneneinstrahlung. Die heute vorhandene "Waldabfahrt" links neben dem Skihang gab es damals noch nicht, aber Flutlichtmasten standen bereits an der Lifttrasse. Die parallele, zweite Liftanlage wurde erst 1978 rechts neben den bestehenden Skilift gebaut.
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Höhengaststätte Hundseck 1973. © Cramers Kunstanstalt, Dortmund. Der Skilift war noch Solist (heute ist es ein Doppelschlepper). Vorn dominiert ein VW 1500, übrigens das erste Familienfahrzeug meiner Eltern. In so einem Auto lag ich als Kleinkind gurtlos auf der Rückbank ... :-)
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Nochmals Höhengaststätte Hundseck und Skihang Bühlertal/Hundseck 1973. © Cramers Kunstanstalt, Dortmund. Der Restaurantbau war noch schick und neu ... aktuell droht die Schließung im Herbst 2011 wegen Kündigung des Pachtvertrags.
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Das Ganze in Farbe aus etwas unglücklicher Perspektive, ebenfalls 1973. :-) © Cramers Kunstanstalt, Dortmund.
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1973 gab es am Skihang Bühlertal/Hundseck bereits Flutlichtbetrieb. © Cramers Kunstanstalt, Dortmund. Auf diesem Bild ist die Schneelage im oberen Hangteil besser als auf den vorangegangenen Fotos. Wäre der Fotograf weniger lauffaul gewesen, hätte er von etwas weiter oben ein viel besseres Foto schießen können ... und ohne Kabel im Bild. :-)
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Von der Hundseck aus verlassen wir kurz die Schwarzwaldhochstraße für einen Abstecher hinunter nach Hundsbach.

Skilift Hundsbach ca. 1970. © Verlag Friedlinde Schoch, Hundsbach. Die Liftanlage wurde im Jahr 1970 im Auftrag des Skiclubs Hundsbach gebaut. Ich war noch nie dort. Abseits der Schwarzwaldhochstraße und in relativ niedriger Höhenlage ist es erstaunlich, dass der kurze Lift bis heute existiert. Inzwischen wird er vom Skiclub Bischweier betrieben.
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Nächste Station auf der Schwarzwaldhochstraße in Richtung Süden ist Unterstmatt. Hier stehen die Liftanlagen des Skizirkus Unterstmatt und der Lift am Hochkopf.

Prospekt Höhenhotel Unterstmatt ca. 1960. Klicken für PDF-Download. Der Hotelbetrieb Unterstmatt ist mittlerweile eingestellt; lediglich das Restaurant im Keller wird noch betrieben. Heute ist in dem Gebäude ein Teil des Personals des Schliffkopfhotels untergebracht.

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Mehrbildkarte Unterstmatt ca. 1965. © Verlag Hildenbrand, Göppingen. Dargestellt sind Hotel, Skihang, Lift, Kiosk und Skiwandern.
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Unterstmatt irgendwann zwischen 1955 und 1960. © Verlag Metz, Tübingen. Am Skihang läuft der 1950 errichtete Skilift mit Holzstützen. Reisebusse haben die Wochenendbesucher an die Schwarzwaldhochstraße gekarrt. An eine Schließung des Hotelbetriebs dachte damals noch niemand. Bild

