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BeitragVerfasst: So, 22.01.2006, 20:18 
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Ah, jetzt hab ichs gecheckt. Dachte erst, beim letzten Bild das rechts unten wäre die Mittelstation - und hab verzweifelt die Sektion I gesucht ;)

D.h. das Kessel-Stück ist sogar länger als das Sektion II Stück und das letzte Foto wird dann ca. Bergstation Doppel-SL aufgenommen worden sein.

.. aber moment, wo ist dann eigentlich die Talstation der SL? Links unten in der Mulde? Oder rechts vom Bildrand?

(Mal ganz ehrlich, wäre es nicht logischer gewesen, wenn die Sektion I eine eigene Mittelstation (bzw. eigentlich nur einen Ausstieg, da es ja keine Abfahrt zur Talstation Sektion II gibt) hätte, aber selbst direkt bis rauf zum Grat ginge, und die 2. DSB der Rückbringer vom Kessel alleine wäre? )


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BeitragVerfasst: Fr, 27.01.2006, 18:18 
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RetroRebel
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The show must go on...

Teil 3: Sella Nevea

Pistenplan: http://www.promotur.org/FILES/_img_adri ... anevea.jpg

Den nächsten Morgen ließen wir etwas entspannter angehen, was angesichts des erneut eher durchwachsenen Wetters auch nicht allzu schwer fiel. Nach dem Frühstück verließen wir unser Quartier und machten uns auf den Weg nach Sella Nevea, etwas südlich von Tarvisio an der Grenze zu Slowenien gelegen und von zwei Seiten vom Kanaltal her zu erreichen. In unserem Fall näherten wir uns von Westen von Chiusaforte her durch das enge, von endlosen steilen Bergflanken geprägte und kaum besiedelte Val Raccolana, in der Straßenkarte zu Recht als landschaftlich besonders schöne Strecke markiert.
Sella Nevea selbst, das wir gegen Mittag erreichten, entpuppte sich als reine Retortenstation aus den 60er-Jahren. Einige große Appartmenthäuser dominieren die Szenerie, die größere nicht verwirklichte Ausbaupläne vermuten lassen könnten. Denn skifahrerisch ist in Sella Nevea nicht viel zu holen: Eine Pendelbahn (Ceretti & Tanfani-Umbau durch Hölzl) von 1122 auf 1831 m erschließt zwar eine interessante, großteils beschneite Abfahrt mit interessanten Varianten-Möglichkeiten unterhalb der beeindruckend senkrechten Felswand des Bila Pec, die DSB bei der Bergstation (Leitner), die als Beschäftigungsanlage in dieser Saison zwei kurze Schlepplifte ersetzte gibt aber abfahrtsmäßig nicht allzu viel her. Aus eher seilbahnhistorischer Sicht interessant sind dagegen die beiden Tellerlifte, die einige kurze Übungshänge bei der Talstation bedienen: Hersteller ist Marchisio, wobei mindestens einer von CCM modernisiert wurde.
Abgerundet wird das Angebot durch den SL Slalom (Leitner), nördlich des Ortes gelegen und in früherer Zeit vermutlich durch einen inzwischen stillgelegten Lift mit der anderen Seite verbunden.
Fazit: Eine Verbindung zum Kanin auf slowenischer Seite würde dem Skigebiet in jedem Fall gut tun, auch und gerade als zusätzliche Beschäftigungsanlage für Sella Nevea wäre eine solche Bahn in Form einer SB oder KSB von Vorteil.

Nachdem wir uns den "Ort" angesehen hatten, war es an der Zeit skifahren zu gehen. Doch zunächst wollte ich noch einen Versuch unternehmen, im örtlichen Skiverleih etwas modernere Tourenski zu bekommen. Nach einigen Irrungen und Wirrungen erstand ich ein Paar 1,90 m lange, konventionelle Latten ohne Taillierung, aber mit Tourenbindung und passenden Fellen - vermutlich die einzigsten Tourenski, die der Verleih im Sortiment hatte, dem Anschein nach wenig gefahren und in gutem Zustand, was man vom restlichen Material, das die Leute aus dem Laden trugen, nicht unbedingt behaupten konnte.
Nun ging es zunächst samt Gepäck mit der Pendelbahn nach oben - trincerone hatte Übernachtungsplätze im Rif. Gilberti (C.A.I., Sektion Udine) nahe der Bergstation der neuen Sesselbahn organisiert. Nachdem dort die Formalitäten erledigt und das Gepäck deponiert war, machten wir uns auf die Abfahrt nach Sella Nevea, und ich musste feststellen, daß meine Ski dermaßen stumpf waren, daß damit nicht vernünftig zu fahren war. Ich entschloss mich also zur Reklamation, worauf hin mir die Ski nach einer mir etwas suspekt erscheinenden Methode über eine zuvor mit einem Wachsblock präparierte rotierende Walze gezogen wurden. Erstaunlicherweise zeigte diese Prozedur aber tatsächlich Wirkung, zumindest die extreme Bremswirkung war nun egalisiert.
Wir gönnten uns noch je eine Fahrt mit den Marchisio-Übungsliften und der Pendelbahn, bevor es mit einer der letzten Fahrten hinauf zum Rifugio ging, wo wir eine enge Kammer mit Stockbett und Einzelbett zur Übernachtung zugewiesen bekamen - die jedoch, welch Luxus, über eine Heizung verfügte! (vgl. Guglielmina).
Der Tag endete schließlich mit einem reichlichen, mehrgängigen Abendessen und einer sehr lustigen nächtlichen Fotosession draußen vor dem Rifugio, deren Ergebnisse möglicherweise bei einer anderen Gelegenheit ausführlicher präsentiert werden.


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Welcome back to the 1960s - Sella Nevea, Retortenstation

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Erinnert entfernt an Frankreich. Nur die Landschaft passt nicht so ganz.

