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BeitragVerfasst: Di, 21.11.2017, 20:15 
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1.11.2017 Staubernbähnli, Letzte Chance
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Der Piz Sol ist ein 2844m Hoher Berg zwischen Weisstannental im Westen, Taminatal im Osten und dem Calfeisental im Süden. Gegen Norden hin fällt der Berg bis ins Sarganserland auf rund 500m Höhe ab. Der Berg ist der Höchste Berg von St. Gallen bzw eigentlich eine Berggruppe aus den Gipfeln Sazmartinshorn (2827 m), Zanaihorn (2821 m), Schwarzen Hörner (2645 m) und Muntaluna (2422 m). Östlich des Gipfel befindet sich der Pizolgletscher. Nach dem 2 Weltkrieg rückte der Berg in den Fokus touristischer Erschliessungsplände.

Wir schreiben das Jahr 1954, der Krieg ist noch keine 10 Jahre zu Ende, die Wirtschaft Boomt, der Wohlstand steigt und die Mobilität wächst rasant. Die Bergbahnbranche erlebt nach den schlechten Jahren zwischen 1939 bis 1948 einen zweiten Boom, fast auf jeden Gipfel der Alpen ist eine Bahn geplant. So auch auf den Piz Sol (heute Pizol), Gleichzeitig beginnen zwei unterschiedliche Firmen mit dem Bau einer Bergbahn auf den Pizol und zwar von verschiedenen Seiten. Von Ragaz via Pardiel und von Wangs via Furt. Während die Gesellschaft aus Ragaz auf ein bewährtes Seilbahnsystem, der Zweiseilbahn Typ Wallmannsberger setzt, setzt man in Wangs auf den absolut neusten Schrei, einer Eiseilumlaufbahn mit 4er.
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Die zweite derartige Anlage in der Schweiz. Das sogenannte System Oehler funktioniert nach dem Mitnehmerprinzip. Die Klemmen befinden sich fix am stetig umlaufenden Förderseil, die Fahrzeuge werden mit Klemmen an die Mittnehmer nicht an das Seil gekoppelt.
Im Nachhinein betrachtet hatte Bad Ragaz das bessere Händchen mit dem Seilbahnsystem.

2 Jahre später, 1956 begannen zwei Lehrlinge aus der Region Flums eine Lehre als Mechaniker beim Skiliftproduzenten Walter Städeli in Oetwil
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Ihre Namen: Anton Bartholet und Niklaus Wildhaber. Während Wildhaber bei den Seilbahnen blieb, eröffnete Anton Bartholet 1962 eine eigene Mechanikwerkstatt für Landmaschinen in seiner Heimat Flums. Neben der Reparatur und dem Umbau von Landmaschinen bekam er schon im ersten Jahr den Auftrag für die Revision der Klemmen der kuppelbaren 2er Sesselbahn Flumserberge-Maschgenkamm. Bis 1970 gedieh das Geschäft von Anton Bartholet mit seinen Landmaschinen prächtig. Der Durchbruch kam mit der Entwicklung des Bergheuers, einer Heuerntemaschine, welche Modular auf verschiedene Einachsertraktoren aufgesteckt werden konnte. Mit den grösser werdenden Auftragsbücher stieg auch der Personalbestand. 1970 stiess Niklaus Wildhaber wieder zu Bartholet. Die Maschinenbaufirme erweiterte das Portfolio auf Seilbahnen