Unterstmatt 1962. © Verlag Mauthe, Balingen. Zeitgenössische Skifahrer-"Sonnenliegen" vor dem Höhenhotel. So haben wir das in den 1970er Jahren auch noch gemacht. :-) Rechts neben dem Hotel wurden die Skibesucher in einer separaten "Skigaststätte" verpflegt, damit das Hotel sauber blieb.
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Wintersportliches Gewühl am Skihang Unterstmatt irgendwann zwischen 1960 und 1965. © Verlag A. Mauthe, Balingen. Hier läuft noch der Holzstützen-Schlepplift. Rechts am Hang die Kolonne der aufsteigenden Skifahrer, die sich die Liftkarte nicht leisten können. Deshalb fällt die Liftschlange relativ moderat aus. :-)
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Skilift Unterstmatt um 1960. © Verlag Metz, Tübingen. Unterer Teil der Trasse des Holzstützenlifts mit Talstationsgebäude und Höhenhotel. Wie man sieht, handelte es sich im Gegensatz zum Waldheil-Lift an der Hundseck um einen Bügellift.
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Skilift Unterstmatt um 1960. © Cramers Kunstanstalt, Dortmund. Mittlerer Teil der Trasse des Holzstützenlifts. Gegenüber der noch unerschlossene Hochkopf. Das sollte sich rund 7 Jahre später ändern.
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Skilift Unterstmatt 1961. © Verlag Käshammer, Ottenhöfen. Obere Trasse des Holzstützenlifts. Das filigrane Schleppgehänge ist mit zwei statt nur einer Klemme am Seil befestigt.
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Unterstmatt zwischen 1965 und 1970. © Verlag Metz, Tübingen. Der alte Holzstützenlift ist der Nachfolgeanlage von Doppelmayr gewichen. Die Bus- und Pkw-Modelle sind gegenüber dem Motiv aus den 1950er Jahren etwas moderner geworden. :-) Den Reklameschriftzug auf der Terrasse des Höhenhotels kann ich leider nicht entziffern.
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Skilift Unterstmatt II 1973. © Cramers Kunstanstalt, Dortmund. Lift II auf dem Unterstmatter Westhang wurde 1964 gebaut, bevor der Holzstützenlift durch die Doppelmayr-Anlage ersetzt wurde. Auf der Piste steht heute eine wenig ansehnliche Holzwand gegen Verblasen des Schnees. Ein Teil der Piste wird heute für den Funpark genutzt.
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Unterstmatt 1979. © Cramers Kunstanstalt, Dortmund. Farbmotiv mit den zeittypischen Pkw-Modellen wie VW Karmann, Opel Kadett B, Ford Capri, Mercedes /8 usw.
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Unterstmatt, Gasthaus und Skihang Ochsenstall um 1980 mit den Antennenaufbauten der Hornisgrinde. © Verlag Käshammer, Ottenhöfen. Heute steht nur noch der SWR-Sendeturm links.
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Unterstmatt, Skilift Ochsenstall 1969. © Verlag Metz, Tübingen. Der Skilift wurde angeblich bereits 1960 gebaut. So sieht es dort heute noch aus, nur die Betriebstage sind seltener geworden.
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Unterstmatt, Skilift Ochsenstall um 1970. © Verlag Metz, Tübingen. Wie man sieht, gab es auch hier Skifahrer, die statt Lift zu fahren aufsteigen mussten.
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Skilift Hochkopf ca. 1975. © Verlag Metz, Tübingen. Gebaut 1972, wohl um vom hohen wintersportlichen Bekanntheitsgrad von Unterstmatt zu profitieren - Schwarzwaldhochstraßen-typisch natürlich von einem anderen Betreiber. :-) Am gegenüberliegenden Hang des Skizirkus Unterstmatt ist der alte Holzstützenlift bereits der Doppelmayr-Anlage gewichen.
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Skilift Hochkopf ca. 1975. © Verlag Metz, Tübingen. Hinten taucht aus dem Hochnebel die Hornisgrinde auf. Der Skihang Hochkopf ist neben dem Skihang Bühlertal/Hundseck der einzige Südhang an der Schwarzwaldhochstraße und hat entsprechend die selben Schneeprobleme. Nach Neuschnee ist - wie hier auf dem Bild - davon freilich nichts zu spüren.
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Skihang Hochkopf als Farbmotiv ca. 1975. © Verlag Müller, Freudenstadt. Schön zu sehen der Talstationskomplex, an dem sich bis auf den für Langbügelbetrieb nachgerüsteten Einstiegs-Niederhalter bis heute nichts Sichtbares geändert hat. Der Hochkopflift ist einer der wenigen Diesellifte an der Schwarzwaldhochstraße.
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Von Unterstmatt fahren wir weiter auf der Schwarzwaldhochstraße zum Mummelsee.