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Manche finden's hässlich. Andere ergötzen sich an der Mystik vergangener Zeiten, für die diese Bauten stehen, und die sie selbst nie erlebt haben.

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Das untere Schild weist den Weg zur "Top Sound Discoteca"

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Der wahre Schatz von Sella Nevea: Schlepplift Marke Marchisio

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Der zweite von insgesamt drei Talliften plus einem stillgelegten - selber Hersteller aber modernisierte Antriebsstation (CCM, steht drauf)

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Am Ausstieg

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Ursprünglich ein Erzeugnis von Ceretti e Tanfani, später erneuert durch Hölzl: Die Hauptanlage von Sella Nevea

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Blick auf die Strecke der Seilbahn

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Bei der Stationseinfahrt in die Talstation. Kabinen sind von Lovisolo.

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Abseits der präparierten, planierten und beschneiten Hauptpiste verläuft eine Variante unter imposanten Felswänden

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Talblick

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Blick von oben auf Sella Nevea: Hinten die Pistenschneise am SL Slalom (Leitner), bei der Talstation der Pendelbahn (vom unteren Mast-Drittel verdeckt) die zwei Marchisio-Lifte nach rechts verlaufend

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Abendstimmung. Vorne die Bergstation der Pendelbahn.

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Diese Doppelsesselbahn Marke Leitner ersetzt seit dieser Saison zwei kurze Skilifte bei der Bergstation der Pendelbahn

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Nacht

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Sessellift in vollkommener Dunkelheit

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Ist das Kunst? Möchte es vielleicht jemand kaufen?

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Geniale Stimmung: Die Lichter des Ortes illuminieren die Nebeldecke von unten

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Perfekte Piste für den nächsten Tag

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BeitragVerfasst: Sa, 28.01.2006, 10:29 
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Bin ich das da auf der Nachtaufnahme??? :shock: Aber gehörst du denn jetzt zu denen, die die Dinger hässlich finden, oder die sich - um es mal mit deinen Worten zu sagen - an der Mystik vergangener Zeiten ergötzen?? :)


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BeitragVerfasst: Sa, 28.01.2006, 11:14 
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[trincerone] hat geschrieben:
Bin ich das da auf der Nachtaufnahme??? :shock: Aber gehörst du denn jetzt zu denen, die die Dinger hässlich finden, oder die sich - um es mal mit deinen Worten zu sagen - an der Mystik vergangener Zeiten ergötzen?? :)


Das bist du, in der Tat. Nach Abzug eventuell anders verwertbarer Nachtaufnahmen blieb leider nicht mehr so viel übrig :D

Ich habe absolut keine pauschale Sichtweise was diese Bauten angeht. Tendenziell find ich das aber längst nicht so schlimm wie manch andere, die die französischen Stationen gerne als Maßstab der Hässlichkeit hernehmen, oft ohne selbst jemals dort gewesen zu sein.
Les Arcs sah winters wie sommers von La Plagne aus immer ganz gut aus, als ich dagegen durch Plagne-Bellecôte durchgelaufen bin hat der Beton gebröckelt, da wollte ich nicht wohnen - ist auch von außen her eher strange und abstossend, wie ich finde, kann man aber vielleicht auch renovieren.
Sella Nevea sah so tief verschneit doch ganz nett aus, oder?

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BeitragVerfasst: So, 29.01.2006, 14:18 
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Dafür hab ich ja das Wort stylish eingeführt... ;) Also ich tue mich schwer, "schön" zu sagen, was qusi im Umkehrschluss irgendwo schon "hässlich" bedeutet. Andererseits faszinierenen mich die Gebäude aufgrund ihrer Kompromisslosigkeit und der Tatsache, dass auch diese nicht umgebaut wurden, wie oft in Frankreich. Dann wiederum mag ich auch diesen Trashstyle, wenn das alles so herunterkommt, aber ich finds nicht wirklich schön. Das ist etwas verzwickt, ehrlich gesagt tu ich mich schon schwer, wenn ich die Dinger einerseits cool finde und mir auch gerne anschaue, andererseits zu erklären, warum ich etwas, dass ich mir gerne anschau nicht schön find. Z.T. schreibe ich dann ja auch "eine eigene Ästhetik", was so ein etwas künstlicher Mittelweg ist. Ich mag aber in jedem Fall Beton und futuristische Bauten, da könnt man wenn sie gut in Schuss sind, schon wieder von schön reden.

Sie gefallen mir aber nicht, weil sie mich an vergangene Zeiten oder deren Mystik oder etwas ähnliches erinnern, eher andersrum: ein Teil einer gewissen Mystik, wenn man das schon so nennen will, entsteht für die 60er und 70er Jahre aus ihrer kompromisslosigkeit (und dazu gehören halt auch die Betonbauten). Und das wiederum liegt mir sehr. Weißt ja: der steile Schlepper, der bis auf den Grat führt, mit fünf Metern Platz zum Aussteigen und einer geilen steilen anspruchsvollen Piste ist mir tausendmal lieber als die KSB, die dann aus platzgründen 100m tiefer in der Mulde endet, wo der interessanteste Teil des Hanges schon vorbei ist, wo man nicht auf der Rückseite runterschauen kann und wo man - und ja auch das gehört dazu - nicht im Steilstück aufpassen muss, dass man nicht rausfällt. :D


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BeitragVerfasst: So, 29.01.2006, 19:24 
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Melde mich hiermit von meiner Salzkammergut-Tour zurück (dort kein schnelles Netz) und bringe, da dem Bericht ohnehin fast nichts hinzuzufügen ist, vier Ergänzungsbilder:

Zunächst noch 2 Impressionen von der Variante unter der steilen Felswand, macht optisch schon was her. Insgesamt ist das Stück allerdings ziemlich kurz, weiter unten scheint das Gelände dann sehr steil und für Ortsunkundige nicht zum Befahren geeignet, es gab auch keine Spuren zu sehen und die Pisten sind hermetisch mit Netzen abgesichert.

