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BeitragVerfasst: Mo, 24.04.2006, 0:43 
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Noch am Nachmittag des Ostermontag gings (nach kurzer Regenerations- und Zivilisationsanpassungspause in Form von Körperpflege) macht ich mich auf die Weiterreise ins Tal von Chamonix. Mein Ziel war Argentière am Fuss der Grands Montets, das Bergdorf im Schatten des grossen, "urbanen" Chamonix.

Bereits die Anreise mit dem MontBlanc-Express (mit Zahnradbahn-Teilstrecken) war ein Erlebnis der Extraklasse. Grenzbedingter (hm ... aber keine Passkontrolle) Umstieg in Le Chatelard.
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In Argentière angekommen bezog ich Quartier im Gite le Belvedere, einer einfachen Nächtigungsmöglichkeit mit unschlagbaren 13,25 Euro pro Nacht.
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Am nächsten Morgen sah das Wetter vielversprechend aus. Die ersten Sonnenstrahlen erreichen um 7h00 den Gipfel der berühmten Aiguille Verte (4122m). Darunter das Skigebiet von Argentière mit der Aig. des Grands Montets (3295m) und der Seilbahnbergstation.
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Überblicks-Panorama des Skigebiets: Die geringe Anzahl an Anlagen täuscht. Die Grands Montets ist der geniale Skiberg schlechthin, eine Pyramide mit drei (bzw. vier, wenn man Pas de Chevres dazuzählt) riesigen Seiten, die jede für sich unzählige Abfahrtsmöglichkeiten bieten. Mit Ausnahme der offensichtlichen Felsköpfe und -wände ist de facto jeder Quadratmeter befahrbar und wird auch befahren.
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Pünktlich zu Betriebsbeginn um 8h45 fand ich mich an der Talstation der Seilbahn zur Mittelstation Lognan (1973m) ein. Mittlerweile waren Wolken aufgezogen und so fuhr ich zunächst mal mit der EUB auf den Bochard (2760m).
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Die Abfahrt auf der leeren und perfekt präparierten Piste war ein Traum. Aber ich war ja nicht zum Pistenfahren hier, sonderen für die eigentliche Spezialität des Gebietes, den schier unerschöpflichen Off-piste-Möglichkeiten. Mittlerweile hatten sich im Lavancher-Sektor die Wolken verzogen und ich begab mich auf die erste Off-Piste-Variante. Da es einige Tage schon keinen Neuschneefall mehr gab, war - wie erwartet - das Gelände bereits grossflächig verspurt.
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Weiter oben fand ich jedoch - nach langen Querungen - ein noch wenig unverspurtes in kleinen Couloirs mit durchaus anregender Steilheit.
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Mittlerweile hatten sich die Wolken fast gänzlich verzogen und ich wollte endlich auf den Gipfel der Grands Montets selbst hinauf. Dafür muss man zusätzlich nochmal ein Top-Ticket um 5 Euro kaufen. Und dann nach kurzer Wartezeit (zu Spitzentagen bzw. nach Neuschnee meist sehr langer Wartezeit) kanns losgehen.
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Die Gondel überwindet in knapp 6 Minuten ca. 1300 m Höhenunterschied. An der Bergstation erwarten einen abenteuerliche Panoramablicke.
Von oben nach unten:
Blick auf Drus (3754m) und MontBlanc (4809m, davor die Aig. du Midi, 3842m)
Tal von Chamonix
Kessel des Glacier d'Argentière
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Als erste Abfahrt wählte ich die Riesenflanke des Glacier des Rognons, wo auch die offiziellen Pisten "Pointe de Vue" und "Pylônes" (die sich erst später trennen) hinabführen. Um zu der von mir gewählten Variante "Combe du Cordier" zu kommen ist zunächst eine Querung (Länge je nach Lust und Laune und Verhältnissen) notwendig. Die Abfahrt ist an sich skitechnisch nicht schwer, aber die objektiven Gefahren in Form von Gletscherspalten ("man eating crevasses") und Serac-Stürzen bzw. Eislawinen von den Eiswänden der Aiguille Verte verleihen der Route eine "atmosphere 'russian roulette'" (Zitat aus dem Skiführer Chamonix-Hors pistes/off pist von F. Burnier und D. Potard).
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Rückblick zur Grands Montets mit dem Col des Grands Montets, wo die Einfahrt in diesen Sektor beginnt.
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Auf einer Höhe von ca. 2600m erreicht man dann die Zunge des Glacier d'Argentière, die man weiter - vorbei an Gletscherbrüchen - bis zur offiziellen Piste verfolgt. Entlang dieser kommt man zurück zur Mittelstation Lognan.