Der Mummelsee, einstmals ein stiller Karsee unterhalb der Hornisgrinde, ist zum wohl bekanntesten Ort an der Schwarzwaldhochstraße geworden. Wo im Sommer im Rahmen der "Erlebniswelt Mummelsee" Reisebusse japanische Touristen auskippen, Kuckucksuhren verkauft werden, ein Wassermann für Fotos mit Kindern posiert und Schrott-Kunst im Wald vor sich hin rostet, geht es im Winter vergleichsweise beschaulich zu. Das 1893 eröffnete und 1955 umgebaute, altehrwürdige Mummelsee-Hotel wurde 2008 ein Raub der Flammen. Bis 2010 entstand an gleicher Stelle ein Neubau - wenn auch nicht historisierend, so doch zumindest in angepasster Bauweise und nicht deutlich gigantischer. Ich gebe zu, dass ich mich als Gast im Restaurant des neuen Mummelsee-Hotels an einem besucherarmen Frühwintertag wohl gefühlt habe. :D

Das Foto zeigt das alte Mummelsee-Hotel 1969, umrahmt von zeittypischen VW Käfern. :D Die Fassade des Hotelneubaus ist gegenüber dem alten Hotel stark verändert. Nur das Sockelgeschoss blieb beim Brand erhalten. © Cramers Kunstanstalt, Dortmund.
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Hinterm Mummelsee-Hotel führt die für den Privatverkehr gesperrte Fahrstraße hinauf zum Gipfelplateau der Hornisgrinde, mit 1164m höchster Berg des Nordschwarzwalds. Wie sehr ähneln Topographie und Geschichte der des höchsten Berg des Harzes, des Brockens (1142m)! Beide Berge sind unvermittelt aus der Ebene aufragende "Regenfänger" mit waldfreien Moorflächen. Beide verloren in den Wirren des zweiten Weltkriegs ihr Gipfelhotel. Beide Berge waren in der Nachkriegszeit militärisches Sperrgebiet der Besatzungsmächte, unerreichbar als Wanderziel, die Hornisgrinde sogar 8 Jahre länger als der Brocken (bis 1997). Beide werden bis heute von militärischen Restbauten, diversen Sendeanlagen und sonstigen Industriebauten verunstaltet. Auf den Brocken fährt die Dampfeisenbahn, auf die Hornisgrinde von Mai bis Oktober am Wochenende der Linienbus (!). Beide Berge waren bis in die 1940er Jahre Haupt-Wintersportgebiet ihrer Region.

Wintersportangebote bestehen an Mummelsee und Hornisgrinde heute keine, wenn man vom Loipennetz absieht. Aber die Gipfelstraße kann man gut hinunterrodeln, wenn sie nicht "schwarz" (d.h. bis auf den Asphalt herunter) geräumt ist. Im Gegensatz zum Brocken haben an der Hornisgrinde die Skihütten überlebt, auf dem Gipfel allerdings nur als Ruinen, die mit ihren zerbrochenen Fenstern und einstürzenden Dächern nach wie vor auf den Abriss warten. Auf der anderen Seite des Hornisgrinde-Plateaus sind die historischen Skihütten dagegen bis heute in privater Hand erhalten, z.B. des Akademischen Skiklubs Karlsruhe. Wie die Skihütten am Gipfel, so wartet auch das im Rahmen der Siegesfeier der französischen Armee 1945 teilabgebrannte, auf eine Etage verkürzte ehemalige Gipfelhotel Hornisgrinde bis heute auf Abriss oder Wiederaufbau. Lediglich der Aussichtsturm auf der Hornisgrinde wurde bereits instandgesetzt und 2005 wiedereröffnet.

Hornisgrinde um 1950. © Verlag Metz, Tübingen. So präsentierte sich dem vom Mummelsee auf der Militärstraße aufsteigenden Besucher der 1910 erbaute Aussichtsturm auf der Hornisgrinde in den 1950er Jahren - jedenfalls den wenigen, die den französischen Militärposten passieren durften.
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Hornisgrinde 1938. © Verlag Käshammer, Ottenhöfen. Neben dem Aussichtsturm präsentiert sich das 1912 erbaute Hornisgrinde-Gasthaus (auch Grindenhotel genannt). Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs zog dort das französische Militär ein. Betrunken feiernde französischen Soldaten setzten das Gebäude 1945 durch Leichtsinn in Brand; es brannte daraufhin zum Teil bis aufs Kellergeschoss ab. Der teilweise Wiederaufbau als französische Kommandozentrale erfolgte eingeschossig mit Schrägdach - so steht der Gebäuderest bis heute.
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Hornisgrinden-Kamm von Norden gesehen 1912. © Verlag Käshammer, Ottenhöfen. Links auf dem Bergrücken die Gebäudegruppe rund um den Aussichtsturm, weiter rechts der Vermessungsturm (auch Bismarckturm genannt). Ansonsten verunstalten noch keine Türme oder sonstige Nutzbauten den Berg, der steil und schattig nach Osten in den Biberkessel abfällt. Damals gab es noch nicht einmal die Schwarzwaldhochstraße ... :D Ungefähr auf dem Standort des Fotografen steht heute die Skihütte des Akademischen Skiclubs Karlsruhe. Weiter links hinab geht's zum Skilift Ochsenstall des Skizirkus Unterstmatt.
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Biberkesselwächte am Ostabfall der Hornisgrinde um 1925. © Verlag H. Gumbert, Bühl. Am Biberkessel bildet sich in schneereichen Wintern eine ähnlich eindrucksvolle Schneewächte wie am Seebuck oder an der Zastlerhalde im Südschwarzwald. Die Wächte bricht irgendwann als Lawine ab und wächst bis zum Winterende immer wieder nach.
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Von Hornisgrinde und Mummelsee fahren wir weiter südwärts auf der Schwarzwaldhochstraße zum benachbarten Seibelseckle.