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Hier noch ein Bild von der Bergstation der Kabinenbahn
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Und nun unser Rifugio, es ist schon ein tolles Erlebnis, oben bleiben zu können, wenn alle anderen das Skigebiet verlassen!
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Insgesamt muß ich schon betonen, daß die Atmosphäre in Sella Nevea schon sehr eigen war, die nach meinem Dafürhalten im Verhältnis zum Skigebiet riesigen und ziemlich unbewohnten Bauten machten für mich den Eindruck eines schlafenden Riesen, dessen Gliedmaßen (Seilbahnen) größtenteils amputiert oder niemals fertiggestellt wurden, vor allem im Kontrast zu dem einsamen und engen Tal, in dem die Zufahrtsstraße verläuft.

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Schweben im Powder - Die, die es erlebt haben, verstehen, den anderen kann man es nicht erklären!


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BeitragVerfasst: So, 29.01.2006, 22:37 
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@trinc: Das mit der Mystik war eine schnelle, zugegeben etwas unpräzise und undurchdachte Formulierung, die nicht unbedingt zum Baustil passt. Von daher sollten wir uns nicht unbedingt an diesem Wörtchen aufhängen.

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BeitragVerfasst: Sa, 25.02.2006, 12:07 
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Hatte gerade so eine Laune, aus der heraus ich beschlossen habe, die Sache hier zu vervollständigen. @trinc: Wäre trotzdem schön, irgendwann mal noch ne Version von dir vom Kanin zu lesen.
Ich werde diesen Text bis auf weiteres (d.h. bis zur nächsten Laune ;-)) mal nur hier veröffentlichen.

Teil 4: Kanin


[...] das ist sozusagen der Modellfall für die Zukunft des alpinen Skilaufes. Denn das Nurpistenfahren wird sich überleben. Die Technik zu nützen und doch die Beschaulichkeit und den Lohn der Aufstiegsmühe nicht zu leugnen, dahin soll, dahin muß es kommen, wenn wir uns nicht alle zu windigen Pistenknechten degradieren wollen...

Was Walter Pause vor dem Hintergrund der sich bereits abzeichnenden Erschließungswellen schon in seinem "Ski heil" (3. Auflage, 1958) forderte, schwebte mir persönlich schon seit einiger Zeit als Idealfall vor, wenn auch mit etwas anderen Vorzeichen. Denn während Pause mit seinen immer wiederkehrenden Mahnungen die Alpen noch vor der Erschließung im großen Stil bewahren wollte, hat diese bekanntlich inzwischen längst stattgefunden und bei weitem nicht nur ausschließlich Nachteile gebracht.

Dennoch zeichnet sich in den vergangenen Jahren ein Trend ab, der - gewollt oder nicht - mehr und mehr zu einer Assimilierung der Skigebiete führt. Die vom Klimawandel erzwungene flächendeckende Beschneiung bringt Geländekorrekturen, Verbreiterungen und Entschärfungen mit sich, die den Charakter vieler Abfahrten unvorteilhaft beeinflussen oder ganz zerstören. Wenige komfortable Lifte mit hoher Kapazität ersetzen kapazitätsschwächere alte Anlagen, manches Mal unter Verlust interessanter Varianten. Unrentable weil zu anspruchsvolle oder zu exponierte Lifte werden teilweise ganz stillgelegt. Und viele als Variantenabfahrten verzeichneten Pisten werden inzwischen maschinell präpariert.

Nun liegt mir nichts ferner als den modernen Pistenskilauf zu verteufeln. Wer einmal mit hoher Geschwindigkeit über einen breiten, gleichmäßig perfekt präparierten Pistenteppich gecarvt und die Fliehkräfte spürend im Geschwindigkeitsrausch aufgegangen ist, und wer dieses im Idealfall vielleicht dank schneller, leistungsstarker Lifte mehrmals hintereinander geniessen konnte, der wird sicher an diesem Tag nicht einen Gedanken an solcherlei Dinge verschwendet haben.
Wenn an einem anderen Tag jedoch die Pisten überfüllt oder vereist sind, dazu Wetter und Sicht nicht optimal, oder wenn man einfach einmal keine Lust auf stressige Vollgas-Abfahrten hat und eher die technische Herausforderung oder den Thrill des Steilhangs sucht, dann weicht man als passionierter Skifahrer mit dem entsprechenden Können gerne auf die ausgefahrene, griffige Buckelpiste nebenan, die unpräparierte Variante unter dem Lift oder den exponierten, nur in einer zugig-kalten und langsamen Sesselbahn erreichbaren Gipfelhang des Skigebiets aus - so diese Möglichkeiten denn noch existieren, denn - und genau hier liegt das Problem - oben beschriebene Trends grenzen, verstärkt durch einige andere Faktoren und Auswüchse moderner Skigebiete, Alternativen und Vielfalt in den Skigebieten immer weiter ein. Planierte und präparierte Pisten bieten einfach ab einem gewissen Punkt keine Abwechslung und keine Herausforderung mehr.
Dieser Punkt war bei mir persönlich ca. im Jahr 2000 erreicht, als ich eine Woche lang die Pisten eines großen französischen Skigebiets ausschließlich als Zubringer von Variante zu Variante genutzt habe. Die wohl perfekteste Mischung aus schnellem Pistenfahren und anspruchsvollem Vergnügen abseits und wahrscheinlich der Grund, warum ich bis heute großer Fan des Skigebiets von La Plagne bin.