Auch die Nordwestflanke des Berges bietet atemberaubende Abfahrtsmöglichkeiten über zwei (kleinere) Gletscher (Glacier de la Pendant und Glacier de Lognan).

In der Variante LaFace am Glacier de Pendant. Hier fand ich noch einige größere unverspurte Bereiche.
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Rückblick aus der Variante LaFace zum Gipfel.
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Auch am zweiten Tag herrschte Traumwetter. Wieder startete ich meinen Skitag mit einer Fahrt auf den Bochard.
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Als Variante im Nordostsektor (Glacier des Rognons) wählte ich diesmal die "Moraine des Rognons", wo es durch steile, felsbegrenzte Couloirs direkter zur Gletscherzunge des Glacier d'Argentière runtergeht. Eindrucksvoll die Seracs der Gletscherzunge. Diesen kommt man dann entlang der weiteren Abfahrt schauerlich-schön nahe.
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Als letzte Abfahrtsroute wählte meines Aufenthaltes wählte ich dann die "Combe des Rachasses", wo es durch hohes Ausqueren aus dem obersten Bereich der LaFace ebenfalls noch einiges an unverspurten Höhenmetern zu finden gab. Rechts an den Felsen die Route "Combe des Rachasses", die sehr nett in einem Riesenwindkolk zwischen Gletscher und begrenzende Felswand entlangführt.
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Weiter über die total verspurte (bwz. verbuckelte) Route "Combe des Amethystes" gehts dann zur gemütlichen (abseits gelegenen) Hütte "Chalet Refuge de Lognan" (2032m), wo ich eine letzte Pause auf der Sonnenterasse einlege. Von der Hütte gehts dann auf einer weiteren Variante ("Combe de l'E.H.M.") bald durch lichten Lärchenwald runter zur einzigen, offiziellen (und präparierten) Talabfahrt, namens "La Pierre à Ric". Trotz relativ tiefem Sulz ist diese erstaunlich gut zu befahren. Blick zurück auf einen Hang der Talabfahrt, im Hintergrund die Aiguille de Chardonnet (3824m).
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Nach Einsammeln meiner Utensilien habe ich dann noch etwas Zeit mich an einer Sonnenterasse im Ort bei Bauernbrot und savoyardischen Käse (stinkt so toll wie er schmeckt :wink:) von den Strapazen zu erholen und mich auf die Reise nach Zermatt vorzubereiten.

Fazit nach zwei Tagen Argentière/Grands Montets:

* Ein absolutes Muss für alpin interessierte Skifahrer
* Toller Kontrast zu den zahllosen 08/15-Skigebieten
* Nebensaisonbedingt (?) tolle Atmosphäre im Dorf (und teilweise sehr günstig)
* Von Länge und "Schönheit" (skifahrerisch und landschaftlich) enorme Abfahrten, die zudem grossteils extrem einfach zu erreichen sind - Grands Montets ist wirklich der ideale Skiberg an sich
* Nette Plätze abseits vom Massenskirummel (z.B. Refuge de Lognan) - kann allerdings in den Spitzenzeiten auch ganz anders sein (vorige Woche war fast nix los - gestoppte 15 Min. Wartezeit maximal vom Top-Ticket-Kartenkauf bis Losfahrt der Gondel)
* Auch nach Tagen ohne Neuschnee und auf den ersten Blick hundertprozentiger Verspurtheit lassen sich doch noch einige frische Plätzchen entdecken
* Sehr gute Schneelage (230cm am Lognan, 480cm Bochard, 490cm Grands Montets, Schattseitig noch viel Schnee auch bis ins Dorf)
* Überraschend viele Skifahrer, die sich trotz rudimentärer Skikenntnisse auf einige der Gletscherrouten herumtummeln
* Die wirklich schweren Sachen sind gleich einige Nummern zu schwer für mich
* Beim nächsten Mal werd ich mir auch Touren vornehmen, die Routen z.B. im Kessel des Glacier d'Argentière sehen einfach zu verlockend aus
* Das muss ich mal bei frischem powder sehen