Skilift Seibelseckle 1969. © Cramers Kunstanstalt, Dortmund. Wie anders sieht dieser Skihang heute aus, obwohl dort immer noch die selbe Doppelmayr-Liftanlage mit den selben Flutlichtstrahler-Aufbauten steht! Das Seibelseckle ist wohl der Nordschwarzwälder Skihang mit den stärksten Waldschäden durch sauren Regen und Sturm; entsprechend kahl ist der Berg im Gipfelbereich geworden. Der obere Hangteil wird mittlerweile durch einen hölzernen Verwehungsschutz getrennt, das Talstationsgebäude wurde erweitert. Wie man an der Buckelpiste erkennt, gab es damals noch keine Pistenraupe.
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Noch ein Bild vom Skihang Seibelseckle 1969, diesmal mit mehr Futter für die Liebhaber zeitgenössischer Pkw-Modelle. :-) © Cramers Kunstanstalt, Dortmund.
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Das Seibelseckle ein paar Jahre früher (1965) in Farbe. © Verlag Käshammer, Ottenhöfen.
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Vom Seibelseckle geht es auf der Schwarzwaldhochstraße weiter nach Süden zum Parkplatz der Darmstädter Hütte, die von der Straße in rund 20 Minuten Fußmarsch zu erreichen ist.

Der Skilift an der Darmstädter Hütte ist der einzige an der Schwarzwaldhochstrasse, von dem ich kein historisches Foto kenne (gibt es welche?). Zwecks Vollständigkeit des Reports habe ich mich entschieden, eigene, aktuelle Bilder vom Lift auf Retro-Stil umzuwandeln und mit historischen Bildern zu kombinieren. Da sich am Skihang seit seiner Gründung vor rund 50 Jahren optisch fast nichts geändert hat, ist das nicht weiter schwierig. :D

Die Darmstädter Hütte ist sozusagen der Prototyp einer Schwarzwälder Wanderhütte: Schwarzwaldhaus-Dach, Holzfassade, rot-weiße Fensterläden - jedes Klischee passt auf den im Jahr 1926 errichteten, abgelegenen Hüttenbau. Aktuell gibt es bei der beliebten Hütte, die mitterweile baulich erweitert wurde, einen Pächterwechsel. Die Betreiber von Skihang und Gaststätte Ruhestein übernehmen die Bewirtschaftung.

Der Alpinskihang Darmstädter Hütte liegt ca. 200 Meter abseits des Hüttengebäudes am Hang des 1092 m hohen Altsteigerskopfs. Der Skilift ist eine ca. 400m lange, frühe Anlage des Schweizer Herstellers Tebru (= Theodor Brunner), eines Ablegers der Firma Städeli (WSO), der in den 1960er Jahren Liftanlagen baute. Das Baujahr dürfte um 1960 einzuordnen sein. Eine baugleiche Anlage steht heute nur noch in der Schweiz in Caux, einem Waadtländer Dorf unterhalb der Rochers de Naye überm Genfersee. Spätere Tebru-Lifte hatten andere Stützen. Wahrscheinlich war der Skilift Darmstädter Hütte nach Unterstmatt-, Waldheil-Lift (Hundseck) und Ruhestein-Lift (siehe folgende Bilderreihe) die vierte Liftanlage an der Schwarzwaldhochstraße. Er wird bis heute von seinen Errichtern, einem Pfälzer Ehepaar, betrieben, das altersbedingt einen Nachfolger sucht. Der Lift läuft nach wie vor mit Kurzbügeln (inzwischen aus Kunststoff) und verfügt über den selten gewordenen Totpunktausstieg. Da kaum ein Skifahrer sein Equipment von der Straße zum Skihang hochtragen mag, verleiht der Betreiber kostenlos Skibobs, um die Anlage auszulasten - eine seltene Chance, sich diesen Spaß zu gönnen!