Auch wenn ich in den Folgejahren in den Trois Vallees auch dank verbesserter Carving-Technik noch einmal die Vorzüge des reinen Pistenkilometer-Fressens erleben durfte, ein Grundgedanke und Wunsch blieb seit dieser Zeit erhalten, und an dieser Stelle kommt erneut das Zitat von Walter Pause ins Spiel.
Denn warum nicht an der Bergstation die Felle unterschnallen, ein paar Meter aufsteigen und nur wenige Minuten entfernt noch viel öfter genau die Ruhe und die Herausforderungen finden, die man innerhalb der Skigebietsgrenzen nur noch im allerbesten Glücksfall vorfinden kann? Offenbar eine große Erweiterung des skifahrerischen Spektrums, wenn man einschlägigen Berichten und Bildern von Tourengehern und Freeridern glauben darf.
Klingt einfach, ist es aber nicht. Die passende Ausrüstung kann man zwar kaufen, allerdings sollte man auch einige Dinge wissen, z.B. über alpine Gefahren, und einige Techniken beherrschen, z.B. die Verschüttetensuche mit einem LVS. Kurz gesagt: Um einen Einstieg in die Kunst des Skitourengehens zu finden - egal ob nun im klassischen Sinn als eigenständigen Sport oder in Kombination und Ergänzung zur Piste - benötigt man entweder einen teuren Kurs oder aber gute Kontakte, optimaler Weise natürlich beides zusammen. Wenn man aber weder entsprechende Connections noch das nötige Kleingeld hat wird's problematisch - aber um so größer ist dann die Freude, wenn man endlich nach langer Zeit doch eine entsprechende Möglichkeit erhält. Und damit sind wir beim Thema.

Die Skigebiete beiderseits des Kanin-Massivs per Skitour zu verbinden drängt sich förmlich auf, sollen beide doch schon seit Jahren per Lift verbunden werden. Nachdem die Slowenen im vergangenen Sommer ihren Teil in Form der 4SB Prevala realisieren konnten, verkürzte sich der nötige Aufstieg von Sella Nevea her auf rund die Hälfte des ursprünglichen Höhenunterschieds, den es früher zu bewältigen galt wenn die Route zur Mittelstation der slowenischen Kanin-Seilbahn nicht offen war, auf rund 250 Höhenmeter. Eine Strecke die prädestiniert ist für derlei Aktionen - fordert sie doch nur ca. eine Stunde Aufstiegszeit.

Und so starteten wir kurz nach acht Uhr am Morgen dieses Januar-Samstages vom Rifugio Gilberti auf meine erste einigermaßen ernsthafte Skitour, bei noch leichter Hochbewölkung, zunächst mit einer kurzen Abfahrt durch das noch menschenleere Skigebiet in die Hochebene des Piano del Prevala zur Talstation der DSB. Dort zogen wir die Felle auf und stiegen auf zunächst mäßig ansteigender Route ans Ende des Tales, weiter über eine kurze Steilstufe und schließlich wieder flacher bis zur Sella Prevala, dem Übergang nach Slowenien.




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Morgens kurz nach Acht: Die Scharte im Hintergrund ist unser Ziel

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Noch läuft kein Lift und keine Seilbahn, das Skigebiet ist still und menschenleer

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Aufstieg mit Tourenskiern. trincerone, davor gerrit (verdeckt)

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Nicht in den Dolomiten, aber ähnlich imposant

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Blick zurück: Sessellift, Hütte (links davon), Bergstation der Pendelbahn über dem ersten Mast

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Anruf von Miki aus Slowenien (500 m entfernt)

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gerrit legt die Spur

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Fast oben: Die letzten Meter flaches Hochtal vor dem Schlußanstieg zur Scharte namens Sella Prevala

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Erneut der Blick zurück. Der Zeitbedarf für den Aufstieg liegt bei ca. einer Stunde.

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Hinter der Scharte zeichnet sich schon der neue Sessellift ab, der auf slowenischer Seite die zukünftige Verbindung der beiden Skigebiete herstellen soll

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Zur Orientierung ein kurzer Vorgriff: Panoramakarte des Skigebiets am Kanin. Wir kommen von der Scharte oben rechts, von der inzwischen eine Sesselbahn (Tal-Berg-Tal mit Mittelausstieg) den Anschluß an das übrige Skigebiet herstellt.





Dort angekommen wartete auch schon Miki auf uns, der den weiten Weg von Maribor her nicht gescheut hatte um sich mit uns am Kanin zu treffen. Ein schneller Gipfelschnaps, die Felle abgezogen und weiter zu viert, nun per Lift, in Richtung Zentrum des einzigen echten Hochgebirgsskigebiets Sloweniens. Auch das Wetter schien sich zu machen, die Hochbewölkung löste sich zunehmend auf, es blieb jedoch eine Nebelschicht, die den ganzen Tag zwischen geschätzten 2000 und 2200 m - also genau auf Höhe des Skigebiets - hin und her oszillierte.

Zunächst war es nun an der Zeit, sich nach Liftkarten umzusehen, was sich als nicht ganz so einfach herausstellte - interessanterweise ist der Verkauf von Karten im Gebiet nicht vorgesehen. Vermutlich kommt auch kaum ein Einheimischer, der diesen Übergang auf sich nimmt, auf die Idee sich auch noch eine Liftkarte zu kaufen. Möglicherweise setzt man auch von Seiten der Betreiber darauf, daß Wechsler zumindest auf einer Seite bezahlen und nicht allzu viele Tourengeher auf einer der Alpenvereinshütten übernachten, um dann die Lifte umsonst zu benutzen.
Jedenfalls wollten wir natürlich brav und ordentlich bezahlen, auch um das Gebiet bewusst mit unseren Touristen-Euros ein wenig zu supporten. Es wurde eine mittlere Staatsaktion daraus, der Chef musste erst die Kasse im Tal verständigen, die Karten sollten dann per Seilbahn(?) zur Bergstation geschickt werden. Und dies schien auch in irgendeiner Form zu funktionieren, während wir im Restaurant unseren Flüssigkeitshaushalt nach dem Aufstieg wieder ins Gleichgewicht brachten. Jedenfalls bekamen wir anschließend Liftkarten ausgehändigt, zum mehr als fairen Preis von 19 Euro. Mit der Provision für Miki für seine fleissige Übersetzung wurde es aber leider nichts.