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Zur gleichen Zeit war man am Piz Sol nicht ganz zufrieden mit der technischen Erschliessung, OK, nur einer der beiden Gesellschaften war nicht zufrieden. Das System Oehler bewährte sich nicht. Zu kompliziert, zu anfällig, zu Wartungsintensiv. Man befasste sich schon nach 10 Jahren Betrieb mit einem Ersatz. Dieser wurde 1975 realisiert.
Und jetzt schlug die Geburtsstunde der Bartholet Seilbahn. Ahh und jetzt ist auch klar, wieso die BMF Skilifte teilweise denen von WSO so ähnlich sehen.
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Die zu ersetzende Bahn wanderte nicht in den Hochofen, sondern wurde demontiert, nach Flums transportiert und bekam dort ein zweites Leben eingehaucht.
Aus der Pizol Seilbahn entstand die erste Seilbahn welche Jahrelang als System Wildhaber bezeichnet wurde.
Die Ausgangslage war eine Occasions Seilbahn, der Einsatzort, Kleine Seilbahnbetriebe, Berggasthöfe, Alpen, usw. Man nehme die Stützen einer Umlaufbahn, Sessellift Kabinenbahn usw. Montiere ein Umlenkrad am Berg, am Besten in Seilneigung damit nicht grosse Ablenkwinkel entstehen und viele Stützen gesetzt werden müssen, Montiere einen einfachen Antrieb, vornehmlich aus Occasionsteilen der abgebrochenen Seilbahnen, hänge an das Seil ein oder 2 Kabinen, ebenfalls aus der Wiederverwertung und lasse die Bahn als Pendelbahn weider fahren.
Die erste Bahn war die Seilbahn zwischen Saxli und Schönhalden am Flumser Kleinberg, welche heute noch besteht. Mit den Jahren entstanden immer neue solche Bahnen, Hinterspina, Sanetsch, Alp Gschwänd, Gsteig, Lumino, usw. Fast immer auf Basis von Occasion Bahnen. Auch andere Hersteller kopierten dieses Konzept, Streiff, Doppelmayr und sogar WSO selber.

Aber wie kommen wir jetzt nach Staubern? Die Staubernkanzel 1861müM ist ein Bergrücken im Alpstein zwischen Sennwald im St. Gallischen Rheintal und dem Sämtistal Appenzell Innerrhoden.
Seit 1930 gibt es ein Berghaus auf dem Staubern. 1751müM. Von diesem hat man einen grandiosen Ausblick auf den Säntis, Rheintal, Vorarlberg und das Toggenburg.
1964 wurde eine kleine Transportseilbahn von Sämtis zum Berghaus gebaut um diesen einfacher mit Esswaren und Getränken zu versorgen.
im Jahre 1979 wurde eine neue Seilbahn gebaut von Frümsen-Staubern, direkt aus dem Rheintal. Der Auftrag dafür erhielt Bartholet mit seiner Wildhaber Seilbahn. Da am Flumser Kleinberg noch nicht alles Material vom Piz Sol verbaut wurde, blieb man auch in Frümsen der Linie treu. Die Anlage besteht zu 80% aus Recycelten Bauteilen vom Pizol.

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Talstation in Frümsen auf rund 508müM, Gleichhoch wie in Wangs.

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Talstation in Frümsen interessante Anordnung der Umlenkräder, die Rollenbatterien in der Ausfahrt wurde 2001 ersetzt.

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Das erste Spannfeld ist rund 1km lang und macht ca 400 Höhenmeter. Die Bahn war bis 2001 nur eine Privatbahn ohne Touristenbeförderung. Danach wurde sie zur 6EPB umgebaut und Öffentlich.

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Stütze 1 kann den Ursprünglichen Konstrukteur nicht verleugnen. Bartholet hat einfach eine Wechsellastrollenbatterie montiert.

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Links Ingenieurskunst 1952, rechts 2017. :wink:

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Gleich daneben in den Bäumen versteckt sich schon der Neubau.

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Oberhalb der ersten Stütze ist schon die Streckenmitte erreicht. Fahrstecke rund 1100m und 500 Höhenmeter sowie eine Stütze.

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OK aus Fairness muss man sagen, die alte Bahn hat 6 Stützen, die neue nur 3.

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Stütze 2&3 neben neu Stütze 2 der neuen 8PB.

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Wärend die neue Bahn weiter steil empor steigt, wird die Alte Bahn künstlich flach gehalten zur Zwischenstation Stelli, wo aber nur für den Älpler gehaltet wird.

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Dann wirds wieder steil!

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Blick ins Rheintal und die Alpen

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Die Bahn ist ein echter Überflieger, auch wenns kaum jemand weis hielt die Bahn bis zur Eröffnung der Palfriesbahn der schweizer Rekord punkto Höhenmeter. 1240 Höhenmeter, eine andere Bahn in der Schweiz machte mehr Höhenmeter in einer Sektion.