Darmstädter Hütte um 1950. © Verlag Metz, Tübingen. Ein schöner Hüttenbau!
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Darmstädter Hütte mit Skihang um 1950. © Verlag Käshammer, Ottenhöfen. Die Darmstädter Hütte ist nicht das Gebäude in Bildmitte, sondern weiter oben rechts unterhalb des Bergkamms. Der Skihang ist die weiße Fläche links davon im Wald. Den Skilift gab es zum Aufnahmezeitpunkt noch nicht. Für Wintersportzwecke wurde der Hang am Altsteigerskopf um 1950 aber offensichtlich schon genutzt. Links unten im Tal verläuft der Aufstiegsweg von der Schwarzwaldhochstraße.
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Skilift Darmstädter Hütte 2011. © Eigenes Foto als Retro-Fake. Tebru-Skilift Baujahr ca. 1960 mit den seltenen, frühen Portalstützen und Kurzbügelbetrieb. Außer dass früher wohl Holzbügel verwendet wurden, hat sich hier 50 Jahre lang nichts Sichtbares verändert.
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Skilift Darmstädter Hütte 2011. © Eigenes Foto als Retro-Fake. Wie lange wird uns die Anlage, deren Betreiber einen Nachfolger suchen, erhalten bleiben? Werden die Ruhestein-Betreiber an der Darmstädter Hütte auch beim Liftbetrieb einspringen?
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Vom Parkplatz Darmstädter Hütte fahren wir weiter zum Ruhestein.

Prospekt Hotel Kurhaus Ruhestein ca. 1955. Klicken für PDF-Download.
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Skihang Ruhestein um 1950. © Verlag Elsässer, Stuttgart. Wo heute nur noch der Liftparkplatz ist, prägte jahrzehntelang das Kurhaus Ruhestein die Passhöhe. Der Skihang Ruhestein präsentiert sich ohne Lift als schön geschwungene, breite Schneise. Hinterm Kurhaus hat es offenbar gerade Windbruch gegeben.
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Kurhaus Ruhestein um 1935. © Verlag Metz, Tübingen. Kein einziger Nachkriegs-Pkw ist zu sehen, daher meine Vermutung zur Datierung des Fotos. Die Pistenschneise ist noch enger als auf dem Foto von ca. 1950. Zuschauer scheinen einen Abfahrtslauf zu beobachten.
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Kurhaus Ruhestein um 1955. © Verlag Käshammer, Ottenhöfen. Schade, dass das prägnante Gebäude nicht mehr steht. Auf dem Kurhaus-Grundstück befindet sich heute der Parkplatz für den Liftbetrieb. Im Gebäude hinten ist heute das Naturschutz-Informationszentrum untergebracht.
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So sahen Skifahrer das Kurhaus Ruhestein von der geschwungenen, schmalen Piste um 1950. © Verlag Käshammer, Ottenhöfen. Die Überlieferung berichtet von einer historischen Ski-Talabfahrtsstrecke hinunter ins Achertal mit Nutzung auch für Abfahrtsrennen. Ob sie am Ruhestein startete, war mit normalem Rechercheaufwand nicht zu ermitteln.
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Skihang Ruhestein um 1960. © Cramers Kunstanstalt, Dortmund. Für den mechanisierten Massenskisport hat man die geschwungene Ruhestein-Piste zu einem breiten Hang ausgeschlagen. Am rechten Hangrand läuft der erste Skilift am Ruhestein. Es handelt sich nicht um die Doppelmayr-Anlage, die dort heute steht, sondern (vermutlich) um eine PHB- oder Bachmann-Anlage.
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An diesem ersten Ruhestein-Skilift gab um 1970 es bereits Flutlicht, aber augenscheinlich keine Pistenraupe. :-) © Cramers Kunstanstalt, Dortmund. Einige der Bäume am linken Pistenrand sind diejenigen, die heute auf der nochmals verbreiterten Ruhestein-Piste die kleinen Baumgruppen bilden. Der heutige Hauptlift Ruhestein würde auf diesem Bild links im Wald stehen. Der gesamte Hang hinterm (längst abgerissenen) Kurhaus ist heute Piste.
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Von der Schwarzwaldhochstraße machen wir der Vollständigkeit halber einen Abstecher vom Ruhestein nach Baiersbronn zur Doppelsesselbahn Stöckerkopf.