Es folgte eine denkwürdige erste Abfahrt zur unteren der beiden Mittelstationen, die laut unserem Verkäufer geöffnet sein sollte. Wir tauchten also zunächst in die Nebeldecke ein, die zu diesem Zeitpunkt bis knapp oberhalb der oberen Mittelstation namens Skripi reichte. Darunter war wieder freie Sicht, insbesondere auf das was nun folgte: Kurz hinter der Station wurde aus der Piste eine schmale Raupenspur - eine unpräparierte Kettenspur, um genau zu sein, teilweise durchsetzt von Steinen und Dreck, und immer wieder steil. Geschicklichkeit war Trumpf, mehr noch als Fahrtechnik, aber dank der Leihski wurden meine Nerven dann doch nicht allzu sehr strapaziert. Trotzdem erwies es sich zwischendurch als Glücksfall, daß ich nach dem Aufstieg noch meine Bindung auf den korrekten Auslösewert eingestellt hatte. Vom Verleih war das nicht für notwendig erachtet worden, aber nun gut, dafür hat man ja ein wenig Hintergrundwissen. Und doch: Beinahe hätte die Faulheit gesiegt, wenn gerrit mich nicht noch daran erinnert hätte. So blieb der einzig ernste Sturz dann doch folgenlos - Glück gehabt, denn mit dem voreingestellten Z-Wert von 9 wäre die Bindung wahrscheinlich nicht aufgegangen, ziemlich sicher zu Lasten meiner Bänder und Knochen.
Nach einiger Zeit war die untere Mittelstation erreicht, und wir zwängten uns mitsamt unseren Rucksäcken in eine der Viererkabinen, die meist leer vom Tal herauf kamen. Während der Bergfahrt war dann für kurze Zeit der Blick frei bis zur Adria - weit mehr als nur schemenhaft zu erkennen, unter der untersten Wolkendecke hindurch. Leider tauchten wir schon nach Sekunden wieder in den Nebel ein, zu schnell um den Anblick fotografisch festzuhalten.




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Die neue Bahn: 4SB von Poma

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Bergstation der Zubringerbahn von Bovec und Zentrum des Skigebiets

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Panoramablick

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Wieder einmal über den Wolken

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Gipfel, dessen Namen ich noch nachsehen muss

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Vergesst "Herr der Ringe"...

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Die Seilbahn (Poma-4EUB) fährt direkt vor den Fenstern des Restaurants vorbei

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Stationstechnik aus Frankreich

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Noch mehr Poma: 3SB Podi mit Zwischenstation

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Abspannung der 4EUB vor der oberen der beiden Mittelstationen (Skripi)

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Talblick. So viel Schnee soll selten sein in der Gegend - kaum verwunderlich bei einer Talhöhe von ca. 450 m.

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Noch einmal diese Konstruktion. In Frankreich noch gelegentlich zu finden, sonst selten geworden.

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Die "Abfahrt" zur ersten Mittelstation besteht aus einem steilen Weg, den die Pistenraupen bevorzugt ohne Schild und Fräse benutzen. Vorne Miki, dahinter gerrit, ganz hinten trincerone.

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trincerone sucht sich einen Weg abseits der Piste die keine ist

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Viel später als es die Bilder suggerieren erreichen wir die Mittelstation Cela auf 980 m





Oben angekommen, starteten wir einen ersten Versuch im Restaurant zu Mittag zu essen - leider zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt, denn es war unmöglich einen Platz zu ergattern, so daß wir nach einiger Zeit unsere Pläne begruben und noch eine Runde skifahren gingen - bei zunehmend genialer Stimmung über den Wolken, die Bilder sprechen wohl für sich.
Gegen 14 Uhr war das Restaurant erwartungsgemäß wieder leer und wir holten unsere verdiente Stärkung nach, ohne Übertreibung mit dem wahrlich besten Burger den ich jemals hatte. Whopper, Big Mac sowieso, aber auch alles was es sonst noch so gibt kann man getrost in die Tonne treten gegen den Kanin Burger, der dort oben serviert wird. Und auch das slowenische Bier ist durchaus nicht zu verachten.

Schließlich reichte es noch für einige weitere Abfahrten, bevor Miki sich gezwungenermaßen verabschiedete, um die Bahn ins Tal noch zu erwischen, während wir oben am höchsten Punkt des Gebiets noch einmal die Stimmung auf uns wirken ließen, bis der Lift abgestellt wurde und wir wieder einmal fast ganz alleine waren.
Die Abfahrt zurück nach Sella Nevea gestaltete sich etwas schwieriger als erwartet, da auf italienischer Seite bereits der Nebel Einzug gehalten hatte und kaum die Hand vor Augen erkennen ließ. Doch auch diese Hürde war schneller gemeistert als zunächst gedacht, und da der Sessellift bei der Bergstation längst abgestellt war endete der Tag mit einem kurzen Gegenaufstieg zum Rifugio, diesmal auf präparierter Piste was die Sache doch deutlich vereinfachte.

Trotzdem, das sei als Fazit angemerkt, steht für mich nach diesem Tag fest: Ich werde meine Skitourenpläne in jedem Fall weiter verfolgen, mindestens als Ergänzung zum Pistenfahren, wahrscheinlich aber auch einmal mit der einen oder anderen "echten" Skitour.




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Nach erfolgter Bergfahrt tauchen wir wieder ein ins Nebelmeer

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Bergstation (genauer: Mittelstation) der neuen 4SB

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Magische Stimmung zwischen Himmel und Erde

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Das muss natürlich festgehalten werden, von links: Miki, gerrit, trincerone

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An der Grenze der Wolkendecke

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Dolomiti Style Skiing

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Captain Retro ist zu recht fasziniert

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Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein

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DSB Veliki Graben vor dem Wolkenmeer

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Mittelerde existiert, man kann dort sogar Skifahren. Leider sind die Lifte alle von Poma aus den 60er-Jahren.