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Vorarlberg

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Stütze 5 Ex. Piz Sol

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Blick auf die Strecke, rechts die neue Bahn

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Stütze 6 wieder mit neuen Rollenbatterien

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Stütze 6 rund 1200 Höhenmeter hat die Bahn jetzt hintersich

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Stütze 6 und Stütze 7 in Portalbauform, was nicht immer so war.

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Bergstation im Bunkerlook halb in den Berg gebaut. Von der Station führt unterirdisch eine Standseilbahn direkt ins Berghaus schräg darüber.

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Ausgang aus der Station für Fussgänger. Man muss etwas aufpassen um nicht unfreiwillig mit der Gondel Bekanntschaft zu machen.

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Berggasthaus Staubern

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Säntis mit Schnee, in den Senken gabs mal Sommerski!

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Der Wanderweg direkt auf dem Grat

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Wer gute Augen hat erkennt etwas Kurioses am Fels über dem Staubernberghaus. Ein Briefkasten der Post. Der war aber nicht immer da.

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Er hing jahrelang im Berghaus Staubern. Die Post hatte ihn vergessen, leerte ihn auch nicht mehr. Trotzdem wanderten immer wieder Briefe mit Frankatur in den Schlitz. Der Besitzer des Berghauses und Gastwirt hatte erbarmen und leerte den Kasten selbstständig, brachte die Briefe und Karten mit seiner eigenen Bahn ins Tal und warf sie ein zweites mal In Sennwald in den Postschlitz. Gratis und Franko. Aber anstelle eines Dankeschöns von der Post flatterte eines Tages die Aufforderung ins Haus, des Kasten demontieren zu lassen. Der Wirt setzte sich mit der Post in Verbindung und bot an, den Service Public kostenlos weiter zu führen und diese Postkunden kostenlos nach Sennwald zu bringen. Dabei hatte er aber seine Rechnung nicht mit der Verwaltung der Post gemacht. Sie setzten eine Demontageverfügung durch. Doch kurz bevor der Beamte für die Demontage auftauchte, verschwand der Kasten plötzlich aus dem Berghaus und flog 100 Höhenmeter weiter oben an die Felswand. Der Beamte konnte nach einem Mittagessen unverrichteter Dinge wieder abziehen. Im Berghaus hängt seitdem ein eigener Holzkasten mit dem der Service Public sichergestellt wird. Der gelbe Kasten hängt seither an der Felswand als Symbol des Widerstandes gegen einen Monopolisten der sich mehr um Paragraphen kümmert als um seine Kunden.

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Höhenweg zum Hohen Kasten

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Bergrücken Stauberenfirst

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Seilbahn Alp Sigel

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Berghaus Ebenalp, die Seilbahn ist nicht zus ehen, dafür die Bergstation des Skilifts.

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Einfache Umlenkung in der Bergstation

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Neue Bergstation. Übrigens ein Highendprodukt. Solar Elektroantrieb mit Speichanlage von Tesla und Porsche Kabinen. Ist die erste Seilbahn die nur mit Solarbetrieb läuft, dank Speicherbatterie.

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Jetzt gehts wieder runter

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Alt und Neu Stütze 5 alt und 3 neu.

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Schon fast bei der Zwischenstation

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Zwischenstation Stelli

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Niederhalter. So schnell fahr die Bahn am Original Standort aber nicht über die Stützen wie hier.

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Doppelstütze 2&3

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Zwillingsstütze

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Streckenmitte

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Stütze 1 mit Wechsellastfunktion

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Alt und Neu. Die Bahn wurde übrigens wieder Privat finanziert und stammt wieder von Bartholet.

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Im langen Spannfeld vor der Talstation

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Einfahrt in die Talstation im Agudiostyle!

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Neue Talstation

So das wars von der Bahn. Vielleicht mal in ein paar Jahren die neue Testen.
Album:
http://www.stahlseil.ch/gallery/main.ph ... mId=321896


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BeitragVerfasst: Sa, 25.11.2017, 17:20 
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Registriert: Di, 08.07.2014, 10:11
Beiträge: 20
Vielen Dank für den interessanten Bericht und speziell die Hintergründe zur Bartholet!


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BeitragVerfasst: Sa, 25.11.2017, 18:48 
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