Baiersbronn, DSB Stöckerkopf 1966. © Cramers Kunstanstalt, Dortmund. Flutlichtbetrieb auf der Stöckerkopf-Piste. Die 1966 von PHB gebaute DSB verläuft auf kürzerer Trasse im Wald dahinter. Für Nordschwarzwald-Verhältnisse ist das eine lange und schöne Abfahrt! Skibetrieb gibt es noch immer an wenigen Tagen im Jahr am Stöckerkopf. Leider ist die Flutlichtanlage seit einigen Jahren defekt. Schade, dass sie nicht repariert wird - schwierig kann das nicht sein.
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Baiersbronn, Talstation DSB Stöckerkopf 1966. © Cramers Kunstanstalt, Dortmund. DSB und Flutlichtanlage sind noch nagelneu! Damals gab es die Direktabfahrt unterhalb der DSB noch nicht. Ansonsten hat sich bis heute nicht viel geändert.
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Baiersbronn, Trasse DSB Stöckerkopf 1966. © Cramers Kunstanstalt, Dortmund. Auch auf diesem Bild noch ohne die Direktpiste unterhalb des Lifts.
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Baiersbronn, DSB Stöckerkopf 1966 kurz vor der Bergstation. © Cramers Kunstanstalt, Dortmund. Die Baiersbronner Lifte waren nicht im 1970er Jahre-Liftpassverbund "Skiarena Schwarzwaldhochstraße".
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Zurück auf die Schwarzwaldhochstraße. Nur wenige hundert Meter trennen den Skihang Ruhestein vom Skihang Vogelskopf.

Flyer Skilift Vogelskopf von ca. 1970, in dem auch das nachfolgende Bild verarbeitet ist. Der Skilift Vogelskopf gehörte damals zum Verbund-Skipass "Skiarena Schwarzwaldhochstraße". Klicken für PDF.
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Skilift Vogelskopf um 1975. © Verlag Müller, Freudenstadt. Das einzige mir bekannte Motiv vom Lift. Diese Ansichtskarte war jahrelang mit Reißzwecken an der Essensausgabe des Vogelskopf-Imbiss festgepinnt und befand sich in entsprechendem Zustand. Mit Erlaubnis der Besitzer habe ich sie 2005 mitgenommen und einige Zeit in Bildbearbeitung investiert. Neben der 1960er Jahre-Pistenraupe ist ein Skiclubrennen am Steilhang zu sehen. Die Liftstützen waren damals noch braun, heute sind sie grün. Ansonsten hat sich seit damals an den Vogelskopf-"Immobilien" optisch nicht viel geändert. Freilich gibt es dort heute eine mobile Schneekanone und die erste Winden-Pistenraupe des Nordschwarzwalds für die Präparierung des Steilhangs.
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Vom Vogelskopf führt die Fahrt auf der Schwarzwaldhochstraße weiter zum Schliffkopf-Hotel.

Schliffkopf-Hotel mit Skilift um 1980. © Verlag Elsässer, Stuttgart. Der Skilift Schliffkopf war ein 230 Meter kurzer Schräg-T-Stützen-Schlepplift mit Flutlicht auf dem arg flachen Hang (30 Höhenmeter) direkt neben dem Hotel. Die talseitige Umlenkung des Lifts ist leider nicht mit abgebildet. Wahrscheinlich wurde der Lift mangels Attraktivität des Skihangs bereits um 1990 abgetragen. Dass das Schliffkopf-Hotel einen eigenen Skilift aufstellte, weist darauf hin, dass der Bau eines Lifts in den 1960er und 1970er Jahren finanziell erschwinglich gewesen sein muss.
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Weiter führt die Fahrt vom Schliffkopf zum nahegelegenen Hotel und Skihang Zuflucht.