Zuletzt geändert von helmut am Di, 25.04.2006, 0:12, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Mo, 24.04.2006, 8:13 
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Vielen Dank für diesen eindrucksvollen Bericht. Zu den "man eating crevasses" habe ich ein aktuelles Beispiel: Mein Cousin war in der vergangenen Woche auch im Skigebiet Grands Montets; er war zusammen mit dem Mann meiner Cousine dort. 5 Arbeitskollegen von letztgenanntem waren auch dort und sind im Tourengebiet über den Gletscher abgefahren. Mein Cousin und sein Schwager sind jedoch nur Pisten gefahren und das war auch ganz gut so. Die 5 Kollegen hat's nämlich bei Spaltenstürzen erwischt. 3 sind tot und die anderen beiden schwerverletzt. Ich weiss nicht, ob dieses Vorkommnis dort irgendwie Bekannt wurde. Die genannten Personen kommen alle aus Genf. Auf jedenfall hat es einen umfangreichen Hubschrauber-Einsatz gegeben.

Ergänzung: Die Spaltenstürze haben sich am Ostermontag ereignet.

_________________
Chasseral - "Les derniers vestiges ont disparu - la fin d'un rêve"


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BeitragVerfasst: Mo, 24.04.2006, 22:27 
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RetroRebel
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Oh, krass.... vor allem, dass alle 5 betroffen waren ist schon heftig...

@helmut: danke dir auch noch mal für einen Bericht aus diesem Gebiet. Sag ma, hab ich das richtig verstanden, man muss jedes Mal noch mal zusätzlich zum Schipass ein Topticket lösen?? Das finde ich ja - ohne bisher da gewesen zu sein - schon etwas übertrieben....


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BeitragVerfasst: Mo, 24.04.2006, 23:32 
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Ja, diese Top-Tickets müssen jedesmal extra gekauft werden (ich glaub aber im 6-Tages Chamski-Pass wären 2 "gratis" Top-Tickets dabei). Auf den ersten Blick klingt das extrem, aber ich bin z.B. am Mittwoch nur dreimal raufgefahren (am Dienstag überhaupt nur 2mal, da am Nachmittag Wolkenbänke, die Sicht um den Gipfel der Grands Montets behinderten). Die Abfahrten dauern ja auch dementsprechend (nicht zuletzt, weil man wirklich dauernd staunend durch die Gegend blickt). Da geht nix mit zig Wiederholungsfahrten à la 08/15 ...

Für die schnellen Leckerbissen zwischendurch gibts die 6er KSB "Herse" und die EUB Bochard, die selber beide sehr schöne und auch anspruchsvolle Abfahrten erschliessen.

Von mir aus könnten sie auch den Preis der Top-Tickets erhöhen, wenn dadurch der Andrang (und der Grad der Verspurtheit) signifikant reduziert werden könnte. Ich hatte ja Glück, da das Gebiet generell recht leer war, aber zu Spitzenzeiten kanns dort Wartezeiten bis deutlich über eine Stunde geben (ich hab in Zermatt Engländer getroffen, die aufgrund extremer Wartezeiten überhaupt kein einziges Mal auf die Grands Montets gefahren sind ...).


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BeitragVerfasst: Do, 27.04.2006, 16:34 
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Im folgenden noch eine kleine Auwahl zusätzlicher Fotos.

Blick zum Col de Chardonnet, links die Aig. de Chardonnet (3824m), rechts die Aig. d'Argentière(3900m). Die Route über dieses Col ist Startetappe des ersten Tages der Haute Route Chamonix-Zermatt.
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Nochmals die Aig. d'Argentière oberhalb des Glacier d'Argentière.
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Blick vom Grands Montets-Gipfel (Aussichtsplattform die man über Treppen von der Bergstation erreicht) nach Westen. Am Rand des linken Bilddrittels der Gipfel Le Brévent (2525m). Berühmter Skiberg (und Montblanc-Aussichtspunkt) direkt oberhalb von Chamonix.
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Blick ins Tal von Chamonix mit den Pisten des Skigebiets von Les Houches (Austragungsort der Kandahar-Weltcup-Abfahrt Chamonix)
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Blick von der Piste "Bochard" zum Col de Montets (1461m, Passübergang) und ins Skigebiet Domaine de Balme (rechts) von LeTour (seit 2004 direkte Verbindung von Vallorcine durch EUB). Etwas oberhalb lässt sich auch die Staumauer des Lac d'Émosson in der Schweiz (berühmte Seilbahnanlage führt da hinauf) erkennen.
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Nocheinmal die Grands Montets Seilbahn oberhalb des Glacier de Lognan.
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