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...and she's buying a ropeway to heaven

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Bergstation Veliki Graben. Lift war leider außer Betrieb.

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Abfahrt zurück nach Sella Nevea: trincerone gräbt sich aus

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Zuletzt geändert von k2k am Sa, 25.02.2006, 12:12, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Sa, 25.02.2006, 12:08 
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Teil 5: Krippenstein


Für den letzten Tag unserer Tour hatten wir uns auf Vorschlag von gerrit dazu entschlossen, dem Krippenstein einen Besuch abzustatten - einerseits weil wir uns damit nicht noch weiter von Salzburg entfernten sondern im Gegenteil beinahe den kompletten Rückweg vor dem Skifahren hinter uns bringen konnten. Andererseits war gerrit in den Tagen zuvor stets darum bemüht gewesen, uns von den Vorzügen dieses Skigebiets zu überzeugen.

Noch bevor die Seilbahn von Sella Nevea den Betrieb aufgenommen hatte brachen wir von der Hütte auf. Das Wetter hatte sich im Vergleich zum Vortag noch weiter gebessert, nur noch einzelne Wolken zierten den Himmel, der Tags zuvor meist bewölkt gewesen war. Wir nutzten dies, um noch das eine oder andere Foto zu schießen, und machten uns schließlich jeder mit zwei Rucksäcken bepackt auf die Abfahrt nach Sella Nevea. Zu unserem Glück war diese in der Nacht perfekt präpariert worden, so daß sich die Schwierigkeiten in Grenzen hielten - aufgrund einschlägiger Erfahrungen mit schwerem Rucksack in sulzig-verbuckelten Pisten am Stubaier Gletscher hatte ich hier Schlimmeres befürchtet.

Während ich mich beeilte meine geliehenen Tourenski wieder los zu werden packten gerrit und trincerone das Auto, und um kurz vor neun Uhr machten wir uns auf den Weg in Richtung Val Canale, diesmal dem Tal in die andere Richtung nach Tarvisio folgend. Erneut beeindruckten die hohen Schneemauern am Rand der Straße, dazu die vielen verlassenen und teilweise im Verfallen begriffenen Häuser, die darauf hindeuteten, daß dieses Tal vermutlich schon bessere Zeiten gesehen hatte.

Bei Cave di Predil passierten wir einen Talskilift und ließen es uns nicht nehmen, diesen genauer unter die Lupe zu nehmen. Das Wetter hatte sich bis hierhin wieder deutlich verschlechtert und so rannten trincerone und ich im Schneetreiben zur Talstation des Liftes, während gerrit aufgrund des Mangels an Parkplätzen im Auto die Stellung hielt.
Dieser Mangel hatte seinen Grund: Am Skilift, der sich als Nascivera-Tellerlift entpuppte, warteteeine riesige Menge von Skirennläufern geduldig die Bergfahrt ab, offenbar fand an dem Hang an diesem Tag ein Rennen statt. Wir ließen uns davon natürlich nicht beirren und dokumentierten den Lift ausführlich, bevor wir wieder im Laufschritt zum Auto zurück rannten.




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Rifugio Gilberti, CAI

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DSB

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Im Kar fand einstmals Sommerski statt, mit zwei Seilliften auf einem Firnfeld. Geschätzte Höhenlage ca. 1700 m!

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Hüttendaten

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Talblick

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Noch einmal der Blick zum Ziel des Vortages

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Kurz nach Acht am Morgen ist die Piste denen vorbehalten, die über Nacht oben geblieben sind

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Mast der Pendelbahn

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Soviel zur Schneelage

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Wir fahren nach links

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Auf dem Weg nach Tarvisio, genauer in Cave de Predil, treffen wir auf diesen Lift

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Ein Einersessel Marke Graffer steht in der Ecke

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Gebaut hat die Anlage aber jemand anders





Die weitere Fahrt verlief ohne besondere Vorkommnisse. Je weiter wir nach Norden vordrangen, desto besser wurde das Wetter. Als wir den Tauerntunnel hinter uns gelassen hatten erwartete uns strahlender Sonnenschein, und die Aussicht auf einen Skinachmittag bei bestem Wetter steigerte die Vorfreude auf das Kommende beträchtlich.




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Nachdem wir den Tauerntunnel hinter uns gelassen haben erwartet uns Postkartenwetter

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Einen kurzen Moment geraten wir ins Nachdenken...

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Frei nach Heinrich Heine: Deutschland (zuletzt 38-45). Ein Wintermärchen.





Die Talstation der Krippensteinbahn bei Obertraun war bald erreicht, wir zogen uns um, kauften eine Nachmittagskarte und starteten schließlich mit der halbstündig nach Fahrplan verkehrenden ersten Sektion der Pendelbahn zur Mittelstation und weiter hinauf zum Berghotel am Krippenstein. Dort befindet sich eine kurze 4SB sowie ein kleiner Übungslift, ersterer Marke Girak/Garaventa, letzterer von Doppelmayr. Dazu endet am Krippenstein eine dritte Sektion der Pendelbahn, die von der hinteren Seite von der Gjaidalm her herauf führt. Dorthin wendet sich auch die neben den kurzen Pisten bei der Bergstation einzige präparierte Skiabfahrt, die dafür gleich über 11 km vom Krippenstein über die Gjaidalm hinunter zur Talstation der Pendelbahn führt. Nach einer wieder einmal ausführlichen Fotosession wendeten wir uns zunächt genau dort hin.
Nach erneuter Bergfahrt mit den beiden Pendelbahnsektionen führte uns gerrit in die Variante Schönberg, die nach kurzer Abfahrt von der Bergstation einen ca. zehnminütigen Aufstieg auf präparierter Raupenspur erfordert. Wir gönnten uns noch eine kurze Pause in der Sonne am Ende der Aufstiegsstrecke, bevor wir uns ins Gelände stürzten.