Prospekt Hotel Zuflucht ca. 1965. Klicken für PDF-Download.
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Skilift Zuflucht um 1970. © Verlag Müller, Freudenstadt. Auch hier ist mir nur ein Motiv vom Lift bekannt. Wahrscheinlich war es damals als Ansichtskarte erhältlich; hier stammt das Bild jedoch aus dem Prospekt des Hotels Zuflucht und ist entsprechend von mäßiger Qualität. Der Lift ist zwar heute noch der selbe. Die von oben gesehen linke Hälfte des Skihangs ist heute (wohl als Windschutz für den Skilift) teilaufgeforstet und somit für den Skibetrieb quasi verloren, was dem ohnehin kurzen Hang nicht gut tut.
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Von der Zuflucht geht es auf der Schwarzwaldhochstraße weiter südwärts zum Kniebis.

Skilift Kniebis-Lamm um 1975. © Verlag Metz, Tübingen. Dies ist nur ein Platzhalter-Motiv von einer Mehrbild-Ansichtskarte; ein besseres habe ich nicht. Der Skilift Kniebis-Lamm ist der einzige überlebende von seinerzeit drei Skiliften am Kniebis. Er ist heute der flachste Skihang an der Schwarzwaldhochstraße und entsprechend von Kindern gut besucht. An seiner Bergstation direkt an der Straße wurde vor wenigen Jahren das Restaurant "Kniebishütte" gebaut.
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Kniebis, Skilift Hotel Waldhorn 1965. © Cramers Kunstanstalt, Dortmund. Das Hotel Waldhorn am Kniebis baute in den 1960er Jahren einen eigenen kurzen Skilift auf dem Hang neben dem Hotel. Die Liftanlage mit nur einer Portalstütze war als Pendellift konzipiert.
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Kniebis, Skilift Hotel Waldhorn 1965. © Verlag Metz, Tübingen. Hier übersieht man fast die komplette Lifttrasse bzw. den kompletten Skihang. :-)
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Kniebis, Skilift Hotel Waldhorn 1973. © Cramers Kunstanstalt, Dortmund. Der Skilift Waldhorn wurde nach wenigen Jahren vom Pendellift zum "normalen" Bügelschlepplift umgebaut. Umlenkscheiben und Portalstütze des Lifts stehen (ohne Seil) bis heute auf dem Hang neben dem Hotel.
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Kniebis, Skilift Abendwiese um 1970. © Verlag Metz, Tübingen. Von 1948 bis 1972 standen am Kniebis die "Großen Kniebisschanzen". Eine der Schanzen brannte laut Skizunft Kniebis schon im Jahr 1969 ab; ihre Überreste mussten gesprengt werden. 1967 wurde neben dem Schanzenhang ein kurzer Skilift gebaut. Wahrscheinlich ging er bereits Mitte der 1980er Jahre wieder außer Betrieb. Ski- und Schanzenhang Abendwiese sind heute wieder völlig zugewachsen. Im Wald erinnern nur noch eine Gedenktafel für die Schanzen und ein Gedenkstein für einen beim Liftbau verunglückten Monteur an die Wintersportanlagen, und wer sucht, findet noch die Mauer der Absprungrampe einer der Schanzen. Das Talstationshäuschen des Skilifts steht angeblich noch, alles andere ist weg. Dem Hang ist seine jahrzehntelange wintersportliche Nutzung nicht mehr anzusehen.
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Kniebis, Skilift Abendwiese 1971. © Cramers Kunstanstalt, Dortmund. Flutlichtbetrieb gab's auch, aber populär war der kurze Skihang wohl nie.
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Vom Kniebis führt die Schwarzwaldhochstraße weiter südwärts nach Freudenstadt, wo sie endet. Im Freudenstädter Stadtteil Lauterbad befindet sich der Skihang am Waldhotel Stokinger.