Zunächst führt die Spur noch teilpräpariert bis zum eigentlichen Einstieg am Start einer ehemaligen Abfahrtsstrecke, die hier existiert haben soll - wohl zu Zeiten, als noch weitgehend querfeldein durch's Gelände gefahren wurde, ohne Geländeanpassungen, Beschneiung, Wässerung oder ähnliche Scherze.
Leider waren die Verhältnisse nicht unbedingt optimal. Zwar lag mengenmäßig mehr als genug Pulverschnee, jedoch war dieser aufgrund der Kälte der Vortage mit einem brüchigen Harschdeckel versehen, und so verabschiedete ich mich gleich auf den ersten Metern mit einem schönen Flug kopfüber in den Schnee - es sollte nicht das letzte mal sein.
Nach diesem Einstieg folgten einige mühevolle Querungen, bis wir - inzwischen an der Waldgrenze angekommen - einige interessante Passagen zwischen Felsen und Bäumen passierten. Die Verhältnisse waren immer noch nicht so richtig auf meiner Seite, ich würgte mich mehr den Berg hinunter als daß ich Ski fuhr. Zwischendurch waren immer wieder Pausen angesagt, mal hatte trincerone Probleme mit seiner Tourenbindung, mal landete einer von uns im Schnee. Einzig gerrit schien mit den Verhältnissen problemlos klarzukommen.

Schließlich folgte das Schlüsselstück der Abfahrt, das den Adrenalinspiegel des Erstbesuchers kurzzeitig deutlich zu steigern vermochte. Den Spuren der Vorgänger folgten wir in eine Bergflanke, die schließlich so steil wurde, daß man von oben ihr Ende nicht mehr erkennen konnte. Hier empfahl sich Ortskenntnis (in Form von gerrit), um die Stelle zu finden an der man aus eben dieser Flanke heraus queren mußte, um anschließend wieder relativ entspannt und weit weniger steil zwischen den Bäumen zur Mittelstation zu gelangen. Entspannt - es sei denn man unterschätzt die Führungsqualitäten und die Intuition des ortsunkundigen Vorausfahrenden, sucht sich seinen eigenen Weg und muß deshalb vor einer unvermittelt auftauchenden Felswand kehrt machen und zurück steigen. Ich nutzte jedenfalls die Wartezeit auf die beiden anderen kreativ, um noch einige Fotos zu machen.

Wir erreichten dennoch problemlos die letzte Bergfahrt ab der Mittelstation, mussten aber oben angekommen feststellen, daß mit einem Tagesausklang auf der Sonnenterrasse nichts mehr war: Die Sonne hatte sich längst hinter die Gipfel des Dachsteinmassivs verkrochen und die gesamte Szenerie lag bereits im abendlichen Schatten. In der aufkommenden Dämmerung traten wir die Talabfahrt auf der präparierten Piste an, beschlossen aber am Weiler Krippenbrunn doch noch unser ausgefallenes Mittagessen nachzuholen. Bei bereits vollkommener Dunkelheit, die durch fahles Mondlicht etwas abgemildert wurde, setzten wir schließlich die Abfahrt fort - natürlich nicht ohne uns zuvor bei den Wirtsleuten zu vergewissern, daß auf der Piste keine Windenmaschinen unterwegs waren, und wir erreichten problemlos und sicher die Talstation.




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Das Navi meldet: Sie haben ihr Ziel erreicht

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Die erste Sektion der Krippensteinbahn überwindet eine durchaus beeindruckende Bergflanke

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Blick in die andere Richtung, von der Mittelstation ins Tal

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Zweite Sektion

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Blick aus der Seilbahn (1)

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Blick aus der Seilbahn (2)

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Aus der Bergstation. Durch das hintere Tal verläuft die Variante Schönberg, dazu später mehr.

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Die Pendelbahn wurde offenbar mal modernisiert. Ursprünglicher Hersteller ist VÖEST, die Vereinigten österreichischen Eisen- und Stahlwerke.

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Die Kabine bei der Ausfahrt aus der Station

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Blick zum Dachstein, rechts die dritte Sektion der Krippensteinbahn, die von hinten her als Zubringer dient

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Oben befindet sich noch eine 4SB. Der geübte Betrachter findet das Herstellerschild sofort.

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Der gesamte Stationskomplex

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Als der Krippenstein erschlossen wurde, beschäftigte sich der Hersteller dieses Lifts noch hauptsächlich mit Konstruktionen wie der abgebildeten

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Ohne Worte

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Krippenstein, dritte Sektion

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Auf dem Weg zur Variante noch schnell nen neuen Desktop-Hintergrund gebastelt...

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Los geht's!

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Wer findet die tapferen Skifahrer?

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Unvergessliche Eindrücke bleiben auch hier

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Durch die Flanke leicht rechts der Bildmitte zieht sich unsere Abfahrt. Bei Pulverschnee sicher ein Genuss, bei Bruchharsch weniger.

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Da gehts runter, von der Seilbahn aus schön einzusehen. Etwas links der Lawinenverbauungen über den linken, mittleren Bildrand hinaus.