Freudenstadt, Skihang Stokinger um 1955. © Verlag Elsässer, Stuttgart. Am Skihang neben dem Waldhotel Stokinger ist eine erste Liftanlage zu erkennen. Wahrscheinlich handelte es sich um einen Seillift.
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Freudenstadt, Skihang Stokinger um 1965. © Verlag Elsässer, Stuttgart. Zehn Jahre später sah die Situation anders aus. Die erste Liftanlage war einem nur wenig längeren Portalstützen-Schlepplift gewichen. Der Seillift scheint in gekürzter Form links daneben oberhalb der Obstbaumreihe aufgestellt worden zu sein (großen Scan bemühen).
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Freudenstadt, Skihang Stokinger um 1965. © Verlag Metz, Tübingen. Details des Portalstützen-Schlepplifts, der aus heutiger Sicht nur den oberen Hangteil erschloss. Welches Liftfabrikat ist das? Heute steht hier mit einem Doppelmayr-Schräg-T-Stützen-Lift die dritte Liftanlage am Stokinger, die zusätzlich den unteren Hangteil erschließt. Lift und Skipiste wurden zusätzlich nach oben in den Wald verlängert.
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In Freudenstadt endet unsere virtuelle Retro-Skifahrt über die Schwarzwaldhochstraße. Vielleicht konnte der Beitrag ein wenig Interesse an der Geschichte der Schwarzwaldhochstraße und speziell an der Entwicklung des Alpinskibetriebs dort oben wecken. :-)

Quellen:
http://www.wikipedia.de und http://www.schwarzwaldhochstrasse.de zur Geschichte der Schwarzwaldhochstraße
http://www.eichwaelder.de für Detailinfos zu den einzelnen Skihängen
http://www.lift-world.info für Baujahr-Angaben zu den Skiliften
http://www.skisprungschanzen.com und http://www.skilifte-hundseck.de (Kopie) zur Geschichte der Nordschwarzwaldschanze an der Hundseck


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BeitragVerfasst: Fr, 29.07.2011, 14:20 
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RetroRebel
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Danke für die sehr schöne Dokumentation einer erschlossenen Gebirgsart, die ich bisher so gut wie gar nicht kenne. Offensichtlich war in der Epoche der grossen Hotels diese Zuckerbäckeratmosphäre das geradezu Märchenhaft magische an den Waldbergen.

Die Verbreitung der Pistenwalzen wird den zahlreichen Kurzliften insgesamt wohl eher geschadet als genutzt haben...?


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BeitragVerfasst: Fr, 29.07.2011, 14:59 
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Registriert: Do, 08.11.2007, 16:57
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krisu hat geschrieben:
Offensichtlich war in der Epoche der grossen Hotels diese Zuckerbäckeratmosphäre das geradezu Märchenhaft magische an den Waldbergen.

Ja, die großen "Kurhäuser" waren sozusagen die Versinnbildlichung des Tourismus im Nordschwarzwald. Ersatz für sie gibt es nicht, entsprechend mangelt es dort heute an einem übergreifenden Markenzeichen für den Schwarzwaldhochstraßen-Tourismus (obwohl es ein entsprechendes Logo für die Straße gibt).

krisu hat geschrieben:
Die Verbreitung der Pistenwalzen wird den zahlreichen Kurzliften insgesamt wohl eher geschadet als genutzt haben...?

Ich denke nicht ... regionale Zeitungsberichte aus den 1960er (!) Jahren sprechen bereits von dutzenden Verletzten pro überfülltem Skihang und Wochenende, um die sich die Bergwacht zu kümmern hatte. Da werden Pistenpflegemaßnahmen eher von Nutzen gewesen sein, denn Nordschwarzwaldschnee ist oft feucht und schwer. Gut präparierte Pisten waren seinerzeit sicherlich eher ein Publikumsmagnet als verbuckelte. Erst heute sieht man das allmählich wieder umgekehrt. Der letzte unpräparierte Hang ist der am abgelegenen Skihang Ochsenstall.


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BeitragVerfasst: Sa, 30.07.2011, 22:27 
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schöne alte Fotos, aber skifahrerisch für mich selbst retro-verklärt komplett uninteressant..

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Neu: Überblick Berichte Ski-Saison 1.10.2017-30.9.2018 (106 Tage, 73 Gebiete)


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BeitragVerfasst: Sa, 30.07.2011, 23:50 
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Gut nachvollziehbar, schließlich handelt sich um ein reines Mittelgebirgsgebiet mit verstreuten Einzelskihängen zwischen 400 und 900 Metern Länge. Längere Abfahrten von 1000 m hinunter auf z.B. 500 m fehlen. Skiurlaub macht dort niemand, selbst früher wohl kaum. Die Skihänge leben von Tagesgästen aus dem Oberrheintal, die für ein paar Stunden bleiben.


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