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Abendstimmung vor der letzten Abfahrt

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Die Dämmerung ist bereits hereingebrochen

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Unbekannter Carver

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Ende





gerrit brachte uns zurück nach Salzburg, und nach fünf interessanten, abwechslungsreiche Skitagen in fünf völlig verschiedenartigen Skigebieten trennten sich unsere Wege. gerrit fuhr zurück in Richtung Wien, trincerone und ich machten uns auf den Weg nach Deutschland, wo ich in Ulm den Zug in Richtung Heimat bestieg - sicher bis auf weiteres zum letzten Mal, denn wie schon auf dem Rückweg von der Weißseespitze verlief dieser Abschnitt äußerst problematisch: Der Zug in Ulm startete mit 45 Minuten Verspätung wegen - festhalten - fehlendem Zugpersonal! Dies brachte mir zu allem Überfluss an meinem Umsteigebahnhof in Plochingen weitere 45 Minuten Wartezeit bis zum letzten Zug nach Hause, wo ich schlußendlich kurz nach zwei Uhr ankam anstatt um Mitternacht wie ursprünglich geplant - nach einer Odyssee, auf die ich gut hätte verzichten können.
Trotzdem im Nachhinein eine gelungene Tour, nicht ganz so beeindruckend wie Alagna ein Jahr zuvor aber schön, entspannt und gemütlich abseits der üblichen Pfade. Ich freue mich schon auf's nächste Mal!

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BeitragVerfasst: Sa, 25.02.2006, 12:33 
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RetroRebel
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Interessant das alles noch mal Revue passieren zu lassen...


P.S. Ich find die 60er Jahre Poma Lifte am Kanin geil! :D


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BeitragVerfasst: Sa, 25.02.2006, 15:00 
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Traumfotos und ein mehr als gelungener Text. Grosses Kompliment dazu :wink:.

Sella Nevea/Kanin sieht ja sehr einladend aus und die "Skischaukel" per Tourenski ist sicher genial. Habe ich das richtig verstanden, dass der Skipass bereits derzeit sowohl in Sella Nevea als auch in Bovec/Kanin gültig ist ?

Wie weit ist Sella Nevea eigentlich von Tarvis entfernt ? Hattet ihr da irgendwelche Hinweise auf funktionierenden öffentlichen Busverkehr bemerkt ?

Zum Krippenstein: Schade, dass ihr keine brauchbaren Pulverschneeverhältnisse hattet. So ein Bruchharschdeckel auf lockeren Schnee ist für die allermeisten ein Spasszerstörer. Ich beneide alle wenigen Auserwählten, die sowas noch gut fahren können ...


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BeitragVerfasst: Sa, 25.02.2006, 15:13 
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RetroRebel
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Nein, es gibt derzeit keinen gemeinsamen Skipass für Bovec und Sella Nevea. Deshalb musste wir ja auch oben an der Bergstation on Bovec versuchen, einen Skipass zu bekommen. Wenn man so wie wir auf dem Rifugio übernachten, braucht man aber auch keinen solchen, weil man die Lifte von Sella Nevea für den Übergang nicht braucht.

Bezüglich des Busverkehrs: hm, ich nichts gesehen, aber das muss ncihts heißen. Allerdings ist Sella ganz schön abgelegen! Von Tarivisio... hm wie lange haben zurück gebraucht. Also mindestens eine halbe bis drei viertel Stunde würde ich sagen. Und dazwischen ist nicht viel...

Ich fand den Schnee am Krippenstein übrigens gar nicht so schlecht. Oben wars sicher etwas tückisch (mal Harsch mal nicht), aber der untere Teil im Wald ging vom Schnee her an sich ganz gut. Die Bäume haben mich mehr gestört... ;) Allerdings muss man auch sagen, dass Steffen etwas eleganter Skifährt als ich. Ich lege meistens v.a. Wert drauf, mich nicht auf die Fresse zu packen (was mir normalerweise auch gelingt) und verzichte daher an Stellen wo ich mir nicht sicher bin einfach auf Schwünge. Sieht nicht schön aus, aber gut.. die anderen beiden fahren auch um einiges besser als ich. Jedenfalls stört mich bei der Fahrweise dann auch das mit dem Harsch nicht so sehr... Bäume schon... ;) :D


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BeitragVerfasst: So, 26.02.2006, 14:26 
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Ich wollte einfach nur DANKE sagen für den tollen Bericht und die unglaublich beeindruckenden Bilder :D So eine faszinierende Stimmung erlebt man wirklich selten - aber in der Region um Bovec habe ich (unten im Tal) doch schon einige Male Glück gehabt :D .

Die "Abfahrt" zur unteren Mittelstation sieht aber wirklich sehr gewöhnungsbedürftig aus - aber wenigstens keine planierte Autobahn :wink: Zumindest mit dem Snowboard sind mir die Freeride-Möglichkeiten im oberen Teil aber doch lieber...

Leider hab ich damals nichts gegessen - ich wollte die Zeit auf der Piste verbringen. Ein Freund von mir hat aber begeistert vom größten Sandwich erzählt, den er je gegessen hat.

Ich glaub, ich muss baldmöglichst wieder mal nach Bovec.


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BeitragVerfasst: So, 26.02.2006, 17:41 
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Excellenter Bericht!!!
Auch wenn ich mich eher zur Fraktion der Kilometerfresser zähle, kann ich einmal mehr die Vorzüge des Variantenfahrens verstehen, vor allem, wenn sie, wie in diesem Bericht, so eindrucksvoll in Wort und Bild festgehalten werden.
Gedanklich interessant geschrieben sind die Einleitungspassagen zu Beginn des Kanin Berichtes, eine Thematik, über die man lange diskutieren, oder besser, philosophieren könnte. Letztendlich wird jeder für sich selbst entscheiden, wo er seinen "Kick" findet. Veränderungen, wie auch in deinem Falle, natürlich nicht ausgeschlossen.


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BeitragVerfasst: So, 26.02.2006, 20:51 
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Very nice.. da krieg ich doch fast mehr Lust auf Nevea+Kanin+Dolimiten als auf meine Mittelmeermittelgebirgsgebiete, die ich in der nächsten Woche anfahre ;)

helmut hat geschrieben:
So ein Bruchharschdeckel auf lockeren Schnee ist für die allermeisten ein Spasszerstörer.


Umgekehrt ists aber auch nicht einfacher: 5cm Pulverschnee auf verspurten (nicht-Bruch) Harsch-Schnee, das hatte ich heute ...


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